Importiertes Obst

Süße Versuchung im Frühjahr: Importierte Erdbeeren bringen zahlreiche Risiken

Erdbeeren aus südlichen Ländern sind fast das ganze Jahr über zu finden. Allerdings hat ihr Anbau katastrophale Konsequenzen für die Umwelt.

Sobald im Frühjahr wieder vermehrt Erdbeeren zu halbwegs erschwinglichen Preisen im Obstregal auftauchen, ist die Diskussion eigentlich in jedem Jahr dieselbe: kaufen und verfrüht in Sommerlaune bringen oder abwarten bis regionale Erdbeeren aus Deutschland verfügbar sind? Letzteres ist in jedem Fall der nachhaltigere Weg – denn es gibt auch abseits vom aufwendigen Import etliche weitere Gründe, warum man im März oder April noch keine Erdbeeren kaufen sollte.

Das Argument, das vielleicht noch vor einem guten Jahrzehnt gegolten hat, dass die frühen Erdbeeren aus Spanien weniger süß und damit deutlich weniger aromatisch schmecken, zieht inzwischen immerhin weit weniger als früher. Anbau- und Liefertechnologien sorgen dafür, dass die süßen Früchtchen appetitlich rot in ihren Plastikgefäßen im Supermarkt stehen und teils schon früh im Jahr fast ebenso lecker schmecken wie die frisch gepflückten vom Feld im Nachbarort. Das macht die Versuchung, allem Abraten zum Trotz, deutlich größer – und nimmt der Sache einen ganz entscheidenden Nachteil, dessen Folgen die Kundschaft einst noch selbst problemlos feststellen konnte.

Erdbeeren aus dem Ausland als Gefahr für die Umwelt: 300 Liter für 500 Gramm

Dabei werden die anderen Gründe, vor denen Fachleute aus Politik und Umweltschutz warnen, ebenfalls sichtbar, etwa wenn man im Spanien-Urlaub genau hinschaut und mit Schrecken beobachtet, was die Dürre vielerorts mit Flüssen den den angrenzenden Landschaften macht. Und für die ist neben dem Klimawandel, wie etwa eine Expertin des World Wide Fund for Nature (WWF) erklärt, der großflächige Erdbeeranbau ein wichtiger Mitverantwortlicher. So zitiert das Nachhaltigkeitsportal Utopia die WWF-Mitarbeiterin Theresa Schiller, die warnt, dass „vor allem der hohe Wasserverbrauch“ beim Erdbeeranbau in Spanien für die Natur schlimme Probleme verursache.

Bereits im Frühjahr sind Erdbeeren in Kisten und Plastikschalen fast in jedem Supermarkt verfügbar.

Hoch, das bedeute in diesem Kontext rund 300 Liter Wasser, die für die Ernte von einem Kilo Erdbeeren benötigt würden, was einen immensen Druck auf den Grundwasserspiegel in den milden, regenarmen Regionen im Süden Spaniens ausübt. Die örtliche Landwirtschaft greife dafür, so ein Bericht der Zeitung nd, immer wieder zu unlauteren Mitteln wie dem Bau illegaler Brunnen oder Wasserraub aus Naturschutzgebieten. Ein weiterer WWF-Experte warnt in diesem Kontext davor, dass durch den übermäßigen Erdbeeranbau auch Nitrat und Pestizide ins Wasser gelangen. Konkrete Folgen: Orte wie der naturgeschützte Doñana-Nationalpark in Andalusien, der bislang als „Feuchtgebiet mit einzigartiger Fauna“ gelte, sei akut von der Austrocknung bedroht.

Potenziell gesundheitsschädlich: Erdbeeren aus dem Ausland haben einige Nachteile

Über einen weiteren Grund, auf Erdbeeren im Frühjahr besser zu verzichten, berichtet auch das Portal Öko-Test, wo 2023 von Fachleuten Tests an importierten Erdbeeren aus Spanien und Ägypten durchgeführt worden sind. Das Ergebnis: Viele der Früchte waren übermäßig mit Pestiziden belastet und selbst viele Bio-Erdbeeren enthielten eine Menge des Spritzmittels Spinosad, die beim Test den zulässigen Grenzwert um mehr als die Hälfte überschritt. Auch potenziell krebserregende Stoffe wie Bupirimat und Cyflumetofen seien in einigen der getesteten Erdbeeren aus dem Ausland nachgewiesen worden.

Trotz allem könnten laut Angaben von Geo, wonach derzeit etwa 120.000 Tonnen Erdbeeren jährlich nach Deutschland importiert werden, die Importzahlen weiter steigen und damit auch weiterhin einen immens hohen CO2-Ausstoß verursachen. So haben Forschende herausgefunden, dass pro 500-Gramm-Schale Erdbeeren vom Anbau bis zum Verzehr um die 400 Gramm CO2 freisetzt. Ein Kilo käme damit laut einem Vergleich von Utopia auf denselben CO2-Wert wie 17 Kilogramm Bio-Äpfel.

Wichtiger Vitamin-C-Lieferant: Das sind die Alternativen für Erdbeeren im Frühling

Mit ein Grund für die ganzjährige Beliebtheit von Erdbeeren, ist allerdings, dass sie nicht nur als besonders schmackhaft, sondern auch als wichtige Nährstoff-Quelle, vor allem für Vitamin C, Folsäure oder Eisen gelten. Vor allem in Sachen Vitamin C sind Erdbeeren laut dem Bericht von nd noch deutlich vitaminhaltiger als Zitrusfrüchte wie etwa Orangen. Zu den heimischen Vitamin-C-Bomben und damit deutlich nachhaltigeren Alternativen, mit denen man seinen Tagesbedarf ebenfalls gut decken kann, zählen Sanddorn, Rosenkohl oder Bärlauch. Auch Brokkoli oder Tomaten bringen viel Vitamin-C in die Ernährung.

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Weitere gute Alternative für alle, die im März oder April bereits die Vorfreude auf Erdbeeren ganz praktisch genießen wollen und ein bisschen Platz auf dem Balkon oder im Garten haben: Der Frühling ist auch eine gute Zeit, um mit dem Anpflanzen von Erdbeeren zu beginnen. Bestens dafür geeignet sind neben jungen Erdbeerpflanzen, die bereits vielerorts erhältlich sind auch so genannte Frostpflanzen, etablierten größeren Erdbeerpflanzen, die im Kühlhaus überwintert wurden und bereits in rund zehn Wochen die ersten Früchte liefern. Die Wartezeit auf womöglich gesündere und etwas nachhaltigere Erdbeeren ist damit gar nicht mehr so lang.    

Rubriklistenbild: © Imago

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