Scherbenhaufen
Nach Ampel-Aus: Rentenbeiträge steigen schneller als erwartet
Experten prognostizieren eine vorzeitige Anhebung der Rentenbeiträge. Die Auswirkungen auf Gehälter und Löhne könnten erheblich sein. Schuld ist das Ampel-Aus.
Die Rentenversicherung hat wiederholt die Sparmaßnahmen der Ampel-Koalition bemängelt und vor einer Erhöhung der Rentenbeiträge gewarnt. Fachleute haben ebenfalls betont, dass die finanzielle Situation der Rentenkasse prekär ist und durch geplante Reformen wie das Rentenpaket II noch verschlechtert werden könnte. Nun bestätigen sich diese Warnungen: Der Rentenversicherungsbericht fordert eine vorzeitige Erhöhung der Beiträge.
Die Auswirkungen einer schneller als erwarteten Erhöhung der Rentenbeiträge auf die Beitragszahler
Die Vorhersage stammt von einem Expertenkreis, der sich aus Spezialisten der Rentenversicherung, des Bundesamts für Soziale Sicherung und des Bundesarbeitsministeriums zusammensetzt. In ihrem Bericht geben sie auch eine Prognose für die Rentenanpassung 2025 ab. Rentner können demnach im kommenden Jahr mit mehr Geld rechnen.
Die Schätzung beinhaltet auch die finanzielle Situation der Rentenkasse in den nächsten Jahren: Die schwache Konjunktur und die demografische Entwicklung wirken sich mittelfristig aus, sodass der Beitragssatz voraussichtlich im Jahr 2027 von 18,6 auf 18,9 Prozent steigt - und nicht erst 2028 auf 18,7 Prozent. Die Entwicklung der Beitragseinnahmen bleibt deutlich hinter den Annahmen des Sommers zurück, so die offiziellen Schätzer.
Wir haben hier berechnet, wie sich das auf die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer auswirkt:
| Bruttolohn | Rentenbeitrag bei 18,6% | ... bei 18,9 % | ... bei 22,3 % |
|---|---|---|---|
| 2000 Euro | 186,00 Euro/Monat | 189,00 Euro/Monat | 223 Euro/Monat |
| 3000 Euro | 279,00 Euro/Monat | 283,50 Euro/Monat | 334,50 Euro/Monat |
| 3500 Euro | 325,50 Euro/Monat | 330,75 Euro/Monat | 390,25 Euro/Monat |
| 4000 Euro | 372,00 Euro/Monat | 378,00 Euro/Monat | 446 Euro/Monat |
| 4500 Euro | 418,50 Euro/Monat | 425,25 Euro/Monat | 501,75 Euro/Monat |
| 4800 Euro | 446,40 Euro/Monat | 453,60 Euro/Monat | 535,20 Euro/Monat |
| 5000 Euro | 465,00 Euro/Monat | 472,50 Euro/Monat | 557,50 Euro/Monat |
Arbeitnehmer zahlen diesen Betrag, und der jeweilige Arbeitgeber zahlt den gleichen Betrag. Selbständige müssen die Rentenbeiträge vollständig selbst tragen und müssen daher die hier angegebenen Beiträge verdoppeln.
Die Ampel hat bei der Rente gespart - daher steigen bald die Rentenbeiträge
Die Sparbeschlüsse der abgelaufenen Koalition bei den Steuerzuschüssen wirken sich ebenfalls negativ auf die Entwicklung der Beiträge aus. Auch die rentenpolitischen Maßnahmen der Wachstumsinitiative, wie die Arbeitgeberzahlung an Rentner statt Beiträge, würden zunächst Kosten verursachen, so der Rentenversicherungsbericht.
Die Schätzer haben jedoch auch das Rentenpaket II von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Ex-Finanzminister Christian Lindner (FDP) berücksichtigt und festgestellt: Langfristig würden diese Effekte nicht so stark ins Gewicht fallen.
22 Millionen Rentner in Deutschland: Neuwahlen mit Schwerpunkt auf der Rente
Etwa ein Drittel der Wahlberechtigten in Deutschland hat bereits das Rentenalter erreicht, daher wird die Rente im bevorstehenden Bundestagswahlkampf wahrscheinlich wieder eine wichtige Rolle spielen. Die Ampel-Parteien hatten monatelang über das Rentenpaket gestritten. Das Maßnahmenpaket, das derzeit im Bundestag diskutiert wird, soll das Rentenniveau langfristig stabilisieren.
Unter Druck der FDP hatte die Koalition auch ein Generationenkapital vorgesehen, eine milliardenschwere Anlage auf dem Aktienmarkt. Mit deren Zinsen sollen zukünftige Beitragserhöhungen abgefedert werden. Ob das Reformpaket kommt, ist nach dem Austritt der FDP aus der Regierungskoalition unklar - mangels alleiniger Mehrheit von SPD und Grünen. Die Union hatte bereits eigene Rentenvorstellungen vorgelegt, die sich deutlich von denen von Heil unterscheiden.
Trotz des Aus der Ampel kündigte der SPD-Arbeitsminister an, das Rentenpaket, das er zusammen mit dem Ex-Finanzminister auf den Weg gebracht hatte, noch durch den Bundestag zu bringen. In einem ZDF-„Spezial“ sagte Heil, er werde dafür sorgen, dass die Reform fortgesetzt werde. Er hoffe, dass noch in diesem Jahr Entscheidungen getroffen würden, die Deutschland benötige und die Anfang nächsten Jahres in Kraft treten sollten. Heil sagte, er werde sich intensiv um Mehrheiten für das Rentenpaket bemühen. „Um die werden wir auch kämpfen“, kündigte der SPD-Politiker an. (mit Material der dpa)
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