Konzern revidiert
Autozulieferer ZF will im Südwesten offenbar tausende Stellen abbauen
Autozulieferer ZF Friedrichshafen will Medienberichten zufolge am Standort Saarbrücken massiv Stellen einsparen. Der Konzern revidiert, räumt jedoch Probleme ein.
Friedrichshafen/Saarbrücken - Die groß angelegte Transformation zur E-Mobilität ist selbst für die größten Konzerne der baden-württembergischen Autoindustrie nicht ohne weiteres stemmbar. Vor einiger Zeit stand bei der ZF Friedrichshafen, dem nach Bosch zweitgrößten deutschen Autozulieferer, ein drastischer Stellenabbau im Raum, bei dem der Wegfall von rund 6.000 Arbeitsplätzen befürchtet wurde. Der Konzern aus Friedrichshafen (Bodenseekreis) hat sich inzwischen zum Hauptsitz bekannt und erklärt, dass „Friedrichshafen elektrisch werde“, andere Standorte stehen dafür aber offenbar auf der Kippe.
Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass ZF einen deutschen Standort im kommenden Jahr schließen und 200 Stellen abbauen muss. Wie aktuell mehrere Medien übereinstimmend berichten, steht beim Autozulieferer aber noch ein sehr viel größerer Stellenabbau bevor – nämlich am Standort im ohnehin gebeutelten Saarbrücken. Dort geht seit einiger Zeit die Angst unter der Belegschaft um, in einer Betriebsversammlung soll jedoch verkündet worden sein, dass der Personalabbau noch viel größere Dimensionen annehmen wird, als befürchtet.
ZF Friedrichshafen: Belegschaft in Saarbrücken soll offenbar auf nicht mal 3.000 Mitarbeiter schrumpfen
Die ZF Friedrichshafen hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen deutlichen Umsatzrückgang verkraften müssen, befindet sich inzwischen aber wieder auf Kurs. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigte sich bei einem Besuch am Hauptsitz in Friedrichshafen überzeugt und auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bescheinigte dem schwäbischen Stiftungskonzern „gut dabei“ zu sein. Ende 2022 hatte ZF am Standort Saarbrücken in die E-Mobilität investiert und verkündet, in der saarländischen Landeshauptstadt künftig Antriebstechnik für E-Autos produzieren zu wollen. Dafür benötigt der Autozulieferer aber offenbar deutlich weniger Personal als bisher.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Wie der Saarländische Rundfunk (SR) berichtet, wurde offenbar bei einer Betriebsversammlung am ZF-Standort Saarbrücken verkündet, dass die Zahl der Mitarbeiter bis 2030 auf rund 2.830 reduziert werden soll. In Saarbrücken arbeiten derzeit knapp 10.000 Angestellte für den Weltmarktführer aus Baden-Württemberg, sodass der Stellenabbau im schlimmsten Fall mehr als 7.000 Arbeitsplätze betreffen könnte. Für das Saarland wäre eine solche Maßnahme ein harter Schlag, da das ZF-Werk eines der größten Arbeitgeber des Bundeslandes ist. Auch US-Autokonzern Ford hat angekündigt, im Saarland massiv Stellen abbauen zu müssen.
ZF bestätigt Verkleinerung in Saarbrücken, will sich aber „an Zahlenspekulationen“ nicht beteiligen
Der große Autozulieferer selbst hat zwar eingeräumt, dass der Standort Saarbrücken verkleinert werden soll, will sich zu konkreten Zahlen aber nicht äußern. „Wir sprechen seit Jahren transparent über die Tatsache, dass der Standort Saarbrücken aufgrund der geringeren Wertschöpfung bei den Produkten der E-Mobilität nicht mehr wachsen, sondern sich verkleinern wird“, teilte der Konzern gegenüber dem SR mit. „An Zahlenspekulationen bezüglich der weiteren Entwicklung werden wir uns nicht beteiligen.“ Im Mittelpunkt würde dagegen viel mehr die Zukunftssicherung des Standortes stehen.
Die IG Metall Saarbrücken hatte dagegen erklärt, dass ein Betrieb mit nicht mal 3.000 Mitarbeitern zwar theoretisch möglich, der Abbau von so vielen Stellen für das ZF-Werk aber existenzgefährdend sei. Wichtig sei, dass der Konzern Aufträge für Komponenten für die E-Mobilität am Standort sichern müsse, diesbezüglich habe es auch bereits erste Gespräche gegeben. „Unser Störfaktor an dieser Stelle ist tatsächlich, dass wir wissen, dass es Volumen gibt, aber dass sie letzten Endes in den Planungen der Unternehmensseite nicht an den deutschen Standorten platziert wird“, erklärte ein Gewerkschafter.
Die IG Metall hatte bereits in der Vergangenheit deutlich kritisiert, dass die ZF wesentliche Komponenten für die E-Mobilität im Ausland angesiedelt hat. Zugutehalten müsse man dem Stiftungskonzern vom Bodensee jedoch, dass sich der Betriebsrat gemeinsam mit der Gewerkschaft um Zukunftsperspektiven für die deutschen Standorte bemühe. Gemeinsam wurden sogenannte „Zielbilder“ für die deutschen Werke vereinbart, eine Jobgarantie für die Mitarbeiter am ZF-Hauptsitz in Friedrichshafen gab es bis zuletzt allerdings nicht.
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