Ärztemangel in NRW

Hausarzt schließt die Praxis ohne Nachfolger – das können Patienten in NRW tun

In NRW finden immer weniger Hausärzte einen Nachfolger, der die Praxis übernimmt. Patienten können etwas tun, um sich die Arztsuche zu erleichtern.

Hamm – Geht ein Hausarzt in den Ruhestand, sorgt das bei vielen Patienten in Nordrhein-Westfalen für große Unsicherheit, denn eine Nachfolge ist nicht immer gesichert. Oft ist eine Schließung der Praxis die Folge. Der neue Arzt ist zudem nicht dazu verpflichtet, die Patienten seines Vorgängers zu übernehmen. Patienten und chronisch Kranke sollten sich deshalb zeitnah selbst um einen Ersatz bemühen. Dafür gibt es verschiedene Anlaufstellen.

Wenn der Hausarzt keinen Nachfolger findet – das können Patienten tun

Auch in der Medizin ist der Fachkräftemangel ein leidiges und immer wieder aufkommendes Thema. Wenn nun der Hausarzt seine Praxis ohne einen Nachfolger aufgibt, stehen viele Menschen vor der Frage, wo sie künftig unterkommen können. Denn das ist gar nicht so einfach: Aufgrund fehlenden Personals und der Überlastung der Praxen durch den hohen Ansturm von Patienten, haben viele Ärzte die Aufnahme neuer Patienten inzwischen gestoppt. Doch an wen wendet man sich, wenn der Hausarzt in den Ruhestand geht?

Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) werden Patienten in der Regel bereits einige Wochen oder Monate vorher von ihrem Arzt über die Aufgabe der Praxis informiert und erhalten Hinweise auf alternative Praxen im näheren Umfeld, die noch freie Kapazitäten haben. Das ist vor allem für bettlägerige und nicht mobile Menschen wichtig. Patienten können jedoch auch selbst tätig werden und nach geeigneten Praxen suchen. Für den Bereich Nordrhein gibt es die KVNO-Arztsuche. Für den Bereich Westfalen-Lippe gibt es die KVWL-Arztsuche.

Nachfolger des Hausarztes: Übernahme der Patienten ist keine Pflicht

Unter der kostenlosen Telefonnummer 116117 erreichen Bürger außerdem die Terminservice-Stelle der Kassenärztlichen Vereinigungen, die Patienten bei der Suche nach einem Behandlungstermin hilft. Die Nummer ist rund um die Uhr und an allen Wochentagen erreichbar und vermittelt – vor allem im Fall von Überweisungen – Termine bei Fachärzten, Hausärzten oder Psychotherapeuten. Aber: Bei der Vermittlung über die Servicenummer können sich Patienten den vermittelten Arzt nicht aussuchen.

Übernimmt ein neuer Arzt die Praxis des Hausarztes, ist er rechtlich nicht dazu verpflichtet, auch die Patienten zu übernehmen. In den meisten Fällen werden bestehende Patienten trotzdem weiterbehandelt. Ist die Kapazität des neuen Arztes erreicht, ist es ihm erlaubt, die Behandlung von weiteren Patienten abzulehnen. In Notfällen ist ein Arzt aber trotz allem dazu verpflichtet, zu helfen.

Es schadet auch nicht, wenn sich Patienten regelmäßig im engeren Bekanntenkreis über weitere Arztpraxen informieren. Auch die Patientenberatung von KVWL und Ärztekammer helfen Patienten bei Fragen rund um die gesundheitliche Versorgung innerhalb der Region. Diese ist auch unter der Telefonnummer 0251/929 9000 zu erreichen.

Schließungen von Praxen und Überalterung der Hausärzte

In NRW schlägt der Hausärztemangel im Bedarfsplan von Westfalen-Lippe besonders zu Buche. „Insbesondere in Ostwestfalen und Teilen Südwestfalens ist der Mangel am größten. Um in Westfalen-Lippe überall eine hundertprozentige Versorgung aller Patienten zu gewährleisten, fehlen derzeit 240 in Vollzeit beschäftigte Hausärzte“, erklärt Stefan Kuster, Pressesprecher der KVWL, auf Nachfrage von wa.de.

Das bestätigt auch KVNO-Sprecher Christopher Schneider für den Bereich Nordrhein. „Zuletzt waren es 120 nicht besetzte Zulassungen von Hausärzten, die für eine Versorgungsquote von 100 Prozent fehlen.“ Hinzu komme eine zunehmende Überalterung. „Zuletzt lag der nordrhein-weite Anteil an über 60-jährigen Hausärzten bei 36,2 Prozent“, so Schneider. In Westfalen-Lippe liegt dieser Anteil bereits bei 40 Prozent.

Förderprogramme sollen Beruf attraktiver machen

Mit verschiedenen Förderprogrammen und Weiterbildungsmöglichkeiten versuchen die Kassenärztlichen Vereinigungen die Rahmenbedingungen für Hausärzte in Deutschland zu verbessern und somit den Beruf für praktizierende Allgemeinmediziner und Medizinstudenten wieder attraktiver zu gestalten.

Fehlender Nachwuchs ist auch bei den Tierärzten ein zunehmendes Problem. Immer weniger Tierkliniken in NRW bieten eine Notfallversorgung an. 2025 wird deshalb ein neues Gesetz in Kraft treten.

Rubriklistenbild: © imago images/Michael Gstettenbauer

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