Tierschützer kritisieren Praxis
Als Futter für die Fleischfresser: Auch Zoos in NRW töten Tiere
Nach der Tötung von zwölf Pavianen im Nürnberger Zoo stellt sich die Frage der Rechtmäßigkeit. Drei NRW-Zoos erklären ihr Vorgehen und warum sie überhaupt Tiere umbringen.
Hamm – Als der Tiergarten Nürnberg Ende Juli zwölf Paviane tötete, folgte ein riesen Aufschrei. Der Zoodirektor bekam Morddrohungen. Etliche Anzeigen gingen bei der Staatsanwaltschaft ein. Doch die Wahrheit ist: Nicht nur der Zoo in Nürnberg tötet Tiere, sondern auch alle anderen – auch in NRW. Und das ist nicht grundsätzlich verboten.
Denn laut Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes ist es nur strafbar, Tiere „ohne vernünftigen Grund“ zu töten. Dieser vernünftige Grund kann im Zoo vorliegen, etwa wenn Tiere krank sind, ihr Leben gefährdet oder eventuell auch dann, wenn, wie im Fall der getöteten Paviane, eine Überpopulation vorliegt.
Zoo in Köln tötete Löwenbabys
Der Hass vor allem im Netz war nach der Tötungsaktion des Nürnberger Tierparks dennoch riesig. Kurz darauf traf dieser Hass auch den Kölner Zoo. Dieser tötete gut eine Woche nach der Pavian-Nachricht zwei Löwenbabys. Die Mutter hatte die Jungtiere „nicht richtig angenommen“, hieß es, man habe ihnen „unnötiges Leid“ ersparen wollen.
Immer wieder kommt es vor, dass Zoos Tiere umbringen. Die britische BBC zitierte 2014 den Direktor der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA), der schätzte, dass die Zahl der getöteten Tiere in der EU bei 3000 bis 5000 pro Jahr liege. Das betrifft auch die Zoos in Nordrhein-Westfalen.
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Im schon angesprochenen Kölner Zoo etwa wurden 2024 15 Tiere eingeschläfert, um sie an die Raubtiere im Zoo zu verfüttern. So habe man keine weiteren Tiere fremd einkaufen müssen. „Dieses Vorgehen wird streng kontrolliert und ist mit dem Veterinäramt der Stadt Köln abgestimmt und genehmigt“, heißt es auf Anfrage von wa.de.
Gleichzeitig schreibt der Zoo jedoch: „Nur als letztes Mittel, nach Einzelindikation und falls alle andere Optionen nicht umsetzbar sind, kommt die Tötung in Frage.“ Dieses Populationsmanagement, wie es im Zoo-Sprech heißt, solle „unnötigen Stress, Inzucht oder Überbevölkerung“ vermeiden.
Auch im Allwetterzoo in Münster werden Tiere getötet, um die Fleischfresser zu versorgen. „So werden z.B. Ziegen, Kaninchen oder Meerschweinchen, in selteneren Fällen auch Nachzuchten von Gnus oder Wasserböcken hier vor Ort geschlachtet“, schreibt der Zoo auf Anfrage von wa.de.
Allwetterzoo: Zuletzt Zwergziege getötet
Vorteile davon seien das „art- und bedürfnisgerechte“ Leben zuvor im Zoo, und dass kein Transportweg nötig sei. Zuletzt sei eine der Zwergziegen getötet worden. Hinzu kämen Tötungen aufgrund von Krankheiten oder Verletzungen, die ebenfalls eng mit Veterinären und externen Experten abgestimmt würden, wie der Allwetterzoo schreibt.
Ähnlich passiert es im Tierpark Olderdissen in Bielefeld. Mehrmals im Jahr gebe es hier Schlachtungen von Tieren als Futter für die Fleischfresser. Vor allem Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten, Ziegen und Schafe würden dafür getötet.
Überpopulationen, wie im Fall der Nürnberger Paviane, kämen aber laut Eigenaussage in allen drei angefragten Zoos äußerst selten vor. Der Kölner Zoo etwa manage seinen Tierbestand „intensiv“, die Planungen dafür reichten dafür 100 Jahre in die Zukunft. Der Münsteraner Allwetterzoo lasse die Tiere auf der Afrika-Anlage sich vermehren, auch weil diese groß genug dafür sei.
Bei anderen Arten, wie „derzeit bei unserer Persischen Leopardenkatze oder den Sibirischen Tigern“ werde nach den strengen Richtlinien der Zuchtbücher der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) vorgegangen. Diese regeln, welche Tierart in welchem Umfang gezüchtet bzw. sich vermehren darf. Diese Richtlinien dienen auch dem Arterhaltungsziel, welches Zoos eigenen Angaben nach verfolgen.
Gericht muss prüfen, ob Tötung in Nürnberg rechtens war
Sollten doch einmal mehr Jungtiere geboren werden, als Platz im Zoo ist, tauschen sich die Zoos und Tierparks untereinander aus. In speziellen Netzwerken wird nach Plätzen gesucht, wo die Tiere, die zu viel sind, unterkommen können. Das wurde auch im Fall der Paviane getan – doch dem Tierpark in Nürnberg zufolge ohne Erfolg.
Ob diese Tötung nun aber rechtens war, ist fraglich. Nach den Strafanzeigen gegen den Zoo muss das nun ein Gericht klären. Proteste von Tierschützern gab es jedenfalls deutschlandweit – so auch in Hamm.
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