Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Polarwalze an Weihnachten: Zwei Wetter-Modelle rechnen mit Schnee, Dauerfrost und kältestem Fest seit 2010
Kurz vor Weihnachten kippt das Wetter. Modelle sehen arktische Kaltluft und Schnee. Weiße Weihnachten werden realistisch. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Noch vor wenigen Tagen dominierten eher gemäßigte Prognosen, doch nun vollzieht sich eine bemerkenswerte Wetterwende. Zwei der wichtigsten Wettermodelle, ECMWF und ICON, rechnen übereinstimmend mit einer massiven Umstellung der Großwetterlage genau zu den Weihnachtstagen. Eine kräftige Hochdruckbrücke Richtung Skandinavien blockiert milde Atlantikluft, während aus Nordosten eisige Kontinentalluft nach Deutschland strömt.
Diese sogenannte Polar- oder Eiswalze sorgt für verbreiteten Dauerfrost, selbst tagsüber bleiben die Temperaturen in vielen Regionen unter null. In klaren Nächten drohen in Kaltluftsenken zweistellige Minusgrade, lokal bis nahe minus fünfzehn Grad. Sollte sich dieses Szenario bestätigen, stünde das kälteste Weihnachten seit dem legendären Dezember 2010 bevor.
Schnee, Eis und Chancen auf weiße Weihnachten
Mit der Kälte wächst auch die Hoffnung auf weiße Weihnachten. Besonders im Norden und Nordosten simulieren die Modelle schauerartige Schneefälle, teils ausgelöst durch kalte Luftmassen über vergleichsweise warmem Wasser. In der Mitte Deutschlands tauchen wiederholt Signale für flächigere Schneefälle auf, teils bis in tiefe Lagen.
Auch im Süden sind zumindest Schneeschauer möglich, abhängig von kleinräumigen Tiefentwicklungen. Die Schneemengen bleiben unsicher, doch selbst wenige Zentimeter würden vielerorts für ein winterliches Fest reichen. Glätte, gefrierender Nebel und Raureif könnten zusätzlich das Landschaftsbild prägen und den Verkehr beeinträchtigen.
Warum diese Wetterlage so außergewöhnlich ist
Die aktuelle Prognose fasziniert vor allem durch ihre Seltenheit. Weiße Weihnachten sind in Deutschland statistisch eher die Ausnahme, flächiger Dauerfrost um die Feiertage noch seltener. Der Schlüssel liegt in der blockierenden Wetterlage, die sich ungewöhnlich stabil zeigt. Während das US-Modell GFS die Kälte zeitweise abschwächt oder verzögert, halten europäische Modelle konsequent an der winterlichen Lösung fest.
Kleine Verschiebungen im Jetstream entscheiden nun über Schnee oder Trockenfrost. Genau diese Unsicherheit treibt die Spannung nach oben. Klar ist bereits jetzt: Das Wetter zu Weihnachten steht vor einer der markantesten Entscheidungen der letzten Jahre, mit echtem Potenzial für Schnee, Eis und ein historisch kaltes Fest.
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