Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Mildes Wetter in Deutschland – während arktischer Winter und 30 Zentimeter Schnee die USA treffen
Während Deutschland im Dauerfrühling dümpelt, erstickt der Osten der USA im Schneechaos. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Viele Menschen hierzulande haben das Gefühl, der Winter verliere komplett die Lust auf Europa. Statt frostigen Nächten und glitzerndem Schnee dominiert eine milde Südwestströmung, die warme Atlantikluft ungebremst nach Deutschland schaufelt. Temperaturen weit über dem Dezember-Soll lassen selbst robuste Winterfans ratlos zurück.
Von Weihnachtsromantik ist vielerorts keine Spur, selbst in höheren Lagen fehlt jeder Hauch von Winter. Meteorologen verweisen auf einen blockierenden Strömungsverlauf, der kalte Luftmassen zuverlässig fernhält. Der Winter hat sich jedoch nicht verabschiedet – er ist nur abgetaucht und sucht sich derzeit einen völlig anderen Schauplatz.
Arktisches Wetter: In den USA tobt der Winter, wie er bei uns fehlen würde
Während Deutschland fast frühlingshaft durchstartet, eskaliert die Lage in den Vereinigten Staaten. Ein Ausbruch arktischer Kaltluft lässt die Temperaturen im Osten und Nordosten des Landes um zehn bis fünfzehn Grad unter das übliche Dezemberniveau stürzen. Dort türmen Sturmbänder Schneemassen bis zu dreißig Zentimeter hoch auf.
Regionen von Ohio über Pennsylvania bis nach Neuengland erleben das volle Winterprogramm: eingeschneite Highways, gefährliches Glatteis, Stromausfälle und eisige Nächte, die auf die Knochen schlagen. Millionen Menschen kämpfen sich durch eine Wetterlage, die zeigt, wo der Winter aktuell seine ganze Kraft konzentriert. Während hierzulande Regenwolken über grüne Wiesen ziehen, versinken amerikanische Städte im Schnee.
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Warum der Winter seine Kraft gerade über Nordamerika entlädt
Der extreme Kontrast zwischen warmem Europa und eisigem Amerika ist kein zufälliger Launensturm. Eine Störung des Polarwirbels lenkt Kaltluftpakete bevorzugt nach Nordamerika, während Europa an der warmen, turbulenten Vorderseite der Zirkulation liegt.
Das erzeugt ein deutliches Ungleichgewicht, das sich jederzeit wieder verschieben kann. Für die USA bedeutet es derzeit tiefsten Winter mit allen Konsequenzen, während Deutschland in milder Trägheit festhängt. Experten warnen jedoch: Solche Großwetterlagen bleiben selten dauerhaft stabil. Der Winter, der sich gerade fernab austobt, könnte überraschend zurückkehren – und dann möglicherweise mit voller Wucht.
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