Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Deutschland wartet auf den Schnee: Ganz woanders herrscht jedoch eisiges Winter-Wetter
Während Europa auf winterliche Stimmung wartet, zeigt sich der Winter woanders: Die USA und Kanada erleben eisige Temperaturen. Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung.
Frankfurt – In Europa sucht man Schnee vergeblich, doch der Eindruck täuscht: Der Winter ist nicht verschwunden, er ist nur umgezogen. Nordamerika, insbesondere der Nordosten der USA und große Teile Ostkanadas, bekommt derzeit genau das Wetter, das hierzulande fehlt.
Während in manchen Regionen Deutschlands noch immer plus zehn Grad gemessen werden, liegen Städte wie Montreal, Boston oder Halifax unter einer dicken Kälteglocke. Dort dominieren minus zweistellige Werte, unter minus 10, teilweise unter minus 20 Grad, klare Polarluft und wiederholte Schneeschauer das Bild. Für uns Meteorologen ist diese Verschiebung der winterlichen Wucht kein Zufall, sondern das Resultat globaler Strömungsmuster, die aktuell kalte Luftmassen bevorzugt nach Nordamerika leiten.
Winter-Wetter verschiebt sich: Schnee statt Schmuddelwetter
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wintertrend an den Temperaturkontrasten. Während Mitteleuropa eher Spätoktober als tiefster Dezember ist, melden die nordamerikanischen Wetterdienste frostige Rekorde und verbreiteten Schneefall. Toronto und das Gebiet der Großen Seen erleben dabei typische Lake-Effekt-Schauer, die aus harmlosen Wolken massive Schneebänder formen.
Selbst Regionen, die zuletzt eher milde Winter gewohnt waren, spüren nun die Härte des arktischen Luftstroms. Diese Entwicklungen führen in Nordamerika zu glatten Straßen, eingeschränktem Flugverkehr und einer Atmosphäre, die an klassische Winterfilme erinnert – nur eben real und unerbittlich.
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Warum der Winter woanders wütet
Die Erklärung für dieses Phänomen liegt in einem Zusammenspiel aus Jetstream-Lage, Ozeanströmungen und Druckmustern, die in diesem Jahr besonders extrem ausfallen. Der Jetstream verläuft derzeit so, dass kalte Luftmassen fast ungebremst in die USA und nach Kanada strömen, während Europa im vergleichsweise warmen Sektor verbleibt.
Das bedeutet nicht, dass der Winter hier ausfällt, sondern lediglich, dass er gerade an einem anderen Ort seine Energie entlädt. Experten warnen jedoch: Solche Verlagerungen können schnell kippen. Was heute noch mild ist, kann sich binnen weniger Tage in ein vollkommen anderes Szenario verwandeln.
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