Geförderter Wohnungsbau
Stadttor aus Sperrholz: HGB leitet in Hamm Kehrtwende im Hausbau ein
Nachhaltig und umweltschonend soll der Hausbau der Zukunft sein. Die Hammer Gemeinnützige Baugesellschaft will „Vorreiter“ sein und betritt am Stadttor Ost mit einem Neubau aus Brettsperrholz Neuland.
Hamm-Osten – Schrauberwerkstatt und ehemalige Tankstelle sind schon lange verschwunden. Die Natur hatte schon wieder damit begonnen, sich das Grundstück an der Lippestraße/Ecke An der Steinernen Brücke zurückzuerobern – bis Mitte vergangener Woche die Baufahrzeuge vorfuhren. Die Bauarbeiter bereiten die Grundlage für den dritten und letzten Bauabschnitt des HGB-Wohnprojektes Stadttor Ost. Der hat es in sich. In jeder Beziehung.
So ein Holzhaus hat vielleicht die Welt, aber Hamm (vermutlich) noch nicht gesehen. Ganz aus Brettsperrholz. Massiv. Von einer „Vorreiterrolle“ im nachhaltigen Wohnungsbau sprach man vor mehr als einem Jahr bei der Hammer Gemeinnützigen Baugesellschaft (HGB), von einer Kehrtwende. Wenig später sorgte der Förderstopp für energieeffiziente Neubauten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für eine abrupte Planungsbremse.
Während andere Bauprojekte seitdem auf Eis liegen, suchten die Planer bei der HGB nach einem neuen Weg gesucht und fanden ihn: Der öffentlich geförderte Wohnungsbau macht es möglich.
Krise trifft auf Bauprojekt in Hamm-Osten
Zunächst beabsichtigte das städtische Tochterunternehmen, die sechs Gebäude des Stadttores Ost mit den insgesamt 86 Wohnungen um ein Haus mit frei finanzierten Wohnungen zu ergänzen. „Wir wollten Bürgern, die keinen Wohnberechtigungsschein bekommen, Möglichkeiten zum Wohnen bieten“, sagt HGB-Geschäftsführer Thomas Jörrißen. So hatte es die HGB im September 2021 entschieden.
Ein Jahr später und mit Erteilung der Baugenehmigung sah die Situation ganz anders aus. Neben der eingebrochenen Förderkulisse waren die Bau- und Materialpreise explodiert und hatte sich der Kreditzins „fast verdreifacht“, wie er sagt. Die anfangs angepeilte Miete von 10 Euro pro Quadratmeter lag nun bei 16 bis 17 Euro. „Zu viel für den Mietwohnungsmarkt in Hamm“, erklärt Jörrißen. „Wir überlegten: Bauen wir das Haus noch, oder warten wir bessere Zeiten ab, wenn es die überhaupt gibt.“
Geförderte Wohnungen der HGB in Hamm-Osten
Statt abzuwarten, rechneten die HGB-Planer das Projekt noch einmal mit einer öffentlichen Bauförderung durch. Eigentlich war dafür im September der Zug sprichwörtlich abgefahren. „Aber wegen der Kostensteigerung waren Antragsteller abgesprungen“, sagt er. Und die HGB ist aufgesprungen. Die neue Wirtschaftlichkeitsrechnung auf Basis eines Wohnungsbauförderungsdarlehens habe ein „tolles Ergebnis“ gebracht.
Die kurzfristige Umplanung sei allerdings nur möglich gewesen, weil alle Behörden mitgemacht hätten: vom Bauministerium in Düsseldorf bis hin zum Wohnungsbauförderungsamt der Stadt und zur HGB als Investor. Wie viel die HGB investiert, will Jörrißen noch nicht sagen und erst die weitere Entwicklung abwarten. Im Vergleich zu den ersten Berechnungen rechne er aber mit Mehrkosten von rund 20 Prozent. Vor einem Jahr ging die HGB noch von einer Investition in Höhe von rund drei Millionen Euro aus.
„Paradigmenwechsel“ beim Hausbau in Hamm
Die HGB lässt sich das Haus ohnehin mehr kosten als sonst. Dabei geht es um einen „Paradigmenwechsel“ beim Hausbau, wie die HGB-Verantwortlichen im Sommer 2021 ankündigten. Der besteht in der vorherrschenden Verwendung von Holz als Baumaterial mit Zukunft. Es ist nachhaltig, umweltschonend und steht für einen niedrigen Energie- und Ressourcenverbrauch.
Der Wechsel wird an den Bauschritten erkennbar. Die Bauarbeiter begannen mit den vorbereitenden Arbeiten für die Bodenplatte, die Anfang April fertiggestellt sein soll. Einen Monat später könnte der Fahrstuhlschacht stehen. Bis hierin muss das Haus aus Brandschutzgründen aus Beton entstehen.
Stadttor Ost aus Brettsperrholz
„Die Bauweise ist für uns Neuland“, sagt der HGB-Geschäftsführer. Hölzerne Gebäudehülle und massive Innenwände werden vorgefertigt geliefert. „Von der Logistik her ist es ein Fertighaus“, sagt HGB-Architekt Dirk Hunsdick. Es wird im Nu aufgebaut. Doch die Vorplanung wird dann beträchtlich und zeitintensiv gewesen sein.
Mehr als bei üblichen Holzhäusern. Die entstehen oft in Rahmenbauweise. Am Stadttor Ost kommt Brettsperrholz zum Einsatz. Das heißt, die Wände sind massiv aus fünflagig verleimten Fichtenholzbrettern und sind rund zehn Zentimeter stark. Alle Öffnungen und Aussparungen in den Wänden, auch für Steckdosen, müssen akribisch in den fertigen Wänden ausgeführt sein. „Hier ist bei der Vorplanung präzise Ingenieurarbeit gefordert“, sagt Hunsdick. Aus Gründen der Dämmung, Statik und des Schallschutzes sind nachträgliche Änderungen kaum mehr möglich.
Trotz Fertigbauweise dauert der Ausbau des Hauses eine Weile. „Unser Ziel ist, im Frühjahr 2024 fertig zu sein“, sagt Jörrißen. Zunächst fiebert er dem Aufbauen der Fertigwände entgegen. „Das wird mega spannend.“