Umweltausschuss Bergkamen

Streitpunkt Grubenwasser: RAG trifft auf Bürgerinitiative

Die Zielgrube des Rohrvortriebs für die Grubenwasserleitung liegt in Heil an der Königslandwehr/Am Rothenbach. Von dort ist es noch gut ein Kilometer bis zur Lippe. In Gravenhorst baut die RAG eine Aufbereitungsanlage für den Grubenwasserabschlag in die Aa.
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Die Zielgrube des Rohrvortriebs für die Grubenwasserleitung liegt in Heil an der Königslandwehr/Am Rothenbach. Von dort ist es noch gut ein Kilometer bis zur Lippe. In Gravenhorst baut die RAG eine Aufbereitungsanlage für den Grubenwasserabschlag in die Aa.

Die RAG stellt am Abend ihre neuen Pläne für das Grubenwassermanagement in Bergkamen vor. Die Bürgerinitiative will dabei Flagge zeigen.

Bergkamen – Auf zwei Ebenen geht es dieser Tage mit der Wiederaufnahme der Grubenwassereinleitung in die Lippe voran. Über Tage wird der RAG-Vertreter  Werner Grigo den verfahrensrechtlichen und politischen Part mit der Erläuterung des geplanten höheren Anstiegs des Grubenwassers an diesem Donnerstag im Umweltausschuss bestreiten. Unter Tage hat die RAG derweil das nächste technische Etappenziel für all das erreicht.

Zweiter Unter-Tage-Kanal fertig

Der zweite unterirdische Kanal vom Schacht Aden 2 zum Aufnahmebauwerk an der Königslandwehr/Am Rothenbach in Heil ist unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurch über 340 Meter Strecke aufgefahren, wie die RAG-Pressestelle mitteilte. In welchem Umfang dort noch Aufbereitungsanlagen errichtet werden müssen, wird das weitere Genehmigungsverfahren ergeben.

Rede und Antwort

Die Sitzung des Umweltausschusses beginnt heute um 17 Uhr im Ratstrakt. Die Pläne der RAG sind erster Punkt der Tagesordnung. Nach dem Vortrag soll Zuhörern die Gelegenheit zu Nachfragen gegeben werden. Werner Engelhardt, Vertreter von BergAuf in dem Gremium und zugleich Sprecher der Initiative gegen die Grubenwassereinleitung, hat das beantragt und angekündigt, dass „einige interessierte Bürger+innen zu erwarten“ seien. Bürgermeister Bernd Schäfer teilte dazu mit, dass sein Haus die für Publikumsbeiträge erforderliche Sitzungsunterbrechung geplant habe.

Dass es ohne eine Abscheidung von Schadstoffen wie ehedem nicht mehr gehen wird, hat  Werner Grigo, Leiter des Genehmigungsmanagements der RAG, im WA-Gespräch schon ausgeführt. Der Blick auf die Bestimmungen für die schon genehmigte Grubenwassereinleitung am ehemaligen Bergwerk Anthrazit in Ibbenbüren in die Aa gibt einen Eindruck davon, wie in Bergkamen mit den erwarteten 11,9 Millionen Kubikmetern Grubenwasser jährlich aus der hiesigen Wasserprovinz Ost zu verfahren sein wird.

Ein Blick nach Ibbenbüren

Die natürliche Zusammensetzung des dortigen Grubenwassers sei der am Standort Haus Aden ähnlich, die Konzentration aber unterschiedlich, teilte dazu das Bergamt mit. Ob und in welchem Umfang in Bergkamen eine Behandlung erforderlich sei, müsse gemäß der Norm für die Wasserqualität der Lippe und der Effekte durch den Grubenwasseranstieg im Verfahren beurteilt werden.

Das Baufeld der Grubenwasserhebeanlage am ehemaligen Schacht Aden 2 im Schatten der Rotherbachstraße.

Eine Wasserrechtliche Genehmigung für den Abschlag in die Lippe liegt noch nicht vor. Über den Abschlussbetriebsplan für die Zeche Haus Aden ist aber geregelt, dass der Schacht 2 mit der Verfüllung zum Brunnen umgebaut wurde, um in 600 Metern Tiefe den Pegel in den Bauen voraussichtlich ab 2025 durch Pumpen zu regulieren. Für die künftige Rohrleitung vom geplanten Hebewerk und einen neuen Hochwasserabschlag für das Regenwasser-Pumpwerk Oberaden wurden die Kanäle von 2,80 und 3,20 Metern Durchmesser mit einer Tunnelbohrmaschine aufgefahren.

An der Aa Behandlungsanlage im Bau

In Ibbenbüren will der Bergbau die beiden Abbaufelder Ost und West langfristig ohne teuren Pumpenbetrieb entwässern. Das Grubenwasser soll im 2018 stillgelegten Ostfeld auf 63 Meter drucklos austreten und unter Tage zur im Bau befindlichen Behandlungsanlage Gravenhorst geleitet werden, bevor es in die Aa abgeschlagen wird.

Da zunächst ein Austritt des Wassers noch vor Fertigstellung dieser Anlage erwartet wurde, musste die RAG in einem ersten Schritt eine temporäre Behandlungsanlage errichten. Sie entstand an den Absetzteichen Püssebüren, an denen das Wasser aus dem schon 1979 abgeworfenen Ostfeld einer Enteisenung unterzogen wird. Nach Auskunft der RAG hat sie einen Probelauf bestanden, wird aber erst später benötigt. Das Wasser steige langsamer als in dem Modell sicherheitshalber angenommen.

Die Zielgrube des Rohrvortriebs für die Grubenwasserleitung liegt in Heil an der Königslandwehr/Am Rothenbach. Von dort ist es noch gut ein Kilometer bis zur Lippe. In Gravenhorst baut die RAG eine Aufbereitungsanlage für den Grubenwasserabschlag in die Aa.

Mit Sauerstoffzusatz, Kalkmilchzuführung, Flockung und Sedimentation soll die Behandlungsanlage dem Wasser kritische Fracht wie Eisen, Mangan, weitere Metalle, Schwermetalle und Sulfat entziehen. Mit der Abscheidung von Feststoffen werde teils das daran gebundene PCB beseitigt, heißt es in den Studien unter Beteiligung des NRW-Umweltministeriums dazu.

Weniger Schadstoffe erwartet

Den Gutachten zufolge hat der Anstieg des Pegels unter Tage wesentlichen Einfluss darauf, in welcher Menge und Konzentration Schadstoffe an die Oberfläche gelangen. Das gilt auch für das von den Kritikern gegen die Pläne ins Feld geführte hochgiftige PCB. Sie fordern eine Filtration, die Stadt Bergkamen und der Kreis Unna treten grundlegend für eine Beseitigung des PCB ein.

Änderungsantrag im Frühjahr ´24

Anlass für den Vortrag im Umweltschuss gibt die Ankündigung der RAG, im Frühjahr 2024 beim Bergamt den Anstieg des Pegels auf minus 380 statt der - 600 Meter zu beantragen. Damit wäre eine Förderung des Grubenwassers für alle Ewigkeit günstiger, vor 2030 noch nicht nötig und den Studien nach mit deutlich weniger Schadstofffracht verbunden.

75.600 Tonnen Sondermüll verpresst

Diese Szenarien für ein Grubenwassermanagement in geringerer Tiefe werden von den Behörden unter Beteiligung des NRW-Umweltministeriums übrigens schon seit Jahren erörtert und gutachterlich durchleuchtet. Gerade auch im Hinblick darauf, dass der Bergbau bei der Bruchhohlraumverfüllung in ausgekohlten Revieren Sondermülldeponien für Aschen, Filterstäube und andere gefährliche Abfallstoffe geschaffen hat. Allein 75 600 Tonnen wurden auf Haus Aden und Zeche Monopol in zementöser Masse in den „Alten Mann“ verpresst.

So lagern dort etwa 1321 Tonnen Zink, 403 Tonnen Blei, 19 Tonnen Cadmium und 7,2 Kilo PCB und Furane sowie 122 Kilo artverwandte Dioxine. Die Lagerstätten werden mit Anstieg des Grubenwassers umspült.

2.300 Tonnen PCB-Material

In welchem Maße PCB-haltige Stoffe, meist in Form von Hydrauliköl, im Abbaubetrieb eingesetzt und im Maschinenbetrieb freigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr vollständig nachvollziehen. Mit der Kohleförderung ist ein erheblicher Anteil wieder an die Oberfläche gelangt. Im „Worst-Case-Szenario“, der ungünstigsten Annahme also, ist von der Freisetzung von 2300 Tonnen PCB-Material auf 132,3 Quadratkilometern Abbaufeld unter Haus Aden die Rede.

Die gutachterlichen Untersuchungen kommen aber, kurz gefasst, zu dem Schluss, dass die Effekte des Pegelanstiegs – Sedimentation der Schwebstoffe, geringere Fließgeschwindigkeit und, laienhaft gesagt, eine „Filterwirkung“ des Gebirges – sich günstig auswirken. Widerspruch dürfte nun folgen.

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