Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Gibt es doch weiße Weihnachten? Jetzt rücken „Schneesignale“ in den Wetter-Fokus

Wettermodelle drehen vor Weihnachten plötzlich auf Winter, mit Dauerfrost und Schneerisiken. Doch Prognosen laufen auseinander. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Seit über einer Woche deutet sich eine markante Abkühlung rund um Weihnachten an, doch nun verschärfen ECMWF und ICON die Signale deutlich. Beide Wetter-Modelle simulieren einen kräftigen Kaltluftvorstoß aus Nordost, gestützt durch ein blockierendes Hoch und eine nach Süden ausgreifende Trogstruktur. In der Folge rutschen die Temperaturen vielerorts in den Dauerfrost, nachts mit zweistelligen Minuswerten.

Krasse Wetterwende? ECMWF und ICON rechnen nun an Weihnachten mit Dauerfrost in den meisten Regionen Deutschlands. Sogar Schnee ist möglich.

Besonders Kaltluftsenken könnten in der Nacht auf den zweiten Weihnachtstag (26. Dezember) Werte nahe minus fünfzehn Grad erreichen. Für viele Regionen wäre das die kälteste Weihnacht seit 2010, was klimatologisch selten, aber nicht unmöglich ist.

Doch noch weiße Weihnachten? Schneechancen und regionale Unterschiede im Wetter

Neben der Kälte rücken Schneesignale in den Fokus, auch wenn sie noch fragil sind. Richtung Norden und an der See zeigen mehrere Läufe schauerartige Niederschläge, die bei ausreichender Labilität als Schnee oder Schneeregen fallen können. In der Mitte Deutschlands berechnet ICON zeitweise flächigere Schneefälle bis in tiefe Lagen, begleitet von leichtem bis mäßigem Frost.

Auch im Süden tauchen vereinzelt Schneeschauer auf, abhängig von kleinräumigen Tiefentwicklungen. Die Niederschlagsmengen bleiben unsicher, doch selbst geringe Schneedecken würden die winterliche Anmutung verstärken und lokale Verkehrsprobleme begünstigen.

Warum die Wetter-Modelle so stark auseinanderlaufen

Die große Spannung entsteht durch Unterschiede in der synoptischen Feinsteuerung. Während ECMWF und ICON den Kaltluftvorstoß früh und nachhaltig etablieren, hält GFS den Zustrom milder Atlantikluft länger aufrecht und verschiebt die Abkühlung nach den Feiertagen. Kleine Abweichungen bei Hochdrucklage, Jetstream-Position und Schneebedeckung können hier mehrere Grad Unterschied bedeuten.

Zusätzlich spielt der Zeitpunkt der Kaltluftadvektion eine Rolle, denn kurze Verzögerungen entscheiden über Frost oder Tauwetter. Klar ist, dass die Wetterlage hochdynamisch bleibt und kurzfristige Anpassungen wahrscheinlich sind. Genau diese Mischung aus Potenzial, Unsicherheit und historischer Einordnung macht die Prognosen derzeit außergewöhnlich reizvoll. Ein Blick auf Ensembles zeigt große Streuung, aber auch ein klares Signal für negative Abweichungen, was das Risiko eines markanten Winterereignisses erhöht, ohne es bereits festzuschreiben.

Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare