Prestigeprojekt in Hamm
Neue Studentenwohnungen durch KfW-Förderstopp ausgebremst
Der KfW-Förderstopp und die neuen Richtlinien haben eines der Prestigeprojekte in der Hammer Innenstadt ausgebremst. Ökologisches Studentenwohnen ist erst einmal verschoben.
Hamm – Eigentlich hatte Patrick Eckardt, Investor und Geschäftsführer der BKV Baubetreuung, gehofft, im zweiten Quartal dieses Jahres mit dem Bau seiner Studentenwohnungen an der Neuen Bahnhofstraße, Ecke Friedrichstraße beginnen zu können. Doch weil keine KfW-Fördergelder mehr abgerufen werden können, muss Eckardt das Vorzeigeobjekt in der Innenstadt wohl auf ein anderes Fundament stellen. Nur auf welches?
„Die Preise steigen, die Förderung sinkt. Momentan kenne ich die Basis der Planung nicht. Worauf soll ich da noch bauen“, sagt Eckardt. Es ist keine Frage, sondern die ernüchternde Feststellung eines Bauherren, der nach eigener Aussage seit 20 Jahren mit KfW-Mitteln arbeitet und sich mit dem Förderstopp seiner Planungsgrundlage beraubt fühlt.
Mit weniger Geld gleichen Standard halten
Im Januar endete die Förderung eher als erwartet, weil die Mittel ausgeschöpft waren. Just in dem Moment, als er den Antrag habe stellen wollen, so der Investor. Im April versuchte er es dann mit einem Antrag nach neuer Förderrichtlinie für KfW-40-Effizienzhäuser. Mit einem Bescheid, ob er überhaupt zum Zuge kommt, rechnet Eckardt Mitte bis Ende Mai. „Eine Milliarde Euro sind bei der Antragsflut schnell verbraucht“, sagt er. Und wenn Geld fließe, dann auf Darlehensbasis und bei halber Summe. „Die Hälfte ist schon eine Hausnummer. Wir wollen und sollen uns von alten Technologien lösen und ökologisch bauen. Aber mit weniger Mitteln gleichen Standard und gleiche Komfortmerkmale halten.“
Bauen will Eckardt 52 Studentenappartements in dem Dreieck begrenzt durch Friedrichstraße, Neue Bahnhofstraße und Gesundheitsamt. Rund sechs Millionen Euro hatte er dafür ursprünglich kalkuliert. Für die Stadt- und Wohnraumentwicklung ist dies ein wichtiges Projekt.
Öffentliche Förderung bleibt
Auf vier Geschosse verteilen sich die möblierten Appartements. Weil Doppel-Appartements dabei sind, haben hier 59 Personen Platz. Alle – bis auf eine Handvoll, deren Zuschnitt das von der Größe nicht erlaubt – sind öffentlich gefördert. Die öffentlichen Mittel blieben glücklicherweise erhalten, so der Investor. Dem ökologischen Gedanken trägt beispielsweise eine Photovoltaikanlage Rechnung, die einen Teil des Stromverbrauchs im Haus decken soll. Geheizt wird mit Fernwärme.
Trennen wird sich Eckardt von dem Vorhaben nicht. „Wir werden bauen, es wird so kommen“, sagt er. „Aber Vorhaben wie diese müssen ordentlich aufgesetzt werden. Dafür müssen alle mitmachen: Politik, Behörden, Banken ... Es muss ein gemeinsames Denken geben. Momentan tritt die Branche aufs Bremspedal.“ Eine Prognose, wann und wie es weitergeht, will er folglich nicht abgeben. „Wir müssen abwarten, was wird, und die Planung noch einmal genau überprüfen.“
Stillstand im Bahnhofsquartier
Momentan herrscht damit unter den richtungsweisenden Neubauvorhaben im Bahnhofsquartier weitgehend Stillstand, zumindest äußerlich. Am Ter-Veen-Standort plant der Investor nach eigener Aussage mit Seniorenwohnen, für den Ex-Kaufhof müssen die Eigentümer eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen soll, auf der ehemaligen C&A-Fläche neben dem B&B-Hotel hatte die Autobahngesellschaft zuletzt einen Rückzieher als Mieter einer neuen Immobilie gemacht und alles auf Null gestellt. Lediglich die Kleist-Residenz in der Bahnhofstraße macht als privates Bauprojekt sichtbare Fortschritte. Immerhin: In Kürze soll die Vergabe für das neue Westentor erfolgen.
Stopp der KfW-Förderung
Ende Januar hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) einen Stopp der Förderung von energieeffizienten Gebäuden durch die KfW-Bank erklärt – eine Woche vor dem eigentlichen Fristende. Nach heftiger Kritik folgte am 21. April eine neu ausgerichtete Neubauförderung im Programm „Effizienzhaus / Effizienzgebäude 40“. Der Fördertopf mit 1 Mrd. Euro war am Starttag aufgebraucht. Bei halbem Fördersatz. In der nächsten Förder-Stufe bis 31. Dezember wird ein Qualitätssiegel für Nachhaltigkeit verlangt.