Pfändungsschutzkonten
Postbank gibt Konto nicht frei: Kein Herankommen ans Erbe
Vier Geschwister erleben nach dem Tod ihrer Mutter eine Odyssee. Sie haben enorme Probleme mit einem Konto bei der Postbank. Es geht ums Erbe.
Hamm – Inhaber von Pfändungsschutzkonten (P-Konten) bei der Postbank haben massive und massenhaft auftretende Probleme. 1 410 Euro müssen den meist hoch verschuldeten Konto-Inhabern fürs Leben bleiben und dürfen nicht von Gläubigern angegangen werden. Eine gesetzlich festgeschriebene Regel, die bei der Postbank aber offenbar nicht funktioniert.
Kein Rankommen ans Erbe: Postbank gibt Konto nicht frei
Die Verbraucherzentrale NRW und auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) haben auf „die erheblichen Beeinträchtigungen bei der Abwicklung des Kundengeschäfts“ reagiert und Ende September 2023 einen Sonderbeauftragten für das Mutterhaus, die Deutsche Bank AG, bestellt.
Abgründe tun sich aber nicht nur bei den P-Konten der Postbank auf. Lange Bearbeitungszeiten bei Nachlassangelegenheiten sowie bei der Auflösung von Konten und Rückzahlung von Spareinlagen werden von der BaFin ebenfalls öffentlich gerügt. Ein Fall aus Hamm belegt die Mängel nun auf krasse Weise.
Monatelang kamen die Hinterbliebenen einer 2022 verstorbenen Frau aus Hamm nicht an das geerbte Sparguthaben heran. Weder auf schriftlichem Weg noch durch persönliches Erscheinen bei der „Gelben Post“ und durch Telefonate gab’s ein Vorankommen. Erst als sich der WA in die Angelegenheit einschaltete, ging plötzlich alles ganz schnell. Binnen weniger Tage war das Geld – immerhin gut 60 000 Euro – bei den Hinterbliebenen.
Der Fall Eva T.: Kinder kommen nicht an den Nachlass der Mutter bei der Postbank
Eva T. wurde 78 Jahre alt. Die Frau aus Hamm starb Anfang Dezember 2022 und führte, wie es in der Traueranzeige heißt, ein bescheidenes Leben. Ihren vier Kindern – drei Söhne und eine Tochter – hinterließ sie ihre Ersparnisse. Das Geld lag auf Sparbüchern bei der Sparkasse und bei der Postbank in Hamm.
Im Sommer 2023 war die Zeit gekommen, sich um den Nachlass zu kümmern. Die Geschwister hatten alle Unterlagen inklusive des Erbscheins zusammen und machten sich auf den Weg zu den Banken.
Während bei der Sparkasse alles reibungslos lief und das Ersparte binnen weniger Tage bei den Erben war, gestaltete sich das Vorhaben bei der Postbank als Odyssee.
Am 19. Juli 2023 fuhren die drei Brüder – die Schwester wohnt in Süddeutschland – zur Post-Filiale und kündigten das Sparbuch. Einen Monat später, am 23. August, folgte dort der nächste Besuch. Eine Postmitarbeiterin schaute im System nach. Alles sei richtig gemacht und beantragt worden. Der Vorgang sei „in Bearbeitung“, das könne bis zu vier Monaten dauern. Mindestens neunmal wurden die Geschwister ab November bei der Postbank vorstellig beziehungsweise versuchten es übers Telefon. Mal war niemand Zuständiges da, mal hieß es, dass es noch 14 Tage dauere, mal, dass ein Rückruf in der Angelegenheit getätigt werde (was nicht passierte). Beschwerden wurden eingelegt – was aber auch nichts änderte.
Am 11. Januar wendet sich die Familie an wa.de. „Es hat mittlerweile einen bitteren Beigeschmack und macht wütend. Man zahlt uns unser Eigentum nicht aus“, heißt es in einer Mail der Geschwister an die Redaktion.
Sparkonto der Mutter bei der Postbank: Kinder kommen nicht an das Erbe
Am 22. Januar (mittags) präsentiert wa.de der Postbank eine Vollmacht der Geschwister und stellt eine Presseanfrage zum Nachlass von Eva T.. Drei Tage später antwortet eine Postbanksprecherin: „Ich habe gute Nachrichten für Ihre Leser. Wir haben das Sparkonto von Frau T. am 22.01.2024 geschlossen. Das Guthaben in Höhe von 64 073,27 EUR wurde anteilig zu je einem Viertel an die Miterben der Erbengemeinschaft überwiesen. Bei Frau W. (Anm.: der Tochter) haben wir uns für die Verzögerung entschuldigt.“
Die Frage unserer Redaktion, woran es in den Monaten zuvor gehakt habe und ob die Familie etwas falsch gemacht hat, wird nicht konkret beantwortet. „In Folge des Umzugs auf die IT-Systeme der Deutschen Bank hat die Postbank ein erhöhtes Anfrage- und Auftragsaufkommen auf Kundenseite verzeichnet. Dies hat in einigen Fällen zu einer Verlängerung der Bearbeitungszeiten geführt. Bei betroffenen Kundinnen und Kunden entschuldigen wir uns für entstandene Unannehmlichkeiten“, heißt es von der Postbankpressestelle. Das Abarbeiten aller Rückstände werde Anfang 2024 erledigt sein.
Hatten Sie mit der Postbank ein ähnliches Problem?
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