Mini-Gemeinde geschockt

Freibad-Eskalation: Badegäste stürmen Kiosk, Mitarbeiter verstecken sich – „Ich hatte Angst“

Aufgebrachte Besucher stürmten den Freibad-Kiosk eines kleinen Dorfes. Mitarbeiter versteckten sich aus Angst. Die Gemeinde reagiert nun.

Satteldorf – Auch etwas mehr als zwei Wochen danach bewegt der Freibad-Vorfall die Gemeinde und viele Menschen im Land. Satteldorf, im Nordosten Baden-Württembergs (Kreis Schwäbisch Hall) gelegen, kündigt nun Konsequenzen an. Was war passiert? Badegäste stürmten den Kiosk, drangen in die Küche ein, Mitarbeiter mussten sich aus Angst einschließen.

Die Freibäder Deutschlands geraten nach Übergriffen aktuell zunehmend in Verruf. Weil Eltern zudem lieber auf ihre Smartphones schauen statt auf ihre Kinder, schaltete sich jüngst Deutschlands oberster Bademeister ein. Andere Bäder kämpfen mit einem deutlichen Besucherrückgang.

Badegäste sorgen für Freibad-Eskalation - Kiosk-Betreiberin „hatte Angst“

„Ich hatte Angst!“, gesteht die Kiosk-Betreiberin in Satteldorf, Peggy Knüpfer-Knab, im Gespräch mit dem SWR. Der Grund für den Tumult: Das Freibad hatte mit 1.500 Besuchern seine Kapazitätsgrenze erreicht und verhängte einen Einlass-Stopp. Was folgte, waren Tumulte. Von „Anarchie“, sprachen Augenzeugen. Bürgermeister Thomas Haas erklärt via Facebook: „Traurige Gewissheit ist, dass sich einige Menschen einfach nicht mehr an Regeln halten wollen. Das hat erschreckenderweise zu chaotischen Szenen in unserem Freibad geführt, die wir keinesfalls dulden können.“

Nach dem Freibad-Eklat im Juni ergriff Satteldorf um Bürgermeister Thomas Haas Sicherheitsmaßnahmen – unter anderem mit Stacheldrahtzaun.

Kiosk-Mitarbeiter verstecken sich: Situation im Freibad eskaliert

Die wütende Menschenmenge verschaffte sich gewaltsam Zutritt zum Kiosk und zur Küche – offenbar nur, weil die Pommes nicht schnell genug fertig wurden! „Die wollten ihre Pommes dann selbst machen, weil es nicht schnell genug ging“, berichtet die schockierte Betreiberin. Auch um ihre 17-jährige Tochter, die eigentlich nur zum Baden da war und spontan helfen wollte, machte sie sich große Sorgen. Bürgermeister Haas riet ihr, den Kiosk zu schließen. „Wir haben uns dann eingeschlossen, damit uns nichts passiert“, erinnert sich Knüpfer-Knab – bei gefühlten 60 Grad Hitze im Kiosk. „Ich war sehr dankbar, dass ich einen männlichen Mitarbeiter hatte, der hinter mir stand“, gesteht sie im Interview.

Haas: „Einige Personen vor dem Freibad hätten sich von der Schließung nicht beeindrucken lassen und suchten sich Wege, um auf das Gelände vorzudringen. Darüber hinaus wurde das eingesetzte Personal der Gemeinde und sogar des Kiosks beschimpft und bedroht.“ Zudem parkten einige ihr Auto so, dass Rettungswege versperrt wurden.  

Freibad-Schließung steht im Raum – Gemeinde ergreift Sicherheitsmaßnahmen

Haas selbst machte in mehreren Socia-Media-Posts auf die Problematik aufmerksam. Er sieht sich zum Handeln gezwungen. „Ich bin ganz ehrlich: Sollten unsere Maßnahmen nicht erfolgreich sein, steht im schlimmsten Fall sogar eine Schließung des Freibads im Raum.“

Die Gemeinde zog bereits Konsequenzen: Der Zaun rund um das Freibad wurde mit Stacheldraht versehen, um unerlaubtes Eindringen zu verhindern. Nun gibt es an den Wochenenden einen Sicherheitsdienst der Gemeinde – Kosten: satte 1.000 Euro pro Woche. Für die kleine Gemeinde mit nur 5.500 Einwohnern eine enorme finanzielle Belastung.

Nach dem letzten Juni-Wochenende dann aber Aufatmen: „Gute Nachrichten aus unserem Freibad: Unsere Maßnahmen zeigen zum Glück Wirkung. Die Lage hat sich vergangenes Wochenende im Vergleich zur Vorwoche spürbar entspannt. Am Sonntagnachmittag habe ich mich davon selbst im Bad überzeugt.“ Und auch das erste Juli-Wochenende verlief komplikationsfrei, wie die Stadt unserer Redaktion mitteilte. Dabei sollte es nun besser bleiben, denn eine Schließung steht weiter im Raum, sollte es nicht mehr verantwortbar sein. (mke)

Rubriklistenbild: © Facebook Thomas Haas

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare