Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Polarluft flutet Europa? Neue Prognose für das Wetter im Januar
Polarluftvorstöße, Modellkapriolen und ein nervöser Jetstream sorgen kurz vor dem Jahreswechsel für Unsicherheit. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Ein massiver Polarluftvorstoß nach Europa wäre kein gewöhnlicher Kaltlufteinbruch, sondern ein großskaliges Umschalten der Zirkulation. Voraussetzung wäre eine markante Amplifizierung des Jetstreams mit einem tiefen, weit nach Süden reichenden Trog. In diesem Fall könnte arktische Luft nicht nur Mitteleuropa erreichen, sondern sich über mehrere Tage oder sogar Wochen festsetzen.
Entscheidend ist dabei nicht die Kälte an sich, sondern die Frage, ob sich gleichzeitig blockierende Hochdruckgebiete über dem Atlantik oder Skandinavien etablieren. Genau hier liegt der Grund für die extremen Modellschwankungen. Kleine Unterschiede in der Hochposition entscheiden darüber, ob Europa unter arktischem Einfluss bleibt oder rasch wieder atlantisch durchmischt wird.
Vom Kaltluftstoß zum Januarkipp
Ein einzelner Polarluftvorstoß bedeutet noch keinen völlig anderen Januar. Erst wenn er mit einer nachhaltigen Umstrukturierung der Großwetterlage einhergeht, wird es spannend. Sollte der Polarwirbel durch wiederholte Warmlufteinbrüche weiter geschwächt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit für meridionale Strömungen.
In diesem Szenario könnten sich weitere Kaltluftausbrüche anschließen. Der Januar würde dann nicht nur punktuell kalt, sondern strukturell winterlich. Bleibt der Vorstoß hingegen isoliert, folgt meist rasch die Rückkehr milder Atlantikluft. Dann bleibt die Monatsbilanz trotz Frostphase mild.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten




Eiszeit oder nur winterliches Intermezzo?
Von einer Eiszeit zu sprechen, wäre selbst bei einem kräftigen Kaltluftvorstoß überzogen. Langfristmodelle zeigen derzeit eher einen milden Januar 2026, weil sie von einem insgesamt stabilen, wenn auch gestörten Polarwirbel ausgehen. Ein einzelnes Extremereignis reicht nicht aus, diese Grundtendenz vollständig zu kippen. Ein Wintereinbruch nach Weihnachten wird laut Prognosen allerdings wahrscheinlicher.
Dennoch kann genau diese Phase zwischen den Jahren entscheidend sein. Sie markiert oft, ob sich Blockierungen festfahren oder auflösen. Die kommenden Tage sind daher weniger ein chaotisches Schauspiel als vielmehr eine atmosphärische Weggabelung, an der sich entscheidet, ob der Winter kurz aufblitzt oder tatsächlich Regie übernimmt. In Kanada gibt es derweil historische Kälte.
Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de
