Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Nach Weihnachten droht der Wetterbruch: Bringt die Kältepeitsche Schnee und eisiges Erwachen zum neuen Jahr?

Nach ruhigem, mildem Weihnachtswetter deutet sich ein abrupter Umschwung an. Neue Modellläufe zeigen deutlich kühlere Signale. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Viele Wetter-Freunde reiben sich in diesen Tagen verwundert die Augen. Die Tage rund um Weihnachten präsentieren sich verbreitet zu mild, teils grau, teils windig, aber insgesamt ohne echten Wintercharakter. Atlantische Tiefdrucksysteme bestimmen das Geschehen, transportieren milde Luftmassen nach Mitteleuropa und halten Schnee und Frost weitgehend fern.

Der Jahreswechsel könnte auch laut dem europäischen ECMWF-Modell deutlich kälter als üblich ausfallen.

Genau dieses Muster hat sich in den vergangenen Wintern häufig wiederholt. Weihnachten ohne Winter, dafür mit Temperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel. Doch diese scheinbare Wetterruhe könnte trügerisch sein. Denn hinter den Kulissen der großen Wettermodelle deutet sich eine markante Umstellung der Großwetterlage an, die zeitlich auffällig nahe am Jahreswechsel liegt.

Weihnachten mild, fast frühlingshaft: Nach dem Fest kippt das Muster

Aktuelle Prognosen des europäischen Wettermodells ECMWF zeigen für die Zeit zwischen Ende Dezember und Anfang Januar ein klares Signal: Die Temperaturen könnten unter das klimatologische Mittel der letzten 30 Jahre fallen. Besonders auffällig ist die großflächige negative Temperaturanomalie über Mitteleuropa. Das spricht für eine Umstellung der Strömung, weg vom milden Atlantik, hin zu kontinentaleinflussreicher Luft.

In mehreren Modellvarianten wird ein Hochdruckgebiet über Nordeuropa oder Russland angedeutet, das kalte Luft westwärts lenken könnte. Diese Konstellation ist klassisch für sogenannte Ost- oder Nordostlagen, bei denen trockene, aber deutlich kältere Luft nach Deutschland gelangt. Noch ist offen, ob auch Schnee ins Spiel kommt, doch allein der Temperaturrückgang wäre spürbar.

Russische Kältepeitsche zum Jahreswechsel

Brisant ist, dass nicht nur das ECMWF diese Entwicklung andeutet. Auch andere internationale Wettermodelle zeigen in ihren Ensembles zunehmende Streuung und eine Häufung kälterer Lösungen zum Jahreswechsel. Das erhöht die Glaubwürdigkeit eines Wetterumschwungs. Sollte sich die blockierende Hochdrucklage tatsächlich etablieren, könnte der Winter mit Verspätung, aber Nachdruck zurückkehren.

Nächte mit strengem Frost, gefrierende Nebellagen und erste Schneefälle wären dann durchaus möglich. Noch ist Vorsicht geboten, denn Details entscheiden sich oft erst wenige Tage vorher. Klar ist jedoch: Der Jahreswechsel hat das Potenzial, wettertechnisch deutlich spannender zu werden als das ruhige, milde Weihnachtsfest zuvor.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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