Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Dezember in Rekordwärme – warum Wetter-Experten jetzt vor einem brutalen Januar-Kältehammer warnen
Der Dezember glüht, der Winter schläft – und plötzlich warnen Meteorologen vor einem frostigen Gegenschlag im Januar. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Während Europa Anfang Dezember in ungewohnten Frühlingstemperaturen badet, brodelt in der Wetter-Community eine neue Theorie. Einige Experten behaupten, dass eine extreme Dezembermilde oft der Vorbote eines massiven Kälteausbruchs sei. Die Begründung klingt dramatisch: Wenn der Westwindjet im Dezember besonders stark wütet und milde Luft nach Europa drückt, könne der atmosphärische Energiehaushalt später „zurückschlagen“.
Doch so spektakulär diese These klingt, so vorsichtig muss man sie einordnen. Das Wettergeschehen zeigt derzeit keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Umbruch, denn die Westlage ist stabil und wird weiterhin durch den Atlantik befeuert.
Die Rolle des Polarwirbels und warum Januar 2026 spannend werden könnte
Der Polarwirbel ist im Moment nicht außergewöhnlich stark, aber auch nicht instabil genug, um direkt einen Kälteangriff einzuleiten. Dennoch gibt es erste Signale, dass im Laufe des Januars eine Störung möglich wäre. Solche Stratosphären-Events können tatsächlich arktische Luft nach Europa lenken.
Die Modelle für langfristige Entwicklungen sind jedoch extrem unsicher, und viele der alarmierenden Januarkälte-Spekulationen beruhen eher auf historischen Mustern als auf aktuellen Prognosen. Zwar wäre ein plötzlicher Stratosphären-Erwärmungsprozess denkbar, doch bislang lässt sich nichts davon belastbar in den Ensembles fixieren.
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Warum der Kältehammer möglich, aber keinesfalls sicher ist
Der Mythos vom „milden Dezember, eiskalten Januar“ hält sich hartnäckig, doch die Atmosphärenphysik spielt nach eigenen Regeln. Die aktuell dominierende Westlage kann sich zwar abschwächen, aber für einen echten Kältehammer müssten mehrere Faktoren zusammenkommen: ein gestörter Polarwirbel, blockierende Hochdruckbrücken und eine geöffnete Nord- oder Ostströmung. Das alles ist nicht ausgeschlossen, aber derzeit eher Spekulation als Prognose. Klar ist: Nur weil der Dezember viel zu warm startet, bedeutet das nicht automatisch einen polaren Absturz im Januar. Gespannt bleiben lohnt sich trotzdem – denn der Winter hat schon oft erst spät zugeschlagen.
Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS-Klimamodell
