Bahnhof Drensteinfurt
Zug fährt vor der Nase weg: Barrierefreiheit Thema bei Vor-Ort-Termin
In Drensteinfurt am Bahnhof gibt es zwar eine mobile Rampe für Rollstuhlfahrer. Doch die Probe, ob ein Rollstuhlfahrer gesehen und die Rampe angelegt wird, fiel negativ aus, als der Landtagsabgeordnete Dennis Sonne, der selbst im Rollstuhl sitzt, dies am Bahnhof testete.
Drensteinfurt – Ein Bild von der Situation am Drensteinfurter Bahnhof machten sich die Sprecher des Grünen Ortsverbandes, Mona Kolbow und Uwe Eggert, Ratsmitglied Raphaela Blümer, der Bürgermeister Carsten Grawunder, die städtische Fachkraft für Inklusion und Teilhabe, Silke Russow, sowie der Landtagsabgeordnete Dennis Sonne, der selbst im Rollstuhl sitzt und sich für Inklusion und Barrierefreiheit einsetzt.
Als die Gruppe am Bahnsteig angekommen war, fuhr der erste Zug direkt ein. Die Probe, ob ein Rollstuhlfahrer gesehen und die vorhandene Rampe angelegt wird, fiel negativ aus. Der Zug fuhr trotz Betätigung des dafür vorgesehenen Knopfes für Rollstuhlfahrer und sichtbarer Positionierung weiter. „Leider normaler Alltag für viele Menschen mit Behinderung“, so Silke Russow.
Wenn Priorität 1 in einem bundesweiten Ausbauprogramm für Bahnhöfe in Deutschland bei der Planung des notwendigen Ausbaus bedeutet, dass die Deutsche Bahn hierfür Zeit bis 2027 hat, dann ist das einfach nicht hinnehmbar.
Dennis Sonne, Landtagsabgeordneter der Grünen, der seit einem Unfall im Jahr 2004 querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat so etwas schon erlebt. „Seit vielen Jahren sind für mich die Themen Inklusion und Barrierefreiheit eine Herzensangelegenheit. Zur Teilhabe gehört natürlich auch die Möglichkeit, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen“, sagte Sonne. Aus diesem Grund machte er sich ein Bild vor Ort.
„Die mittlerweile seit neun Jahren andauernde Diskussion um die fehlenden Bahnsteigerhöhungen macht mich mittlerweile nur noch wütend“, betonte Bürgermeister Carsten Grawunder und ergänzte: „Wenn Priorität 1 in einem bundesweiten Ausbauprogramm für Bahnhöfe in Deutschland bei der Planung des notwendigen Ausbaus bedeutet, dass die Deutsche Bahn hierfür Zeit bis 2027 hat, dann ist das einfach nicht hinnehmbar und stellt für bewegungseingeschränkte Menschen schon mal gar keine Perspektive dar. Und die vorhandenen Rampen, die als Übergangslösung installiert worden sind, können auch nur ihren Zweck erfüllen, wenn das Zugpersonal davon Kenntnis hat und entsprechend eingewiesen ist.“
Viele Profiteure
Nur circa drei Prozent der Menschen mit Behinderung leben nach Angaben von Silke Russow, der städtischen Fachkraft für Inklusion und Teilhabe, von Geburt an mit der Einschränkung. Den wesentlich größeren Teil treffe eine Behinderung im Laufe des Lebens. „Was bedeutet, dass es jeden von uns treffen kann!“ In vielen Lebenssituationen (zum Beispiel mit Gehhilfe, Kinderwagen oder Rollator) profitierten alle von Barrierefreiheit, so Russow. Dennis Sonne (MdL) sagt treffend: „Niemand ärgert sich über Barrierefreiheit.“
Grawunder hat schon vor Jahren den Vorschlag gemacht, auf beiden Bahngleisen kissenförmige Aufpflasterungen vorzunehmen, die dann auf einem begrenzten Abschnitt erlauben, ohne fremde Hilfe auf die Höhe der Einstiege zu gelangen. Dies sei seitens des Eisenbahnbundesamtes seinerzeit schlichtweg als unzulässig zurückgewiesen worden. „Vielleicht machen wir das einfach mal selber; unsere Mitarbeiter vom städtischen Bauhof bekämen das hin“, fügte Grawunder mit einem Augenzwinkern hinzu.
Außerdem sei eine Fahrt mit dem Rollstuhl durch die Unterführung, um das Gleis zu wechseln, sehr kräftezehrend oder für viele gar unmöglich, sagte Russow. So müsste es aufgrund der starken Gefälle und Steigungen nach neuen Vorgaben eigentlich ebene Ruhezonen geben. Der Bürgermeister kommentierte: „Das Fehlen einzelner Schilder und Wegweiser zum Beispiel am Ende der Unterführung könnte die Stadt zeitnah beenden. Für die großen Maßnahmen brauchen wir ein engagiertes Handeln der Bahnhofsbetreiber.“ WA/mak
