Für 2025

„Das ist auch richtig so“: Nullrunde beim Bürgergeld – Fronten sind verhärtet

Die geplante Nullrunde beim Bürgergeld für 2025 sorgt für heftige Debatten. Während SPD und Grüne Kürzungen ablehnen, fordern FDP und Union sogar eine Abschaffung.

Berlin - Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat für das Jahr 2025 eine Nullrunde beim Bürgergeld angekündigt. Das bedeutet, dass die Höhe des Bürgergelds im kommenden Jahr unverändert bleibt. Die Entscheidung basiert auf dem geltenden Anpassungsmechanismus, der die Bürgergeldsätze an die Inflation koppelt. Da die Inflationsrate im August 2023 auf 1,9 Prozent gesunken ist, sieht der Rechtsmechanismus keine Erhöhung vor. „Das ist auch richtig so“, sagte Heil in einem Interview mit RTL und ntv.

„Das ist auch richtig so“: Nullrunde beim Bürgergeld – Fronten sind verhärtet

Die Nullrunde hat die politischen Fronten erneut verhärtet. SPD und Grüne lehnen eine Kürzung des Bürgergelds entschieden ab. „Der Regelsatz ist kein politischer Spielball, sondern legt fest, welche Grundbedürfnisse allen Menschen zustehen sollten“, erklärte Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Auch Grünen-Sozialpolitikerin Stephanie Aeffner verteidigte die Berechnungsmethode des Bürgergelds und verwies auf Urteile des Bundesverfassungsgerichts: „Das Existenzminimum darf nicht systematisch unterschritten werden.“

Im Gegensatz dazu fordern FDP und Union nicht nur eine Nullrunde, sondern auch Kürzungen oder gar die Abschaffung des Bürgergelds. „Wer arbeiten geht, muss stets deutlich mehr in der Tasche haben, als jemand, der vom Geld der Steuerzahler lebt“, betonte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sprach sich für größere Leistungskürzungen aus, insbesondere bei Arbeitsverweigerung.

Die Gründe für die Nullrunde beim Bürgergeld

Die Nullrunde für 2025 ergibt sich aus dem im Jahr 2022 beschlossenen Rechtsmechanismus, der die Bürgergeldsätze an die Inflation koppelt. Da die Inflation im Jahr 2023 deutlich gesunken ist, bleibt der Regelsatz für 2025 unverändert. „Es gibt eine Verfassung und einen Anpassungsmechanismus, den der Deutsche Bundestag beschlossen hat“, erklärte Arbeitsminister Heil. Der Mechanismus sieht vor, dass die Inflation der Vorjahre und des jüngsten Quartals in die neuen Regelsätze einberechnet wird. Dieser Mechanismus soll Willkür verhindern und das Existenzminimum sichern.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verteidigt die Nullrunde beim Bürgergeld.

Die Nullrunde hat weitreichende soziale und wirtschaftliche Implikationen für die über fünf Millionen Empfängerinnen und Empfänger des Bürgergelds. Viele von ihnen sind Kinder oder Kranke, die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Zudem benötigen 20 Prozent der Empfänger trotz Arbeit aufstockende Leistungen. Die Nullrunde könnte die Lebenshaltungskosten und die gesellschaftliche Teilhabe dieser Menschen weiter erschweren. Laut Berechnungen des Vergleichsportals Verivox bleibt beispielsweise der Anteil für Strom zu gering, was zu einem Fehlbetrag von 74 Euro pro Jahr für einen Alleinlebenden führt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert die geplante Nullrunde scharf. „Solange Mieten häufig kaum bezahlbar sind und der Mindestlohn nur um wenige Cent erhöht wird, braucht es ein Bürgergeld, das wirklich das Existenzminimum sichert“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

Argumente für und gegen das Bürgergeld

Befürworter des Bürgergelds, wie SPD und Grüne, argumentieren, dass das Existenzminimum nicht unterschritten werden dürfe und dass die Regelsätze schneller auf Lohn- und Preisentwicklungen reagieren sollten. „Unser Ziel war und ist es, dass die Regelsätze schneller auf Lohn- und Preisentwicklungen reagieren können“, so Dagmar Schmidt.

Gegner wie FDP und Union sehen das Bürgergeld hingegen als zu hohe Belastung für die Steuerzahler und fordern Kürzungen oder eine Abschaffung. „Wenn die Inflation geringer als erwartet ausfällt, muss das auch abgebildet werden“, erklärte FDP-Politiker Pascal Kober bei IPPEN.MEDIA. Die Union kritisiert zudem, dass das Bürgergeld Arbeitsanreize mindere und fordert strengere Sanktionen bei Arbeitsverweigerung.

Die Zukunft des Bürgergelds bleibt ungewiss. Die CDU plant im Fall eines Wahlsiegs, die Bürgergeld-Regeln deutlich zu verschärfen. Auch die FDP will weitere Arbeitsanreize und konsequentere Sanktionen bei Arbeitsverweigerung einführen. Experten wie Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schlagen vor, die aktuelle Inflation proportional und zeitnah in die Bürgergeldberechnung einfließen zu lassen, um das Hin und Her zwischen starker Erhöhung und mageren Jahren zu vermeiden. „Proportional und zeitnah würde dazu führen, dass solche Diskussionen über den Regelsatz erst gar nicht mehr entstehen“, so Weber.

2024 wurde das Bürgergeld noch erhöht, um den Lebensunterhalt der Empfänger zu sichern. Eine Tabelle zeigt die gestiegenen Sätze für das Bürgergeld und die Sozialhilfe.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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