Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Polarwirbel am Limit, Jetstream außer Kontrolle: Spätwinter-Drama droht
Europa rutscht in eine hochspannende Wetterphase. Droht ein Spätwinter mit überraschenden Wendungen? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Der Blick in die Stratosphäre zeigt derzeit ein Muster, das uns Meteorologen aufhorchen lässt. Eine plötzliche Erwärmung schwächt den Polarwirbel, während sich über dem Atlantik blockierende Hochdruckgebiete aufbauen. Dadurch verliert der Jetstream an Geschwindigkeit und beginnt stärker zu mäandrieren, was kalte Luftmassen weit nach Süden lenken kann. Für Europa bedeutet das keine stabile Dauerfrostlage, sondern eine nervöse Grenzwetterphase mit schnellen Wechseln zwischen frostigen Nächten und überraschend milden Abschnitten.
Genau diese Dynamik macht Prognosen schwierig, denn kleine Verschiebungen in der Höhenströmung entscheiden darüber, ob Deutschland im Kaltluftsektor oder im milderen Westfluss landet. Viele Modelle reagieren sensibel auf diese Lage und zeigen teils extreme Unterschiede schon nach wenigen Tagen, obwohl die großräumige Zirkulation ähnlich berechnet wird. Die Schneefallgrenze soll in Teilen Deutschlands spätestens ab Freitagabend und besonders zum Samstag (14. Februar) hin spürbar absinken. Wetter-Experte Dominik Jung sieht gar eine „arktische Polarfront“. Besonders zum Sonntag (15. Februar) und in der Nacht auf Rosenmontag (16. Februar) verschärft sich die Lage demnach weiter.
Polarwirbel-Split oder nur Verschiebung – Wetter-Modelle liefern Prognose
Besonders spannend ist die Frage, ob der Polarwirbel nur verdrängt wird oder sich tatsächlich in zwei Kerne aufspaltet. Ein Split würde die Wahrscheinlichkeit für blockierende Hochs über dem Nordatlantik erhöhen und damit kalte Ostlagen in Europa begünstigen. Aktuell deuten mehrere Modellläufe eher auf ein verschobenes Zentrum hin, doch die Übergänge sind fließend.
Gleichzeitig spielt der Zustand des Nordatlantiks eine Rolle, denn eine negative NAO kann die Strömung zusätzlich abbremsen. Für Wetterfans entsteht daraus ein seltenes Setup, bei dem synoptische Details wie Wellenzahl, Rossby-Amplitude und Timing der Stratosphärenkopplung plötzlich entscheidend werden. Gerade diese Unsicherheit sorgt dafür, dass langfristige Trends zwar erkennbar sind, die konkrete Wetterlage über Mitteleuropa aber weiterhin überraschend kippen kann.
Was das für Deutschland bedeutet
Für Deutschland bedeutet das in den kommenden Wochen wahrscheinlich kein lineares Winterfinale, sondern ein Auf und Ab mit regional großen Unterschieden. Während der Süden häufiger unter Hochdruckeinfluss geraten könnte, bleibt der Norden anfällig für Kaltluftvorstöße und neue Schneesignale. Sollte sich die Kopplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre verstärken, wären sogar späte Kältephasen im März denkbar.
Gleichzeitig zeigen Klimatrends, dass solche Extreme häufiger in kurzen Wellen auftreten statt als durchgehende Dauerlagen. Der Winter wirkt dadurch weniger stabil, aber meteorologisch umso spannender, weil klassische Muster mit modernen Anomalien zusammentreffen.
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