Wettbewerb in Europa

Autoindustrie: „Der Preiskampf wird auch nach Deutschland kommen“

China-Hersteller setzen auf rasante Entwicklung und bezahlbare Preise. Kann die deutsche Autoindustrie mithalten, oder verliert sie den Anschluss? Das sagen Experten.

St.Gallen/München – Die Expansion chinesischer Hersteller nach Europa sorgt für Bewegung auf dem Automarkt. Immer mehr Elektroautos aus China tauchen auch auf deutschen Straßen auf.

Doch was heißt das für Verbraucher – und welche Folgen hat das für die Autoindustrie und etablierte Autobauer wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz? Experten vom Institut für Mobilität der Universität St. Gallen geben spannende Einblicke.

China-Hersteller in Europa: Marketing und Vertrieb als große Hürden

China-Hersteller wie BYD, Nio oder MG Motors setzen verstärkt auf Europa und auch Deutschland. Ihr Ziel: Marktanteile sichern. Doch Prof. Dr. Andreas Herrmann warnt: „Viele chinesische Anbieter expandieren, unterschätzen dabei aber die Herausforderungen beim Aufbau von Markenbekanntheit und Vertriebsstrukturen.“

In der Volksrepublik konkurrieren weit über 100 Automarken miteinander, ihm zufolge würden langfristig lediglich fünf bis zwanzig überleben. Hersteller mit eigener Batteriefertigung, wie der Branchenriese BYD, seien hierbei klar im Vorteil.

Deutsche Autoindustrie gerät durch China unter Druck

„In China herrscht ein harter Preiskampf“, betont Herrmann – und dieser Druck werde zunehmend auch nach Deutschland verlagert. Für Konsumenten könnte das positive Folgen haben:

BYD auf der IAA: Der chinesische Autogigant wächst langsam aber sich auch auf dem europäischen Automarkt.

Mehr Wettbewerb bedeute niedrigere Preise und bessere Angebote, von denen hiesige Verbraucher profitieren. „Deutsche Autobauer werden nicht verschwinden, aber ihr Marktanteil wird sinken, wenn sie sich nicht anpassen“, ergänzt der Professor. Klingt, als könne die stolze Preispolitik der deutschen Premiumhersteller bröckeln.

Hersteller aus Deutschland im China-Wandel: Innovation als Schlüssel

Auch der Zuwachs chinesischer Produktionsstätten in Europa spielt Herstellern aus der Volksrepublik in die Karten. Die deutsche Autoindustrie steht derweil vor einer Bewährungsprobe. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz setzen zwar auf Qualität, doch der Innovationsdruck ist gestiegen.

„Wer künftig erfolgreich sein will, muss mit ‚China Speed‘ mithalten – also schnelle, radikale Innovationszyklen – und Software als zentrales Merkmal des Fahrzeugs begreifen“, betont Herrmann. Das bedeutet: Schneller und mutiger entwickeln, öfter erneuern um aktuell zu bleiben. Dabei suchen Hersteller wie BYD längst nicht nur mit Stromern Erfolg in Europa, sondern auch mit Verbrennermodellen wie einem neuen Hybridkombi.

Experte: „Bei deutschen Herstellern sind die Preise noch zu hoch“

Herrmanns Forschungskollege Marvin Greifenstein ergänzt: „Seit über einem Jahr beobachten wir einen zunehmenden Preisdruck aus China.“ Dabei scheint es ihm zufolge nicht unbedingt an Innovation zu mangeln: Deutsche Hersteller bringen laut Greifenstein mehr Elektroautos mit höherer Reichweite und kürzeren Ladezeiten auf den Markt.

Audi auf der jüngsten IAA: Die deutsche Autobranche befindet sich im Wandel – das liegt auch an der erstarkten China-Konkurrenz.

Dabei verweist der Experte auf einen elektrischen Mercedes-AMG GT XX, der (dank 850 kW Ladeleistung, Anm. d. Red.,) einen Ladegeschwindigkeitsrekord der China-Marke Xpeng überbot. Doch es gäbe ein Problem: „Deutsche Hersteller bieten weiterhin qualitativ hochwertige Fahrzeuge, allerdings sind die Preise noch zu hoch.“

Preise für Elektroautos sinken aufgrund günstigerer Batterien

Für Verbraucher wird der Wandel spürbar, sind die Wissenschaftler überzeugt. Mehr Auswahl, sinkende Preise und neue Technologien machen E-Mobilität attraktiver. Greifenstein: „In den kommenden Jahren werden die Preise für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) durch günstigere Batteriepacks weiter fallen. Grund dafür sind neue Zellchemien, die weniger seltene Rohstoffe benötigen.“

Zudem steht ein weiterer Meilenstein bevor: Ab etwa 2028 bis 2030 könnten Festkörperbatterien auf den Markt kommen. „Diese würden die Reichweite um zehn bis 30 Prozent steigern, schnelleres Laden ermöglichen und durch den festen Elektrolyten deutlich sicherer sein, ohne das Risiko eines thermischen Durchgehens“, erklärt Greifenstein.

Fazit: Deutschland, China und die Zukunft der Autoindustrie

Die Expansion der China-Hersteller verändert die Spielregeln auf dem europäischen Automarkt. Für deutsche Hersteller bedeutet das: Anpassung ist Pflicht, Innovation der Schlüssel zum Erfolg. Für Konsumenten eröffnen sich neue Chancen – von günstigeren Preisen bis zu mehr Auswahl bei Elektroautos.

Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen
Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Nach Ansicht der Experten vom Institut für Mobilität der Universität St. Gallen werden auch deutsche Autobauer ihre Preispolitik anpassen, um gegenüber der Konkurrenz aus Fernost wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei VW gibt es bereits eine bemerkenswerte Entwicklung. Eines ist sicher: Die E-Mobilität wird in den kommenden Jahren noch spannender. (PF)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare