Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Blockade über Deutschland: Atlantikluft zerstört wohl Hoffnung für lange Zeit
Deutschland erlebt außergewöhnliche Dezemberwärme. Der Polarwirbel verzögert winterliche Bedingungen deutlich länger als viele Prognosen erwartet haben. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Der Wochenstart (8. Dezember) bringt für Deutschland ungewöhnlich milde Luftmassen, die besonders am Oberrhein Spitzenwerte nahe 20 Grad ermöglichen und damit an frühe Frühlingstage erinnern. Diese Wärmeperiode des Wetters wird von einer stabilen Westdrift getragen, die wieder voll aktiv ist und nahezu ununterbrochen milde, feuchte und teils windige Atlantikluft ins Land lenkt.
Die Winterluft, die vielerorts sehnlich erwartet wird, bleibt damit auf Distanz. Selbst in den Nächten sinken die Temperaturen nur selten in den Frostbereich. Viele jüngst verbreitete Prognosen, die dramatische Wintereinbrüche ankündigten, erweisen sich damit als verfrüht, denn die atmosphärische Großwetterlage hat sich deutlich anders entwickelt als zunächst vermutet.
Warum das Winter-Wetter derzeit blockiert bleibt
Der entscheidende Faktor liegt hoch oben in der Atmosphäre. Der Polarwirbel, der im Winter einen großen Einfluss auf die Strömungsmuster hat, präsentiert sich aktuell ungewöhnlich stabil und kompakt. Dadurch wird die Kälte über dem hohen Norden festgehalten und kann kaum nach Süden vordringen. Ohne Störungen im Polarwirbel, etwa durch plötzliche Erwärmungsereignisse oder starke planetare Wellen, bleibt auch Mitteleuropa von nachhaltigen Kaltlufteinbrüchen abgeschnitten. Diese Stabilität verhindert, dass sich Hochdruck über Skandinavien oder Russland etablieren kann, was normalerweise Voraussetzung für markante winterliche Wetterphasen in Deutschland wäre. Die Folge ist eine regelrechte Winterblockade, deren Ende noch nicht absehbar ist.
Aussichten bis über den 3. Advent hinaus
Die mittelfristigen Modelle deuten darauf hin, dass die Westdrift auch über den 3. Advent (14. Dezember) hinaus dominieren könnte. Zwar sind kleinere Kaltlufteinschübe nicht ausgeschlossen, doch für einen flächendeckenden Wintereinbruch reicht das bisherige Muster nicht aus. Die milden Atlantikströmungen bleiben zu kräftig, während der Polarwirbel weiterhin wenig Anzeichen für eine nachhaltige Schwächung zeigt.
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Somit verläuft der Dezember bislang deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt, und es spricht vieles dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt. Erst wenn sich die Stratosphäre stärker verändert oder die Strömungsmuster brechen, steigen die Chancen auf Frost, Schnee und echtes Wintergefühl in Deutschland wieder spürbar an. So könnte es im Januar zu einem frostigen Gegenschlag kommen.
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