Experte warnt

Erdbeben-Cluster „wächst wie ein Tumor“ – weitere Provinzen in der Türkei bedroht

Ein Experte schlägt nach den schweren Erdbeben in der Türkei Alarm. Die Gefahr breitet sich demnach dramatisch aus und bedroht weitere Provinzen.

Istanbul – Ein Erdbeben der Stärke 6,1 hat am Sonntagabend (10. August) die westtürkische Provinz Balıkesir erschüttert und eine Serie von Nachbeben ausgelöst. Die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad verzeichnete bis zum Morgen danach insgesamt 237 Nachbeben, wobei zehn davon eine Stärke (auch Magnitude genannt) von mindestens 4,0 erreichten. Das Epizentrum lag im Bezirk Sindirgi, wo verängstigte Bewohner die Nacht im Freien oder in ihren Fahrzeugen verbrachten.

Zu einem relativ starken Erdbeben und hunderten Nachbeben kam es seit Sonntagabend in der Türkei. EIn Experte warnt nun vor weiteren.

Die Erschütterungen waren selbst in den Millionenstädten Istanbul und İzmir spürbar, die über 200 Kilometer entfernt liegen. Das Beben forderte ein Todesopfer und verletzte 29 Menschen, von denen vier weiterhin stationär behandelt werden. Innenminister Ali Yerlikaya berichtete vom Einsturz von 16 Gebäuden, während die Rettungsarbeiten mittlerweile beendet sind.

Türkei in Sorge: Geologe warnt vor „tumorartig wachsendem“ Erdbebencluster

Angesichts der anhaltenden seismischen Aktivität schlägt der türkische Geologieexperte Prof. Dr. Osman Bektaş Alarm. Er warnt, dass das Sindirgi-Erdbeben Teil eines „wie ein Tumor wachsenden“ Erdbebenclusters sei und keineswegs das letzte in der Serie bleiben werde.

Bektaş macht eine geologische Struktur namens „Uşak-Block“ für die Häufung der Beben verantwortlich. Dieser Block, der im Norden von der Simav-Verwerfung und im Süden von der Gediz-Verwerfung begrenzt wird, habe zwischen 1969 und 2025 bereits sechs große Erdbeben der Stärke 6 bis 7 produziert. Diese entstünden durch „Stresstransfer“ zwischen den Verwerfungen, die sich gegenseitig auslösen.

Erdbeben-Cluster könnte sich auf weitere Regionen ausbreiten

Besonders beunruhigend: Der Experte prognostiziert eine weitere Ausbreitung der seismischen Gefahr auf benachbarte Provinzen. „Der Erdbebencluster wird sich im Westen in Richtung Manisa-İzmir, im Süden in Richtung Aydın-Muğla und im Osten in Richtung Isparta und Afyon ausweiten“, warnt Bektaş gegenüber der türkischen Nachrichten-Webseite En Son Haber.

Die aktuellen Warnungen erinnern an die katastrophalen Ereignisse vom 6. Februar 2023, als zwei verheerende Erdbeben der Stärken 7,7 und 7,6 die südosttürkische Region um Hatay verwüsteten. Die Bilanz war katstrophal: Über 53.000 Todesopfer allein in der Türkei, dazu Tausende weitere Opfer im benachbarten Syrien.

Trümmer liegen nach dem Einsturz eines Gebäudes in der türkischen Stadt Sindirgi aufeinander. Ein Erdbeben der Stärke 6,1 hatte das Land erschüttert.

Prof. Dr. Bektaş‘ Prognose unterstreicht die dringende Notwendigkeit verstärkter Präventionsmaßnahmen in den identifizierten Risikogebieten, da sich die Erdbebengefahr offenbar über die bekannten Verwerfungslinien hinaus auf angrenzende Regionen ausweiten könnte. (va mit Matierial der dpa)

Rubriklistenbild: © Berkman Ulutin/DIA Photo via AP/dpa Screenshot udim.koeri.boun.edu.tr

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