Weniger Gäste
„Früher war definitiv mehr los“ – Freibadkultur befindet sich im Wandel
Trotz sinkender Besucherzahlen halten Stammgäste dem Südbad die Treue. Frühschwimmer und bekannte Gesichter prägen derzeit das Bild. Doch die Hochsaison steht noch bevor.
Hamm – Einer der heißesten Tage seit Saisonstart des Südbads Anfang Mai war der vergangene Samstag, 31. Mai. Das Thermometer kletterte auf sommerliche 26 Grad und auch das Wasser im Freibad hatte mit ebenfalls 26 Grad die perfekte Badetemperatur. Doch obwohl das Wetter stimmte, blieb der große Andrang aus, rund 300 Besucher zählte das Freibad um etwa 15 Uhr – ein Bild, das sich laut Mitarbeitern des Südbads seit einigen Jahren zunehmend häufiger zeigt und die Frage aufwirft, ob sich die Freibadkultur in Hamm im Wandel befindet.
„Früher war definitiv mehr los“ – Freibadkultur befindet sich im Wandel
Ferhat und Merve Namli betreiben seit nun acht Jahren den Kiosk im Südbad – ein Familienunternehmen mit Imbiss, Getränken, Süßem und Badezubehör, also allem, was zu einem richtigen Freibadbesuch dazu gehört. Ferhat Namli erinnert sich: „Vor acht Jahren war definitiv viel mehr los.“ Obwohl die Eintrittspreise im Südbad seit 2011 nicht erhöht wurden – 3,50 Euro kostet das Tagesticket für Erwachsene und 1,80 Euro zahlen Schüler und Jugendliche – und sich auch die Preise im Freibad-Kiosk nicht großartig verändert hätten, kämen deutlich weniger Badegäste und kaufen auch weniger im Kiosk. „Die Leute passen mehr darauf auf, was sie ausgeben“, meint Ferhat Namli.
Hilfsschwimmmeister Rainer Diehl bestätigt den Eindruck, dass insgesamt weniger Besucher den Weg ins Freibad finden als noch vor ein paar Jahren. „Wir verstehen auch nicht, warum die Leute nicht kommen“, sagt er. Wenn Spitzentemperaturen erreicht werden, werde es dann aber auch mal voller, sodass mehr Personal eingesetzt werden müsse, betont er.
Trotzdem gibt es sie noch, die treuen Badegäste. „Stammkunden haben wir zum Glück viele“, stellt Ferhat Namli fest. Für die Frühschwimmer beispielsweise, die meisten von ihnen im Rentenalter, gehört der Kaffee am Kiosk genauso dazu wie das tägliche Bahnenziehen. Sie sind häufig schon kurz nach der Öffnung um 6 Uhr oder an Wochenenden um 8 Uhr morgens da. Und noch etwas habe sich in den vergangenen Jahren nicht geändert: Besonders beliebt seien nach wie vor die klassische Manta-Platte, also Currywurst mit Pommes rot-weiß, sowie der Flutschfinger.
Freibad Süd: Viele Gäste kommen regelmäßig
Viele der regelmäßigen Freibadgänger kennt Ferhat Namli schon seit Jahren. Für den Kioskbesitzer ist das Südbad längst mehr als nur ein Arbeitsplatz. „In den acht Jahren habe ich viele Kinder aufwachsen und Familien sich vergrößern sehen, das ist sehr schön. Gleichzeitig habe ich aber auch einige Kunden altersbedingt verloren“, sagt er.
Auch Stammgast Till Hoheneder blickt auf viele Jahre Freibad zurück. „Ich bin im Freibad groß geworden“, erzählt der gebürtige Hammer Musiker, Comedian und Autor. Und auch heute noch sind die Freibadbesuche für ihn ein fester Bestandteil seiner Freizeitgestaltung. „Früher bin ich auch immer mit meinen Kindern ins Südbad gegangen. Die haben hier das Schwimmen gelernt.“
Weniger Andrang an Brücken- und Feiertagen
Einen Grund, seltener ins Freibad zu gehen, sieht Hoheneder nicht. „Ich finde, Freibäder sollten mehr genutzt werden. Es gibt kaum etwas, bei dem man für so wenig Geld so viel zurückbekommt. Schwimmen gehen kann man sich immer noch leisten“, sagt er. Neben dem Schwimmen für die Gesundheit und dem Ballspielen oder dem Rutschen für das Vergnügen steht für ihn vor allem eines beim Freibadbesuch ganz klar im Vordergrund: das Miteinander. „In Badehose sind wir alle gleich. Wer wissen möchte, was in der Gesellschaft los ist, sollte ins Freibad gehen und mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt Till Hoheneder.
Dass sich am Samstag, zwei Tage nach Christi Himmelfahrt, der Besucherstrom in Grenzen hielt, ließe sich nach Ferhat Namli wohl auch darauf zurückführen, dass viele über ein verlängertes Wochenende weggefahren sein könnten. An Brücken- und Feiertagen kommen meist weniger Gäste, sagt der Kioskinhaber.
Freibäder: Hochsaison steht noch bevor
Auch das für den späten Nachmittag angekündigte Gewitter könnte einige vom Besuch abgehalten haben. Außerdem könnten alternative Freizeitgestaltungsmöglichkeiten einen Grund dafür darstellen, dass es weniger Personen ins Freibad zieht. „In Hamm ist immer was los“, sagt Namli und meint damit die vielseitigen kulturellen Angebote der Stadt.
Die eigentliche Hochsaison der Freibäder mit den heißen Sommermonaten steht natürlich noch bevor und wie immer werden die Besucherzahlen stark wetterabhängig sein. Wie sich die diesjährige Freibadsaison weiterhin entwickeln wird, bleibt somit abzuwarten.
