ZF in Gelsenkirchen
Automobilzulieferer schließt Werk – 200 Arbeitsplätze betroffen
Der Autozulieferer ZF streicht in Gelsenkirchen 200 Stellen. Die Produktion soll bis Ende 2024 eingestellt werden. Es fehlen Aufträge.
Gelsenkirchen – Jetzt ist es amtlich: Der Autozulieferer ZF entlässt am Standort Gelsenkirchen (NRW) 200 Angestellte. Nachdem bereits Mitte November bekannt wurde, dass in Gelsenkirchen Jobs beim Autozulieferer auf der Kippe stehen, wurden die Mitarbeiter heute in einer Betriebsversammlung über die Schließung der Produktion zum Ende des Jahres 2024 informiert.
Produktion von ZF in Gelsenkirchen fehlen die Aufträge
Im Jahr 2018 stand die Produktion in Gelsenkirchen schon einmal vor dem Aus. Damals fand man eine Lösung. Die Produktion wurde verkleinert, in Gelsenkirchen siedelte man zudem ein Technologiezentrum an. Die Mitarbeiter verzichteten auf Anteile vom Lohn und das Unternehmen investierte noch einmal zehn Millionen Euro in den Standort.
Entlassungen in Gelsenkirchen
► Zum Jahresende 2024 stellt der Automobilzulieferer ZF die Produktion am Standort in Gelsenkirchen ein.
► Bislang fertigen dort 200 Angestellte hydraulische Lenkungen und Kabelsets für die Nutzfahrzeugindustrie.
► 2018 stand die Produktion schon einmal vor dem Aus. Damals rettete das Unternehmen den Standort, indem es dort ein Technologiezentrum und ein neues Produkt ansiedelte: eine Elektrolenkung für Lkw.
► Doch die Aufträge dafür blieben aus.
► Ende 2024 läuft in Gelsenkirchen der reguläre Produktionsauftrag für Pkw-Lenkungen aus.
► Damit werden 200 Angestellte aus der Produktion arbeitslos. Mit ihnen sollen jetzt Gespräche stattfinden.
► Unklar ist noch, ob das Technologiezentrum mit 150 Angestellten weiter betrieben wird.
Man hoffte damals, mit einem neuen Produkt wieder Gewinn zu machen: eine Elektrolenkung für Lkw. Bis es so weit sein sollte, wurden in Gelsenkirchen hydraulische Lenkungen und Kabelsets für die Nutzfahrzeugindustrie produziert. Wie ZF mitteilt, nahm das Unternehmen damit Millionenverluste in Kauf.
Doch die Aufträge für die Lkw-Lenkungen blieben aus. Das Produkt verkaufte sich nicht. Ende 2024 läuft nun auch der reguläre Produktionsauftrag für Pkw-Lenkungen aus. „Für die Produktionsmitarbeiter gibt es nicht mehr ausreichend Beschäftigung“, berichtet das Unternehmen.
Transformation der Automobilbranche macht ZF zu schaffen
Michael Reinhart ist Regionalleiter der Division Nutzfahrzeuge für ZF in Europa. Er sagt, dieses Mal gebe es auch keine alternative Lösung: „Nachfolgeprodukte konnten nicht gewonnen werden, da unsere Kostenstrukturen im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig sind.“ Die Automobilbranche sei im Wandel: Weg von konventionellen und hin zu elektrischen Antrieben.
Der Autozulieferer ZF
► ZF ist ein weltweit aktiver Technologiekonzern und liefert Systeme für Autos, Nutzfahrzeuge und Industrietechnik.
► Im Jahr 2022 arbeiteten bei ZF weltweit rund 165.009 Menschen.
► Das Unternehmen ist in 32 Ländern mit 168 Produktionsstandorten vertreten.
► In Deutschland gibt es unter anderem Werke in Berlin, Düsseldorf, Hannover, Koblenz, Mannheim, Nürnberg und Regensburg.
► Die Hauptverwaltung von ZF in Deutschland sitzt in Friedrichshafen.
(Quelle: ZF)
Das führe an ZF-Standorten zu einer geringeren Wertschöpfung und damit auch zu weniger Beschäftigung. Deswegen können in Gelsenkirchen auch keine anderen Produkte von anderen ZF-Standorten produziert werden, sagt Reinhart. „Die kämpfen teils selbst um eine Auslastung ihrer Produktion.“ Zuletzt wurde etwa bekannt, dass ZF in Saarbrücken tausende Stellen abbauen will, wie BW24 berichtet.
Mitarbeiter aus Gelsenkirchen könnten zu anderen ZF-Standorten wechseln
In Gelsenkirchen soll es jetzt Verhandlungen mit den Mitarbeitern geben. Dabei geht es um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan über das geplante Ende der Produktion. „Ziel ist dabei, gute Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter am Standort zu finden“, heißt es von ZF. Möglich sei etwa, dass die Mitarbeiter an einen anderen Standort des Unternehmens wechseln.
Laut Mitteilung stehe ZF auch in Kontakt mit anderen Industrieunternehmen aus dem Ruhrgebiet. Auch dorthin sei ein Wechsel möglich. Man wolle außerdem mit der Arbeitnehmervertretung über eine mögliche Fortführung des Technologiezentrums in Gelsenkirchen sprechen. (ebu)
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