Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Jetstream rauscht mit 250 km/h über uns hinweg – mit folgenschweren Auswirkungen für Deutschland

Deutschland erlebt eine extreme Wetterwende. Hoch oben rast der Jetstream mit bis zu 250 km/h über uns hinweg – mit Folgen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Der Jetstream ist ein schmales, aber extrem starkes Windband in rund zehn Kilometern Höhe. Dort oben rauscht er teilweise mit bis zu 250 km/h direkt über Deutschland hinweg. Er entsteht durch die gewaltigen Temperaturunterschiede zwischen kalter Polarluft und deutlich wärmerer Luft aus südlicheren Breiten.

Der Jetstream peitscht in der kommenden Woche genau über Deutschland hinweg. Dadurch kommt es zu einer strammen Südwestströmung mit warmen Luftmassen.

Normalerweise verläuft dieses Starkwindband relativ zonal von West nach Ost und steuert dabei Tiefdruckgebiete über den Atlantik nach Europa. Doch sobald sich der Jetstream stärker wellenförmig verformt oder seine Position verschiebt, verändert sich die gesamte Großwetterlage. Genau das geschieht jetzt: Er liegt genau über Mitteleuropa und öffnet die Tür für außergewöhnlich milde Luftmassen.

Wie der Jetstream das Winter-Wetter einfach wegdrückt

In seiner aktuellen Lage wirkt der Jetstream wie ein atmosphärisches Förderband. Mit enormer Geschwindigkeit lenkt er Tiefdruckgebiete und pumpt milde Luft aus Südwesten nach Deutschland. Gleichzeitig wird die kalte Polarluft auf die Ostseite der Strömung gedrängt und weit nach Osteuropa zurückgeschoben. Für Deutschland heißt das: Game Over für den Winter.

Statt Schnee und Frost – aktuell trifft es die Alpenländer besonders heftig mit Schneechaos und Erdrutschen – dominieren plötzlich Temperaturen wie im Frühling. Am Mittwoch (25. Februar) und Donnerstag (26. Februar) werden verbreitet Höchstwerte zwischen 15 und knapp 20 Grad erwartet, im Südwesten sogar 21 oder 22 Grad. Solche Wetter-Werte sind für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich und treten normalerweise eher Mitte bis Ende April auf.

Frühling mitten im Winter – wie nachhaltig ist das?

Zwei Tage mit fast frühsommerlicher Anmutung zeigen, wie sensibel unser Wettersystem auf Verschiebungen in großer Höhe reagiert. Ein Jetstream, der mit 250 km/h über uns hinwegfegt, entscheidet darüber, ob wir Winterjacken oder leichte Übergangskleidung brauchen. Schon kleine Positionsänderungen können massive Temperaturunterschiede auslösen.

Sensationelle Fotos: Schneemassen in Bayern – Einmalige Bilder zeigen Ausnahmezustand

Das Winterchaos in Bayern hält weiter an – auch am Dienstag, 27. Januar, warnt der DWD vor Glätte und Neuschnee.
Winterlandschaft im Landkreis Forchheim – unter anderem dort warnt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aber auch vor erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr durch umgestürzte Bäume.
Eine dicke Schneedecke liegt über der Altstadt Coburgs im Norden Bayerns.
Auch in der Oberpfalz hat der Winter zugeschlagen – das Foto zeigt Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg.
Sensationelle Fotos: Schneemassen in Bayern – Einmalige Bilder zeigen Ausnahmezustand

Diese Wetterwende verdeutlicht eindrucksvoll, wie ein unsichtbares Starkwindband in der oberen Troposphäre innerhalb weniger Tage eine komplette Jahreszeit scheinbar ausradieren kann. Doch aktuell droht in Bayern noch teils heftiger Schneefall. Es gab schon zahlreiche Unfälle.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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