WA.de-Serie "Mut zu Hamm" startet mit Pirates-Wirt
Karsten Plaß (48), Hamm: "Hört auf mit dem Rumgejammere!"
Hamm - Martin Hohoff hat es im Alten Fährhaus zumindest versucht, Karsten Plaß hat es auf der Meile letztlich auch geschafft: Beide Gastronomen bewiesen mit ihrem Engagement „Mut zu Hamm“. Zum Start unserer neuen Serie spricht Plaß offen über Vorzüge und Defizite der Stadt.
Obschon auch Gastronom, wirkt der 48-jährige Plaß in einem völlig anderen Umfeld als Hohoff und für ein deutlich anderes
Die Serie. Neben Wegzügen kommen auch immer wieder Menschen bewusst von außerhalb nach Hamm, finden hier eine Wirkungsstätte – und bleiben dauerhaft. Manche von ihnen arbeiten in oder für die Öffentlichkeit und vertreten damit die Stadt mit ihrem Gesicht nach außen. Um solche Hammer geht es in unserer Serie „Mut zu Hamm“, die wir lose fortsetzen werden.
Publikum. Sein „Mut zu Hamm“ hat sich für den Inhaber der Meilenkneipen “Pirates“ und „King’s Pub“ dank großer Begeisterungsfähigkeit und unermüdlicher Arbeit ausgezahlt. Geboren in Heessen, die Mutter aus Düsseldorf, von Berufs wegen viel um die Welt gereist: Der Hammer hat also einen ziemlich breiten Blick auf alles, was in dieser Stadt so passiert.
Woher stammen Sie? Wo und wann haben Sie vor Hamm beruflich Ihre Erfahrungen gemacht?
Karsten Plaß: Ich bin gebürtiger Heessener. Nach der Ausbildung bei den Stadtwerken standen zunächst Bundeswehr und einige andere Jobs als Elektriker an. Mit 26 habe ich mich in die Selbstständigkeit gewagt und eröffnete die Firma Gameport Computer (1996 bis 2011).
Seit wann sind Sie in Hamm beruflich aktiv?
Plaß: Seit Halloween 2007 betreibe ich das Pirates und den King’s Pub auf der Meile.
Warum sind Sie einst nach Hamm gekommen?
Plaß: Meine Wurzeln stammen mütterlicherseits aus Düsseldorf. Da wird man nicht gefragt wo man hin möchte...
Haben Sie in dieser Zeit mal mit Wegzuggedanken gespielt?
Plaß: Öfter. Zum einen zieht es mich doch immer wieder nach Düsseldorf; und die Vorstellung eben nicht auf der Meile, sondern in der Altstadt Gastronomie zu machen ist schon reizvoll. Auch gab und gibt es interessante Angebote, nach Dortmund oder Hamburg zu gehen.
Warum sind Sie bis heute geblieben?
Plaß: Man wird mit der Zeit sesshafter. Mit Mitte 20 hätte ich wahrscheinlich das eine oder andere Angebot wahrgenommen. Aber ich mag das, was ich da mache, genau hier und jetzt. Ich will aber noch ein bisschen weiter. Wenn’s hier nicht klappt, wer weiß: Vielleicht sollte ich dann doch noch einmal was neues machen.
"Den Hammern fehlt ein 'Wir'"
Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen in Hamm – auch und besonders im Vergleich zu vorherigen Wirkungsorten?
Plaß: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Nein – im Ernst: Ich bin in den Neunzigern berufsbedingt um die halbe Welt geflogen. Überall gab’s Herausforderungen und Probleme. Ich kenne riesig viele Leute aus Hamm, und ich glaube, die unterscheiden sich
nicht viel von anderen Menschen in dieser Region. Was den Hammern vielleicht fehlt, das ist ein „Wir“. Nicht ein „Wir in Bockum Hövel, Rhynern, Berge, Herringen und so weiter“, sondern ein „Wir in Hamm“. Und lasst uns doch mal aufhören mit dem ständigen Rumgejammere, wie mies doch alles ist. Hier ist meiner Meinung nach unter anderem auch die Presse gefragt als meinungsbildendes Organ.
Was lief beziehungsweise läuft gut, aus beruflicher Sicht?
Plaß: Sicherlich ist einer der großen Vorteile die Innenstadtlage. Man bekommt an so vielen Tagen im Jahr bedingt durch Veranstaltungen Gäste frei Haus bis vor die Tür „geliefert“. Natürlich ist auch das Umfeld mit Kino, Restaurants und Gaststätten der Motor für eine laufende Gastronomie.
Menschen in Not: Pirates-Weihnachtszelt in der Südstraße




Was ist verbesserungswürdig, aus beruflicher Sicht, und was müsste sich dafür gegebenenfalls ändern?
Plaß: Natürlich kann ich jetzt nur für einen kleinen Teil einer „Firma Stadt Hamm“ sprechen. Es muss uns gelingen, mit interessanten dauerhaften Angeboten die Innenstadt zu beleben und die Menschen in Hamm auch für Hamm zu begeistern. Keiner will freiwillig nach Münster, Dortmund, Bochum fahren, wenn es ein interessantes Nightlife-Angebot gibt. Man sieht dies ganz deutlich an unserem Weihnachtszelt. Hier kommen mehrere tausend Gäste in der Weihnachtszeit ins Pirates. Und warum? Weil das Angebot da ist. Wir arbeiten nunmehr seit Jahren an einem Konzept, dies ganzjährig anbieten zu können.
Also mein Fazit: Leben in Hamm, Kaufen in Hamm, Feiern in Hamm!
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