Renteneintritt

Rente mit 67: Ist die Erhöhung des Rentenalters unverhältnismäßig?

Eine neue Studie sorgt für Aufsehen: Das Rentenalter steigt schneller als die Lebenserwartung. Die Auswirkungen können schwerwiegend sein.

Berlin - Es besteht weitgehend Konsens in Politik und Wirtschaft: Arbeitnehmer sollten länger im Berufsleben bleiben, um das Rentensystem nicht zu überlasten und die Beiträge zur Rentenversicherung nicht drastisch erhöhen zu müssen. Dieser Konsens beruht auf der steigenden Lebenserwartung: Da die Menschen immer älter werden, beziehen sie länger ihre Renten, während immer weniger Erwerbstätige die Beiträge leisten. Doch die Datenexpertin Dagmar Pattloch stellt diese Annahme nun in Frage.

Rente mit 67: Ist die Erhöhung des Rentenalters unverhältnismäßig?

Nach Pattlochs neuesten Berechnungen ist die Lebenserwartung nicht so stark gestiegen wie das Renteneintrittsalter. Dies würde bedeuten, dass die Anhebung auf 67 Jahre bisher unverhältnismäßig hoch war. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Studie der Datenexpertin beim Forschungsdatenzentrum der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die zuerst vom Portal Ihre Vorsorge veröffentlicht wurde.

Pattloch zufolge lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter 2022 bei 64,9 Jahren. Die voraussichtliche Rentendauer betrug 16,6 Jahre für Männer und 20,2 Jahre für Frauen. Zwischen 2012 und 2022 zeigte sich laut ihren Berechnungen ein „merklicher Aufschub des Beginns der Altersrente“ um ein Jahr bei Männern und 1,4 Jahre bei Frauen. Pattloch verwendete die sogenannte Sullivan-Methode, um die Lebenserwartung von 60-Jährigen in die Phase vor und nach dem Rentenbeginn aufzuteilen.

Arbeit statt wohl verdientem Ruhestand: Menschen sollen länger arbeiten und später in Rente, weil die Lebenserwartung steigt. (Symbolfoto)

Studienergebnis: Rentendauer hat sich verkürzt

Laut der Studie hat sich die durchschnittliche Rentendauer seit der Einführung der Rente mit 67 und der schrittweisen Annäherung an diesen Wert nicht verlängert, sondern verkürzt: bei Frauen um 1,3 Jahre, bei Männern um 0,8 Jahre. Pattloch bestätigte, dass die Anhebung des Regelaltersgrenze „tatsächlich die beabsichtigte Wirkung, die Inanspruchnahme von Rente zu reduzieren“, hatte.

„Das Problem ist, dass diese Wirkung bisher weitgehend unbemerkt blieb“, so Pattloch. Tatsächlich gibt es immer wieder Forderungen nach einer weiteren Anhebung des Rentenbeginns. „Wir kommen langfristig nicht drumherum, das gesetzliche Rentenalter an die fernere Lebenserwartung zu koppeln und ab 2031 langsam über 67 Jahre hinaus weiter anzuheben“, äußerte beispielsweise die Wirtschaftsweise Veronika Grimm im Juli. Die Abgabenlast sei nicht mehr tragbar.

Deutsche Rentenversicherung geht von immer längerer Rentendauer aus

Die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, die Pattlochs Berechnungen widersprechen, zeigen hingegen einen Trend zu einer immer längeren Rentenbezugsdauer. Laut dem Portal Ihre Vorsorge ist die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von Frauen und Männern zwischen 1993 und 2023 von 15,6 auf 20,5 Jahre gestiegen. Auch die fernere Lebenserwartung ab 65 Jahren ist demnach in den letzten 25 Jahren durchschnittlich um 2,5 Jahre bei Frauen (auf 21 Jahre) und um fast drei Jahre bei Männern (auf 17,5 Jahre) gestiegen.

Vielen Menschen in Deutschland stellen sich diese Frage: Wann kann ich in Rente gehen? Der Jahrgang 1960 hat Glück. Er kann schon eher in den Ruhestand.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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