81-jährige Frau tot

Erdbeben in der Türkei: Experte warnt vor Erdbebencluster – Erste Festnahmen gemeldet

Ein Beben der Stärke 6,1 erschütterte die Westtürkei. Auch in Istanbul und Izmir waren die Erschütterungen spürbar. Mehrere Nachbeben folgten.

Update vom 11. August, 15.22: Nach den Erdbeben in der westtürkischen Provinz Balikesir hat die türkische Justiz schnell reagiert. Der Besitzer sowie der Bauherr eines eingestürzten dreistöckigen Gebäudes wurden festgenommen, wie Justizminister Yimaz Tunc auf der Plattform X mitteilte. Den Verhafteten wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen, nachdem mindestens ein Mensch bei dem Unglück getötet wurde. Die geologische Situation der Türkei mit zahlreichen Verwerfungen macht das Land besonders anfällig für Erdbeben. Vor allem Istanbul gilt als stark gefährdet – dort erfüllen mehr als eine Million Gebäude nicht die Erdbebensicherheitsstandards.

Ein Erdbeben in der Türkei forderte am Sonntag ein Todesopfer, mehrere Menschen wurden verletzt, zahlreiche Gebäude stürzten ein.

Die Qualität der Bausubstanz steht seit langem in der Kritik. Landesweit wurden Tausende illegal errichtete Gebäude nachträglich durch Bauamnestien legalisiert. Diese Praxis geriet besonders nach den verheerenden Beben vom 6. Februar 2023 in der südosttürkischen Provinz Hatay in den Fokus. Bei den damaligen Erschütterungen der Stärke 7,7 und 7,6 kamen allein in der Türkei mehr als 53.000 Menschen ums Leben, wie die Regierung mitteilte. Auch im Nachbarland Syrien forderten die Beben Tausende Todesopfer.

Update vom 11. August, 12.44 Uhr: Keine Entwarnung in der Türkei: Nach dem schweren Erdbeben warnt der Geologieexperte Prof. Dr. Osman Bektaş vor weiteren Erschütterungen in weiten Teilen des Landes. Seiner Einschätzung nach, sei das Sindirgi-Erdbeben Teil eines „wie ein Tumor wachsenden“ Erdbebenclusters gewesen und bleibe keineswegs das letzte in der Serie.

Update vom 11. August, 9.05 Uhr: Von den 29 Verletzten befinden sich laut Innenminister Yerlikaya noch vier Menschen in Krankenhäusern. Die Zahl der Nachbeben in der westtürkischen Provinz Balikesir ist drastisch angestiegen. Die Katastrophenschutzbehörde Afad registrierte mittlerweile 237 Nachbeben, von denen zehn eine Stärke von mindestens 4,0 erreichten. Die Epizentren lagen demnach im Bezirk Sindirgi.

Aus Angst vor weiteren Erschütterungen verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien oder in ihren Autos, wie Medienberichte zeigen. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist nach dem schweren Beben vom Sonntagabend weiterhin groß.

Todesopfer nach Erdbeben in der Türkei - Dutzende Menschen wurden verletzt

Update vom 11. August, 6.45 Uhr: Wie bbc.com berichtet, ist das Todesopfer eine 81-jährige Frau. Nach Angaben von Innenminister Yerlikaya wurden die Such- und Rettungsarbeiten in den betroffenen Regionen zunächst eingestellt.

Update vom 11. August, 5.23 Uhr: Laut Innenminister Ali Yerlikaya sind 29 Menschen bei dem Erdbeben zu Schaden gekommen, berichtet milliyet.com.tr. Während 18 der Verletzten bereits das Krankenhaus verlassen konnten, befinden sich noch elf Personen in medizinischer Behandlung. Wie bbc.com meldet, sind von den 11 noch hospitalisierten Patienten lediglich drei unmittelbar durch das Beben selbst verletzt worden – die übrigen zogen sich ihre Verletzungen bei der Flucht zu.

Gazeteoksijen.com zufolge verzeichnet die Katastrophenschutzbehörde AFAD den kompletten Einsturz von 16 Gebäuden, die sich über 68 Stadtteile in der Region verteilen. Diese Bilanz übertrifft die ersten Schadensmeldungen erheblich. Insgesamt gingen bei den Behörden 24 Schadensmeldungen aus der betroffenen Region ein.

Die seismischen Aktivitäten hielten bis zum Morgen des 11. August an: Mehr als 100 Nachbeben wurden erfasst, wobei das intensivste eine Stärke von 4,6 erreichte. Während AFAD anfangs 20 Nachbeben dokumentierte – davon 15 im Bereich von 0 bis 3,0 und 5 zwischen 4,0 und 5,0 –, wurde diese Zahl später auf über 100 nach oben korrigiert.

Update vom 10. August, 22.53 Uhr: Das Erdbeben der Stärke 6,1 im Westen der Türkei hat ein Todesopfer gefordert. Nach Angaben von Innenminister Ali Yerlikaya wurden vier Menschen aus den Trümmern eines Hauses geborgen. Ein Mann erlag seinen Verletzungen. Drei Menschen werden im Krankenhaus behandelt.

Update vom 10. August, 21.26 Uhr: Durch das Erdbeben in der Türkei stürzten in Sindirgi rund ein Dutzend Gebäude ein – darunter auch ein dreistöckiges Haus im Stadtzentrum. „Sechs Menschen wohnten in diesem dreistöckigen Gebäude“, sagte Bürgermeister Serkan Sak dem Sender NTV. „Vier Menschen wurden aus den Trümmern gerettet.“ Jetzt sollen weitere Bewohner geborgen werden. Todesopfer gebe es nicht.

Erstmeldung: Istanbul – Die Westtürkei wurde am Sonntagabend (10. August) von einem Erdbeben der Stärke 6,1 erschüttert. Das Epizentrum lag im Bezirk Sindirgi der Provinz Balikesir. Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde Afad ereignete sich das Beben in einer Tiefe von elf Kilometern. Die Erschütterung war auch in den mehr als 200 Kilometer entfernten Millionenmetropolen Istanbul und Izmir zu spüren.

Menschen beseitigen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes nach einem Erdbeben in Sindirgi in der Westtürkei.

Nach Angaben von Innenminister Ali Yerlikaya wurden mindestens drei Menschen verletzt. Rettungskräfte würden zudem derzeit versuchen, zu zwei verschütteten Menschen Kontakt aufzunehmen. Beim Sender CNN Türk waren mehrere eingestürzte Gebäude zu sehen. Ein Mann wurde aus den Trümmern gezogen.

Erdbeben in der Türkei: Katastrophenschutz mit wichtigem Hinweis

Nach dem Hauptbeben gab es innerhalb einer Stunde bereits sechs Nachbeben. Eines davon mit einer Stärke von 4,6 auf der Richterskala. Laut der Nachrichtenagentur Anadolu warten die Katastrophenschutzbehörde für den Bezirk Sindirgi. Anwohner sollten unter keinen Umständen beschädigte Gebäude betreten. Um das Kommunikationsnetz nicht zu überlasten, gilt zudem: „Vermeiden Sie Telefonanrufe, außer in lebenswichtigen Situationen.“

Die Türkei gilt aufgrund zahlreicher geologischer Verwerfungen als besonders erdbebengefährdet. Vor allem die Millionenmetropole Istanbul ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Erst im April dieses Jahres hatte ein Beben der Stärke 6,2 die Stadt erschüttert.

Das aktuelle Erdbeben weckt Erinnerungen an die verheerenden Beben vom 6. Februar 2023 in der südosttürkischen Provinz Hatay. Damals lösten Erschütterungen der Stärke 7,7 und 7,6 eine Katastrophe aus, bei der nach Regierungsangaben mehr als 53.000 Menschen allein in der Türkei ums Leben kamen. Auch im Nachbarland Syrien forderten die Beben Tausende Todesopfer. (kas/dpa)

Rubriklistenbild: © AFP/ Screenshot udim.koeri.boun.edu.tr

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