Klinik-Neubau
Bald kommt der Estrich: Funktionstrakt der Barbara-Klinik nimmt Form an
Schon von Weitem ist die Großbaustelle an der Barbara-Klinik gut zu sehen. Doch das Ende ist nicht mehr weit. Im Herbst sollen der Funktionstrakt in Betrieb gehen.
Heessen – Im Herbst soll es soweit sein, dann soll der neue Funktionstrakt der Barbara-Klinik fertig werden. Damit liegt die Großbaustelle ziemlich gut im Zeitplan, war doch zu Beginn von Sommer 2023 die Rede. Derzeit wird auf allen Ebenen, innen wie außen gearbeitet. Trockenbauer, Elektriker sind am Werk, Lüftungsrohre werden verlegt. Seit dem Richtfest im Oktober vergangenen Jahres ist der Fortschritt unverkennbar. Der nächste große Schritt steht kurz bevor. Demnächst, so kündigt Projektleiter Dirk Wiese an, wird der Estrich verlegt. Baubeginn war im Frühjahr 2021, Richtfest im Oktober 2022.
Der Funktionstrakt schließt sich von vorne aus gesehen rechts ans roten Bestandsgebäude an und zählt neben dem sich schon in Betrieb befindlichen Bettenhaus zu den zentralen Bestandteilen des Projekts „Wir werden eins“, der mittlerweile vollzogenen Zusammenlegung der Barbara-Klinik in Heessen mit dem St. Josef-Krankenhaus in Bockum-Hövel, das im Vorjahr umgezogen ist. Bis dort etwas in punkto Nachnutzung passiert, wird es aber noch dauern. 60 Millionen Euro hat die Franziskus-Stiftung als Träger dafür eingeplant.
Geräumige ZNA, sechs Operationssäle und ganz viel Technik
Im Erdgeschoss des Funktionstrakts wird auf 1700 Quadratmetern die neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) gebaut. Da drüber entstehen sechs Operationssäle. Sie werden als Erstes fertig und schon in Betrieb gehen, wenn auf den anderen Etagen noch gebaut wird. Mit den dazugehörigen Räumen ist dafür Platz auf 1900 Quadratmeter. Auf 1300 Quadratmeter wird im Keller die Gastroenterologie einziehen, die derzeit ihre Station im Erdgeschoss des alten Gebäudes hat. Einen weiteren Bereich wird dort die Technik einnehmen, die zudem mit Lüftungssystemen, Klimaanlagen und Ähnlichem auch noch die oberste Etage in Beschlag nimmt.
Ein neuer, ebenfalls im Bau befindlicher Aufzugturm verbindet den Funktionstrakt mit dem Bestandsgebäude. Dazu gibt auf den Etagen derzeit noch geschlossene Durchgänge. Langsam lässt sich anhand der leeren Gänge und der noch mit allerlei Baumaterial gefüllten Räume erkennen, wie die Wege aussehen werden, die Ärzte und Pflegekräfte in Zukunft gehen beziehungsweise Patienten hineinkommen und behandelt werden.
Überdachte Liegendanfahrt und extra Eingänge für infektiöse Patienten
Von außen fällt ein derzeit noch von allerhand Stützpfeilern getragenes, offenes Bauwerk auf. Es ist die Liegendanfahrt, in Absprache mit den Rettungskräften überdacht. Die Notfallpatienten werden von dort auf den Tragen hineingefahren und auch ein neuer Schockraum ist direkt zugänglich.
Daneben befinden sich die Eingänge für die Patienten, die selbst zum Krankenhaus kommen können. Wenn alles fertig ist, können sie sich zunächst in einem großzügig geplanten Empfangs- und Wartebereich aufhalten, bevor es zu den kleinen Räumen zur Erstdiagnose weiter geht. Der eigentliche Untersuchungsraum ist ein großer Saal mit acht Tischen. „Alles ist großzügig und breit“, sagt Alexandra Janiel, für die Öffentlichkeitsarbeit der Klinik zuständig, beim Rundgang.
Nach den Erfahrungen in der Corona-Pandemie gibt es einen Sonderbereich für Infektionsfälle und drei von außen zugängliche Behandlungsräume. Auch die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung wird demnächst im vorderen Bereich ihren Platz finden, in Nachbarschaft zur ZNA. Büroräume und Schlafzimmer für die Ärzte im Bereitschaftsdienst befinden sich im hinteren Bereich.
Ärzte und Pflegekräfte mit ins Boot geholt
„Kurze und effiziente Laufwege“, so nennen Janiel und Projektleiter Dirk Wiese das Motto, unter dem der Funktionstrakt geplant wurde. Dazu waren im Vorfeld viele Gespräche mit Ärzten und dem Pflegepersonal geführt worden, um die Wünsche zu berücksichtigen. Ein Beispiel ist die quer durch das Gebäude führende Rohrpost – modern und digital zu steuern – mit der ohne großen Zeitverlust Proben ins Labor geschickt werden können.
Sie werden aber später ebenso wenig zu sehen sein, wie viele andere Dinge, an denen momentan parallel gearbeitet wird. Derzeit blickt man auf bloße Betonwände, Rigipsplatten oder die riesigen, silbernen Lüftungsrohre, von denen bald nur noch die Ausgänge zu erkennen sein werden. Viel Baustellengrau also, zwischen dem orange die Kabelmeter schimmern.
OP-Säle mit Tageslicht
Im ersten Obergeschoss liegen zentral die sechs leeren, je 40 Quadratmeter großen OP-Säle. Sie ersetzen nicht nur die drei aus dem St. Josef, sondern ihre Gesamtzahl wird sich mit den drei bestehenden auf neun für die stationären Patienten erhöhen. Ein Beleg für die „Leistungsausweitung“, so Wiese, die die Barbara-Klinik durch die Zusammenlegung mit St. Josef erfahren hat und in Zukunft durch weitere Zertifizierungen ausbauen möchte. „Fachkompetenz unter einem Dach“, nennt es PR-Frau Janiel.
Alt und neu werden bei der Inbetriebnahme, die vorgezogen wird und schon vor dem Abschluss des Gesamtbaus erfolgen soll, ineinander übergehen. Ein Teil der neuen Operationsräume hat auf Wunsch der Mitarbeiter Glasfenster, durch die Tageslicht hereinkommen kann. Verdunkelt werden kann natürlich auch.
Einer Halle gleich erstreckt sich derzeit noch der künftige Umkleidebereich der Mitarbeiter in Höhe und Tiefe. Zwar werden die Decken bald abgehangen und später Trennwände eingezogen, doch hier werden demnächst 160 Spinde für Frauen und 40 für Männer stehen.
Künftige Wege der Patienten sind schon zu erkennen
Noch ist alles hier Großbaustelle, doch der Grundriss hat durch die Wände für Warte- und Aufwachräume Form angenommen. Der Einschleusungsraum mit dem Wechsel aufs OP-Bett ist schon durch die dort gebauten hüfthohen Mauern zu erkennen. Ein Hingucker ist das Zimmer, in dem das im Keller desinfizierte Operationsbesteck für den Einsatz vorbereitet wird. Im kurzen Abstand hängen überall spezielle Lüftungsanlagen von der Decke.
Ein Beispiel dafür, wie die Klinik durch den Neubau die Möglichkeit erhalten habe, den Anforderungen moderne Medizin gerecht zu werden, meint Wiese. In dem alten Gebäude in Bockum-Hövel wäre das so nicht möglich gewesen, ergänzt Janiel.




