Verborgen unter Gleisen und Straßen

Bomben auf Bahnhof: Rätsel um Blindgängerzahlen in Hamm

Die Schäden, die bei Bombenangriffen auf die Hammer Bahnanlagen entstanden, verdeutlicht dieses Bild. Zur Trümmer- und Bombenräumung wurden auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene herangezogen.
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Die Schäden, die bei Bombenangriffen auf die Hammer Bahnanlagen entstanden, verdeutlicht dieses Bild. Zur Trümmer- und Bombenräumung wurden auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene herangezogen.

Hamm - Im Zweiten Weltkrieg war der Hammer Bahnhof immer wieder Ziel alliierter Bomberverbände. Wie viele Blindgänger noch unter den Gleisen und Straßen liegen, ist unbekannt.

24 gezielte Angriffe auf die Bahnanlagen sind belegt, die Folgen sind heute noch zu spüren, wenn Blindgänger gefunden werden und entschärft werden müssen. Rund 10.000 Tonnen Sprengmaterial fielen damals auf Gleise und Straßen; wie viel davon noch im Boden steckt, ist unbekannt. Derzeit lässt die Deutsche Bahn auf einem 2,5 Kilometer langen Abschnitt in Lohauserholz gezielt nach Weltkriegsbomben suchen.

Den Bahnarbeitern stand der Schreck ins Gesicht geschrieben, als sie am 3. August bei Gleisbauarbeiten nördlich der Günterstraße eher zufällig auf eine amerikanische 250-Kilogramm-Bombe stießen. Die Bombe lag in geringer Tiefe und war weder bei Luftbildauswertungen noch bei Sondierungsbohrungen im Vorfeld der Bauarbeiten gefunden worden. Sie wurde entschärft, doch weiterarbeiten wollten die Arbeiter dann nicht mehr.

Der Hammer Verschiebebahnhof nach dem Angriff vom 22. April 1944: Hilfsmannschaften richten die zerstörten Gleise. Mancher Blindgänger blieb wohl unentdeckt.

Per Georadar hat die Bahn die Strecke anschließend untersuchen lassen, die Ergebnisse der Messung werden derzeit ausgewertet. Weil das Radar nicht nur Metallkörper, sondern alle möglichen Unregelmäßigkeiten im Boden anzeigt, dürfte eine enorme Zahl von Verdachtspunkten aufgetaucht sein; einer Bahnsprecherin zufolge sollen sie alle untersucht werden. Wie lange das dauert, vermöge niemand zu sagen.

Karl Wulf gilt als Fachmann für den Luftkrieg über Hamm. Er hat die Einsatzprotokolle der 8. US-Luftflotte ausgewertet, die die meisten Angriffe auf Hamm geflogen hat. Vom 4. März 1943 bis zum 17. April 1945 hat es Wulf zufolge 24 Tagesangriffe auf Hamm gegeben, 21 amerikanische und drei britische. Als Ziel sei in jedem Fall „Marshalling Yard“ angegeben, Deutschlands größter Rangierbahnhof, über den der Nachschub für die Front lief. Lediglich beim Großangriff am 22. April 1944 habe eine von mehreren Bomber-gruppen auch die Innenstadt anvisiert. Dass ganze Straßenzüge in Hamm in Schutt und Asche sanken, war letztlich der großen Streubreite der Bomben geschuldet.

50.000 Spreng- und Brandbomben

Wulf kommt in seiner Zählung auf rund 50.000 Spreng- und Brandbomben, die über Hamm abgeworfen wurden, Gesamtgewicht etwa 10.000 Tonnen. Dazu komme eine nicht zu ermittelnden Zahl von leichten Stabbrandbomben.

Mit einem Masseneinsatz unter anderem von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen wurden die Gleise des Hammer Bahnhofs dem Hagener Historiker Ralf Blank zufolge beispielsweise nach dem Angriff vom 22. April 1944 innerhalb von drei Tagen wieder befahrbar gemacht. Schon damals wurden Blindgänger entschärft, zahlreiche blieben jedoch bis heute unentdeckt.

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