Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Historische Kälte in Kanada: Minus 53 Grad, Polarwirbel außer Kontrolle – droht Europa Ähnliches?
Rekordkälte von minus 53 Grad schockiert Kanada ungewöhnlich früh. Eine massive Arktikluft-Welle rollt südwärts. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
In den vergangenen Tagen wurde im kanadischen Yukon eine Temperatur von -53 Grad Celsius gemessen, so früh im Jahr wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Verantwortlich ist ein außergewöhnlich kalter Luftkörper, der ursprünglich aus Sibirien stammt und über die Arktis nach Nordamerika gelangte. Solche Luftmassen entstehen bei einer starken Abkühlung der unteren Stratosphäre und sind eng mit dem Polarwirbel verknüpft.
Dynamik des Polarwirbels und globale Auswirkungen: Historische Kälte in Kanada – ungewöhnlich früh
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die absolute Kälte, sondern auch der Zeitpunkt: Bereits Anfang Dezember wurden Werte erreicht, die sonst eher im Hochwinter auftreten. In den kanadischen Prärien sorgte diese Luftmasse für gefährliche Windchill-Werte bis unter -40 Grad, bevor sie sich weiter in Richtung Osten verlagerte.
Meteorologisch betrachtet handelt es sich um einen klassischen Ausbruch arktischer Kaltluft, ausgelöst durch eine Störung des Polarwirbels. Wird dieser geschwächt oder verschoben, können extrem kalte Luftmassen weit nach Süden ausbrechen. Wichtig ist jedoch: Der Polarwirbel ist ein zirkumpolares System, das sowohl Nordamerika als auch Europa beeinflussen kann, aber nicht muss. Ob Europa betroffen ist, hängt stark von der großräumigen Strömung ab, insbesondere von der Lage des Jetstreams. Derzeit lenkt dieser die Kälte bevorzugt nach Nordamerika, während Europa unter vergleichsweise milderen Luftmassen liegt.
Rekordkälte in Kanada: Kann Europa ebenfalls eine Hammerkälte treffen?
Grundsätzlich ist es möglich, dass ähnliche Kälteepisoden auch Europa erreichen, vor allem bei einer anhaltenden Schwächung des Polarwirbels. Historische Beispiele zeigen, dass sibirische Kaltluft bei entsprechender Wetterlage bis nach Mitteleuropa vordringen kann. Aktuell gibt es jedoch keine konkreten Hinweise auf ein solches Extremereignis in naher Zukunft. Die Ozeane, insbesondere der Atlantik, wirken für Europa meist als Wärmepuffer. Dennoch bleibt die Lage dynamisch. Die Entwicklungen in der Arktis verdienen Aufmerksamkeit, denn sie erhöhen statistisch die Wahrscheinlichkeit für winterliche Kältephasen, auch wenn ein kanadisches Szenario in Europa die Ausnahme bleibt.
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