Außergewöhnliche Waldschätze

Deutschlands verrücktester Speisepilz hat Saison: Darum lieben alle die „Fette Henne“

Die Krause Glucke sorgt jetzt für Glücksmomente im Kiefernwald – warum Pilzfans sie feiern und was sie so besonders macht.

Wer im Spätsommer durch einen Kiefernwald streift, kann mit etwas Glück auf einen echten Exoten stoßen. Die Krause Glucke, auch bekannt als „Fette Henne“ oder „Bärenschädel“, ist ein Speisepilz, der aus der Reihe tanzt – optisch, kulinarisch und ökologisch. Kaum ein Fund sorgt für so viel Freude bei Pilzsammlern. Ihr ungewöhnliches Aussehen, das an einen riesigen Blumenkohl oder einen Badeschwamm erinnert, macht sie zum Hingucker am Waldboden. Doch nicht nur das: Die Fette Henne ist ein kulinarischer Schatz und spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Deutschlands verrücktester Speisepilz hat Saison: Darum lieben alle die „Fette Henne“

Die wichtigsten Merkmale der Krausen Glucke

Die Fette Henne fällt sofort auf. Ihr Fruchtkörper wächst nicht wie bei klassischen Pilzen mit Hut und Stiel, sondern bildet eine dichte, krause Masse, die sich wie ein Labyrinth aus welligen, blassen „Blättern“ windet. Die Farbpalette reicht von zartem Creme bis hin zu Ockergelb. Wer genauer hinschaut, entdeckt am Boden einen festen, weißen Strunk – das Erkennungszeichen für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen.

Schwer zu putzen, aber lecker: die Krause Glucke.

Ein weiteres Markenzeichen ist der Duft: aromatisch, würzig, leicht nussig. Manche Pilzfreunde sprechen sogar vom „Parfüm des Waldes“. Wer einmal daran geschnuppert hat, vergisst diesen Geruch nicht so schnell. Das „Chicken of the Woods“ ist übrigens ebenfalls ein ausgefallener, deutscher Speisepilz.

Verwechslungen mit gefährlichen Pilzen sind selten. Der sehr ähnliche Doppelgänger, die Breitblättrige Glucke, ist ebenfalls essbar, aber nicht wirklich genießbar. Ihr seifiger Geruch und die breiteren, meist weißlich bis hellgelben „Blätter“ machen sie unverwechselbar. Die giftige Bauchweh-Koralle fällt durch ihre korallenartige, strauchartige Form und einen pilzig-seifigen Duft auf. Wer auf die typische Krausheit, die helle Farbe und das nussig-würzige Aroma der Fetten Henne achtet, kann sie sicher bestimmen.

Breitblättrige Glucke (links) / Bauchweg-Koralle (rechts)

Verwechslungsgefahr: Die leckersten deutschen Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern

Ein voller Korb mit frischen Pilzen im Wald, während ein Sammler bei Regen neue Funde begutachtet.
Es ist wieder ist Pilzzeit
Gallenroehrling, Gallen-Roehrling, Gemeiner Gallenroehrling (Tylopilus felleus), zwei Fruchtkoerper auf bemoostem Waldboden
Flockenstieliger Hexenröhrling
Verwechslungsgefahr: Die leckersten deutschen Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern

Lebensraum Kiefernwald: Wo die Fette Henne zuhause ist

Der bevorzugte Lebensraum der Krausen Glucke liegt im Kiefernwald. Am Fuß alter Kiefern, manchmal auch an Fichten oder Tannen, taucht sie nach ausgiebigem Regen auf. Besonders wohl fühlt sich die Fette Henne auf sandigen Böden mit einem leicht sauren bis neutralen pH-Wert – optimal sind Werte zwischen 5 und 7. Wer einen Standort entdeckt, sollte ihn sich gut merken: Die Fette Henne gilt als standorttreu und erscheint oft über Jahre hinweg an derselben Stelle. Zeigerpflanzen oder Begleitpilze spielen nur eine kleine Rolle – entscheidend ist das Vorhandensein alter Kiefern und ein sandiger, leicht saurer bis neutraler Boden.

Die Hauptsaison für die Fette Henne reicht von Juli bis November, mit dem Höhepunkt im frühen Herbst. Junge, feste und helle Exemplare sind die beste Wahl für die Küche. Ältere, weiche oder verschimmelte Pilze sollten stehenbleiben. Nach dem ersten Frost ist vom Sammeln abzuraten, da der Pilz dann schnell ungenießbar wird. Für nachhaltige Ernte empfiehlt sich, den Pilz am Strunk abzuschneiden. So bleibt das Myzel im Boden erhalten und sorgt für Nachschub im nächsten Jahr – ein kleiner Beitrag für den Fortbestand dieses außergewöhnlichen Speisepilzes.

In Pilzforen sieht man aktuell – Anfang September – viele Bilder von Sammlern, die eine Krause Glucke finden. Besonders in Bayern, Hessen und der Pfalz scheinen Sammler in Kiefernwäldern derzeit sehr erfolgreich zu sein. So etwa auf der Diskussionsplattform Reddit:

Meine erste Krause Glucke...
by u/Nervous-Apricot4556 in Pilze

Nachhaltig sammeln

Wer Pilze sammelt, trägt Verantwortung. Nur eindeutig bestimmte, frische Exemplare gehören in den Korb. Kleine oder überreife Pilze bleiben stehen – sie sichern die nächste Generation. Die Erntemethode ist Geschmackssache, wichtig ist aber, die Stielbasis zur sicheren Bestimmung mitzunehmen. Die Reinigung erfolgt am besten trocken direkt im Wald. Zu viel Wasser macht viele Pilze schwammig und mindert ihr Aroma. Für den Transport eignet sich ein luftiger Korb. Zu Hause sollten die Pilze möglichst schnell verarbeitet oder getrocknet werden. Die gesetzlich erlaubte Sammelmenge ist zu beachten und belastete Standorte in der Nähe von Straßen oder Industrieanlagen sind zu meiden.

Die Faszination für die Fette Henne hat viele Gründe. Ihr Fund fühlt sich an wie ein kleiner Schatz im Moos, ihr Duft weckt sofort Appetit, und ihr Geschmack begeistert selbst anspruchsvolle Genießer. Wer einmal eine Krause Glucke gefunden und zubereitet hat, vergisst das Erlebnis nicht so schnell. Sie vereint das Abenteuer der Suche, die Freude am Entdecken und den Genuss eines außergewöhnlichen Waldpilzes. Genau diese Mischung macht die Fette Henne zu einem Liebling unter Pilzfreunden – Jahr für Jahr aufs Neue. Hier gibt es Hinweise für das Finden von Steinpilzen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Depositphotos

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