Info-Veranstaltung
RAG sucht erste Tuchfühlung: Anlieger der künftigen Kläranlage eingeladen
Es war stille Post - wurde aber von gut 100 Anwohnern in Heil gehört. Die RAG hat in Ansätzen dargelegt, wie sie die Kläranlage fürs Grubenwasser im Dorf errichten will.
Bergkamen – Noch wird in der Theorie diskutiert, wie das in der Grube ansteigende Wasser über Haus Aden in die Lippe abgeschlagen wird, damit es das Trinkwasser nicht gefährdet. Aber ganz im Nordwesten der Stadt, da können die Anwohner seit zwei Jahren Praxis sehen, hören und riechen, dass da etwas auf sie zukommt: Nach der Unterquerung des Kanals vom ehemaligen Bergwerk zur Königslandwehr baut die RAG nun eine Kläranlage.
Ein großen Forum wollte die RAG nicht bieten
Höchste Zeit, sich den Nachbarn einmal vorzustellen. So eröffnete sinngemäß RAG-Vertreter Werner Grigo eine Informationsveranstaltung am Freitagnachmittag. Um die 150 Anlieger hatte die RAG im Stillen dazu geladen, ein großes Forum wollte sie nicht bieten. Geknausert hat sie aber nicht: Bratwurst, Grillsteak und Getränke gab‘s im eigens dafür aufgestellten Zelt. Gut und gern 100 Besucher nahmen das an.
Themenfelder im Umlauf an Ständen vorgestellt
Was den Anliegern auf der Seele liegt oder die RAG dazu preisgibt, nachdem sie die Frage nach der Reinigung des belasteten Wassers aus der Provinz Haus Aden lange offen gelassen hat, bekam gleichwohl keine große Bühne. Fünf Themen-Stände mit Fachleuten aus dem Ressort waren vorbereitet. Da sollte sich jeder im Umlauf informieren und loswerden können, was er zu sagen hat.
So wie der Anlieger, der gleich nach der Begrüßung seinem Unmut über den Baustellenverkehr Luft machen wollte, und über „das grüne Licht, das ständig in mein Schlafzimmer leuchtet.“ (Video-Überwachung der Baustelle; Anm. d. Red.) „Immer, wenn man wen anspricht auf der Baustelle, heißt es, der Vorarbeiter ist nicht da, wir geben das weiter“, schimpfte der Mann. „Es passiert aber nichts, wir brauchen mal einen Ansprechpartner“,
Anwohner vermissen verlässliche Ansprechpartner
„Den bekommen Sie heute“, versprach Werner Grigo. „Ich gebe Ihnen meine Karten. Sie können mich anrufen, wenn es irgendwo hakt.“ Aber: Mit seinem Anliegen sei der Mann „an dem Themen-Stand da vorne an der richtigen Adresse. Kommen Sie gleich mal mit“, sagte Grigo, führte den Mann ab und eröffnete den Rundlauf.
„Wir haben uns bewusst zu dem Modell entschieden. Manche Leute möchten ja vor großem Publikum nicht sprechen“, hatte Grigo zuvor zum Verfahren ausgeführt. Diese Einladung, „zu einem Zeitpunkt, an dem wir für die Anlage noch gar nicht jede Schraube kennen“, sei der Einstieg in weitere Informationsangebote. „Wir werden Sie wieder einladen, wenn wir in der Planung weiter sind.“ Im Nachgang sollen die Anwohner ein Blatt mit allen Ansprechpartnern erhalten.
Die Vorgehensweise fand ein geteiltes Echo. „Wir hätten uns gewünscht, dass wir von da vorne erst einmal richtig darüber informiert werden, was hier passiert“, zeigte sich eine Besucherin enttäuscht. „Wie soll man da auf die richtigen Fragen kommen?“ Die Frau mochte ihren Namen nicht sagen, war aber mit der Siedlergemeinschaft „Kleine Heide“ gekommen. Da gab‘s viel Frust über die Straßensperrung am Baufeld und ausbleibende Müllabfuhr.
Seltsame Grenzen: Die Baustelle liegt auf Lünener Gebiet
Dazu muss man wissen, dass dies Lünener Stadtgebiet ist. Wie auch das Baufeld der RAG, im Ganzen sieben Hektar verfügbarer Besitz, und die Einleitestelle an der Lippe. Die Grenze verläuft ungewöhnlich. Bergkamens Baudezernent Jens Toschläger ist zwar gekommen, wie auch einige Bergkamener Ratsmitglieder, aber „zu sagen“ hätten sie hier nichts.
Die Einen vertrauen auf die Pläne der RAG
„Ich glaube schon, dass die RAG das technisch Machbare tun wird, um die Umwelt nicht zu belasten“, zeigte sich Frank Ewens überzeugt. Der Anlieger der Königslandwehr wollte sich die Sache mal anhören. Klar, er bekommt die Baustelle zu spüren, aber schimpfen will er nicht. Ewens baut, wie sein Bekannter neben ihm, darauf, dass die Kläranlage nach Stand der Wissenschaft entsteht. Erste Angaben dazu hier.
Die Anderen sehen sich als Kritiker hingehalten
„Hier werden die Leute doch mit Wurst und Bier sediert“, urteilt dagegen Birgit Kühmichel. Sie ist mit Ulrike Dahlmann vom „Aktionskreis Wohnen + Leben“ und Mitstreitern des Vereins „Saubere Lippe“ gekommen. Die stille Einladung hat sich bis zu den Kritikern der Grubenwasser-Einleitung herumgesprochen. „Enttäuschend“, fand Dahlmann die Veranstaltung. „Alles weichgespült“, ergänzte Konrad Seiler. Die Gifte unter Tage? Das hätten sie hier gern erörtert. „Das grüne Licht ist doch hier nicht das Problem.“

