Café Med
Kostenlose Sprechstunde von pensionierten Ärzten – „vertraulich und ehrenamtlich“
Mit Erfahrung helfen: In Warendorf startet das „Café Med“ – ein besonderes Sprechstunden-Modell für Patienten. Pensionierte Ärzte nehmen sich Zeit für Fragen.
Warendorf – Wer kennt es nicht? Die Zeit beim Arzt ist knapp bemessen. In Windeseile werden Patienten behandelt und abgefertigt. Ehe sie sich versehen, stehen sie mit Krankschreibung und Rezept schon wieder vor der Tür – oft mit vielen unbeantworteten Fragen im Kopf. Um dem vorzubeugen und Kollegen wie Patienten gleichermaßen zu helfen, startet in Warendorf (NRW) am 28. Februar das „Café Med“, eine kostenlose Sprechstunde von pensionierten Ärzten. Patienten können sich dort mit Fragen melden.
„Café Med“ : Ehrenamtliche Sprechstunde in Warendorf startet im Februar
„Wir möchten die Zeitknappheit der Ärzte ein Stück weit auffangen und den Leuten ihre wichtigen Fragen beantworten“, erklärt Dr. Gottfried Färber, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Sportmedizin und Berufsgenossenschaftliches Heilverfahren, im Gespräch mit wa.de. „Wir nehmen uns Zeit, arbeiten ehrenamtlich, kostenlos und vertraulich.“ Behandelt werden Patienten vor Ort nicht. Viel mehr gehe es um das Ausfüllen wichtiger medizinischer Unterlagen und die Erklärung von Krankheitsbildern oder medizinischen Anliegen.
Das Konzept ist nicht neu. Die ursprüngliche Idee stammt aus der Schweiz. In zehn Städten beteiligen sich dort bereits rund 150 Mediziner an den kostenlosen Sprechstunden. Auch in Münster gibt es ein solches Angebot. „Dort decken elf Ärzte inzwischen alle Fachgebiete ab“, sagt Färber. Das ist auch der Wunsch für Warendorf.
Fünf Ärzte beantworten Fragen: Einige Fachgebiete sind noch offen
Neben Färber beteiligen sich folgende pensionierten Kollegen an dem Projekt:
- Dr. Angela Iserloh, Fachärztin für Anästhesiologie und Intensivmedizin
- Wolfgang Wemhoff, Facharzt für Allgemeinmedizin und psychosomatische Grundversorgung
- Dr. Thomas Weritz, Facharzt für Urologie, medizinische Tumortherapie, Andrologie und psychosomatische Grundversorgung
Aktuellster Neuzugang, die ebenfalls ihre Hilfe angeboten hat, ist die Gynäkologin Dr. Gabriele Berkemeyer. Auch in Warendorf kann somit bereits ein Großteil der Fachgebiete betreut werden. Trotzdem fehlen derzeit noch Fachärzte für Neurologie, HNO, Haut oder Zahnmedizin, damit wirklich jeder einen Ansprechpartner findet und zur Urlaubszeit auch eine Vertretung möglich ist.
Mit Kaffee ins „Wartezimmer“: Scala Café öffnet für Patienten
Geplant ist das neue Café Med an jedem vierten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr. Stattfinden soll die Sprechstunde im „Tapetensaal“ an der Klosterstraße 7. Im Café des Scala Filmtheaters an der Klosterstraße 5 können sich die Patienten bei einer heißen Tasse Kaffee die Wartezeit verkürzen. Kino-Inhaber Johannes Austermann öffnet das Café an den Tagen der Sprechstunde eigens für die Patienten. Beide Örtlichkeiten werden den Ärzten kostenlos für die Nutzung während der Sprechstunden zur Verfügung gestellt.
Damit die Ehrenamtler auch wirklich jedem gerecht werden und ein zeitlich geordneter Ablauf gewährleistet werden kann, ist eine vorherige Anmeldung unter der Handynummer 0176 37006825 zwingend notwendig. Der erste Termin findet am Mittwoch, 28. Februar, statt. „Die Resonanz auf unsere Pressemitteilung war riesig. Viele der Termine für den Auftakt sind bereits jetzt ausgebucht“, erklärt Färber.
Café Med: Einfachere Anmeldung für Patienten geplant
Um Patienten in Zukunft die Anmeldung zu vereinfachen, arbeiten die Ärzte derzeit mit der Stadt Warendorf an der Erstellung einer Internetseite für das Café Med. „Die Stadt hat uns auf ihrer Webseite einen Platz angeboten. Dort soll ein moderner Terminkalender eingepflegt werden, der den Patienten übersichtlich alle Termine zeigt“, sagt er. Auch über einen offiziellen Mail-Account sollen Anmeldungen in Zukunft möglich gemacht werden.
An der Umsetzung des „Café Med“ arbeitet Gottfried Färber bereits seit vergangenem Oktober. Dafür bedurfte es einiger Organisation, Absprachen mit der Stadt, dem Krankenhaus sowie Kollegen und Ärztekammern. „Die Zusammenarbeit mit den anderen Ärzten hat reibungslos funktioniert. Jeder hat direkt zugesagt und wollte helfen“, freut sich Färber.
In NRW hält der Fachkräftemangel auch die Arzt-Branche in Atem. Immer weniger Hausärzte finden noch einen Nachfolger. Erster Eingriff in Europa: In der Barbaraklinik in Hamm-Heessen wurde einem Patienten mit einem Tremor ein Hirnstimulator implantiert.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/DAVID HERRAEZ CALZADA