Großprojekt
Ausbau der Barbaraklinik: Erste OP im Neubau wohl ab März
Noch hängen die Kabel von der Decke und die Rigips-Wände sind noch klar als solche zu erkennen, dazu liegen überall Werkzeuge und Materialien herum. Doch gleichzeitig ist unverkennbar, dass die Großbaustelle an der Barbara-Klinik so langsam auf die Zielgerade einbiegt.
Heessen – Im OP-Bereich rollen die Maler die Farbe an die Wand, dort brennt auch schon Deckenlicht. Die Fassade ist ebenfalls schon weitgehend verputzt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, was die Gesundheitsversorgung in Hamm angeht“, findet Thorsten Keuschen, Geschäftsführer der St.-Barbara-Klinik GmbH, mit Blick auf die Entwicklung des Standorts und des Bauwerks. Drei Viertel der Klinik seien saniert worden, und im Frühjahr soll dann der Funktionstrakt, der derzeit neben dem bisherigen Gebäude entsteht, eröffnet werden.
OP-Bereich
Allerdings: Den OP-Bereich wollen die Verantwortlichen schon eher nutzen. „Wir haben Prioritäten gesetzt und die OPs vorgezogen“, sagt Keuschen. Durch die Schließung des St.-Josef-Krankenhauses in Bockum-Hövel sei die Anforderung in Heessen höher geworden, so dass es gut sei, die Kapazitäten bald wieder hochzufahren.
Sechs neue große OP-Säle entstehen im Neubau, alle im ersten Obergeschoss und damit auf der gleichen Etage und nur wenige Meter entfernt von den dreien im „Altbau“. Im März sollen die ersten Operationen durchgeführt werden. Dementsprechend sind hier die Arbeiten weiter fortgeschritten als beispielsweise im Erdgeschoss, wo die Zentrale Notaufnahme ab April ihren Platz finden soll.
Auf den 1900 Quadratmetern des OP-Bereichs sind die Decken abgehängt, die Wände verputzt. Es riecht nach frischer Farbe, weil die Maler schon am Werk sind. Oben fehlen zwar noch die quadratischen Platten, die den Blick zu den Kabeln und Rohrleitungen an den Decken verdecken, doch dafür lassen sich die Wege erkennen, die Patienten, Ärzte und Personal demnächst gehen werden.
Sterilgutlager
Aus dem alten Gebäude können die Patienten über eine Brücke oder per Fahrstuhl in ihrem Bett angefahren werden, ehe sie im Umbettungszimmer auf das OP-Bett kommen. Von da aus geht es über einen breiten Flur, der locker zwei OP-Betten mit Auslegern Platz bietet, zu den vier Anästhesiezimmern – und anschließend in einen der sechs Operationssäle, die mit Fenstern ausgestattet sind. „Ein Wunsch der Mitarbeiter war Tageslicht“, erklärt Bauprojektleiter Dirk Wiese. „Das ist etwas Besonderes“, ergänzt Keuschen. Natürlich gibt es auch Jalousien, um alles abzudunkeln.
Auf der anderen Seite liegt zwischen Operationssälen und Außenwand noch der Gang zum Sterilgutlager. 1200 OP-Siebe werden vorgehalten. Das sind eine Art Besteckkasten für die Operation, die natürlich klinisch rein sein müssen. Die Barbara-Klinik lässt ihre Instrumente in Ahlen oder Bochum reinigen. Nach der Anlieferung kommt es in einen ganz besonderen Raum. Den können rechter Hand Leute mit Straßenkleidung betreten, während links die Sterilisationskette beginnt.
Getrennt nur von Metalltischen, sorgt eine speziell eingestellte Belüftung dafür, dass es keine Vermischung der Luft gibt. Hier wird das Besteck vorbereitet, bevor ein Lastenaufzug die fertigen Siebe dann nach oben fährt. „So umfassend habe ich das noch nie abgebildet gesehen“, sagt Keuschen zur Sterilgut-Abteilung. Dank des Neubaus habe man auf modernsten Stand arbeiten können und von Beginn an ein schlüssiges Konzept entwickeln können.
Auf der OP-Station werden 60 Mitarbeitende im Pflegebereich tätig sein, darunter 42 Vollzeitkräfte. Dazu kommen 35 Anästhesiepflegekräfte, sagt Pflegedirektor Jens Alberti, während er am großen Aufenthaltsraum vorbeigeht. 200 Personalspinde werden auf dieser Etage eingebaut – 160 für Frauen, 40 für Männer.
Eingangsbereich
Im Erdgeschoss wird nach der Inbetriebnahme ebenfalls ein Kommen und Gehen herrschen. Das ist so gewollt, schließlich werden hier viele Patienten ankommen und erstbehandelt. Der Eingangsbereich ist geräumig und bietet Platz für einen großen Empfang. „Es gibt einen gemeinsamen Tresen mit gemeinsamen Mitarbeitern, damit entschieden werden kann, wer wohin soll“, sagt Alberti.
Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) und die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe werden unter einem Dach sein. Zusätzlich gibt es drei kleine Extraeingänge mit daran angeschlossenen Räumen, die von infektiösen Patienten ohne Kontakt zu anderen genutzt werden können. Eine Lehre aus der Corona-Pandemie, die Planungen wurden dahingehend noch während der Bauphase nachträglich geändert. „Die Patienten im laufenden Betrieb zu trennen, war eine Herausforderung“, erinnert sich Alberti.
Im hinteren Bereich der insgesamt gut 1700 Quadratmeter großen Etage befinden sich Räume für die bettlägerigen Patienten, denn westlich des Gebäudes befindet sich auch die Liegendanfahrt. Dort draußen sieht es etwas wild aus, was allerdings daran liegt, dass gerade Abwasserleitungen angeschlossen werden und für die Baufahrzeuge eine Umleitung eingerichtet wurde.
Notfallaufnahme
Beim Neubau hat die Klinik auf kurze Wege gesetzt. So ist der Schockraum für Notfallpatienten nur einen Katzensprung von der Liegendanfahrt entfernt. „Die Abstände dürfen ja nicht zu groß sein“, weiß Keuschen um die rechtlichen Vorgaben. Ganz in der Nähe sind die Mitarbeiter-Zimmer für den 24-Stunden-Dienst. „Der RTW-Fahrer hat einen eigenen Raum und ist bei Bedarf in nur zwei Minuten am Wagen“, sagt Alberti.
Noch ist das alles allerdings nur im Groben zu erkennen, da die Arbeiten nicht so weit fortgeschritten sind wie eine Etage darüber. Wer durch die Gänge geht, muss aufpassen, weil überall die Kabel herunterhängen. Verputzt ist hier nichts.
Eine Etage Technik
Das, was derzeit vielleicht am imposantesten auf der Baustelle ist, wird kaum ein Patient je zu Gesicht bekommen. Unter dem Dach ist eine ganze Etage nur für die Technik reserviert. Hier erfolgt die Belüftung der Räume darunter. Neben den raumgroßen Maschinen bestimmen riesige mit Alufolie umwickelte Luftschächte sowie mehr als oberschenkel-dicke Kaltwasser-Rohre das Bild. „Wenn man plant, ist das das eine, aber wenn dann die Rohre sieht, ist das schon beeindruckend“, sagt Alberti beim Blick an die Decke.
Im Keller wiederum ist die Gastroenterologie untergebracht. Dr. Ulrich Tappe wird hier seine Praxis haben. Die ist sowohl von außen barrierefrei erreichbar als auch von innen für die stationären Patienten. Unter anderem gibt es auf den 1300 Quadratmeter vier Räume, in den verschiedene Eingriffe vorgenommen werden können.



