„Die Leute haben wirklich genug“

Streit über ausschweifende Partyszenen: Kroatische Urlaubsziele müssen Lärmgrenze einhalten

Die Gastwirte in Kroatien möchten mehr Lärm für den Tourismus zulassen, aber die Städte bleiben standhaft. Verliert das Land damit seinen Charme?

Zagreb – Kroatien begeistert immer wieder zahlreiche Touristen aus Europa und der Welt. Das Land lädt nicht nur zum Tauchen und Sonnenbaden ein, sondern ist auch ein beliebtes Ziel für Partyliebhaber. Partyboote, Bars und Clubs bieten rund um die Uhr Programm. Doch genau diese Entwicklung sorgt erneut für Diskussionen: Viele Barbesitzer und Gastronomen in Kroatien wollen sich nicht länger an die gesetzlich festgelegten Lärmgrenzen halten. Die Städte halten dagegen.

Partyszene in Kroatien erreicht Limit: Clubbesitzer werden weiterhin streng auf Lärmbelästigung geprüft

In den Urlaubsorten Poreč und Hvar fanden in den vergangenen Wochen Stadtratssitzungen statt, in denen Anträge zur Aufhebung der Lärmschutzgrenze diskutiert wurden. In beiden Städten entschied man sich nun mit deutlicher Mehrheit gegen eine Erhöhung der Grenze, wie das Portal morski.hr am Samstag (22. März) berichtete. Mit dem Beschluss soll vor allem die lokale Bevölkerung vor abendlicher Lärmbelästigung geschützt werden, auch wenn es auf Kosten des Tourismus geht.

Der stellvertretende Bürgermeister von Split, der zweitgrößten Stadt Kroatiens nach Zagreb, lobte die Entscheidung der kleineren Ferienorte. In einem Facebook-Statement kritisierte er die Anträge zur Umgehung der Lärmgrenzen scharf: „Manchmal fällt es Einzelpersonen schwer zu akzeptieren, dass sie ihr Einkommen gesetzeskonform erwirtschaften müssen, und sie suchen daher nach Möglichkeiten, die Vorschriften zu ihrem Vorteil und zum Nachteil der Bürger zu umgehen.“

Der Ferienort Hvar in Kroatien hat vor allem in der Vergangenheit viele Party-Urlauber angezogen. (Archivfoto)

Ivošević hob hervor, dass solche Diskussionen in größeren kroatischen Städten wie Zagreb oder Split gar nicht erst aufkommen würden. Nur in kleineren Gemeinden würden Einzelpersonen versuchen, ihren Willen auf Kosten der Einheimischen durchzusetzen. „Zum Glück gibt es eine Kommunikation zwischen den Kommunen, und auch das Gesundheitsministerium stand nicht auf der Seite, sondern hat aktiv Anweisungen an die zuständigen Behörden gegeben“, fügte der stellvertretende Bürgermeister hinzu.

„Die Leute haben wirklich genug“: Kroatische Bevölkerung begrüßt Lärm-Verbote der Gemeinden

Laut einem Bericht der kroatischen Tageszeitung 24sata hatten viele Wirte und Gastronomen erst im Oktober gegen die strengen Regeln zur Lärmbelästigung demonstriert, insbesondere in Hvar. Sie argumentierten, dass die Gesetze den Status Kroatiens als lebendiges und attraktives Urlaubsziel für junge Menschen gefährde. Von bekannten Party-Hotspots wie Ibiza sei man weit entfernt. Sie warnten, dass der Tourismus durch die strengeren Gesetze massiv beeinträchtigt werden könnte.

Auslöser der angespannten Situation in Hvar war eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen zwei Gastronomen im vergangenen August, bei denen die beiden Besitzer über die Lautstärke der Musik in einem der Lokale stritten. Seitdem werden in dem Urlaubsort regelmäßig Dezibelmessungen durchgeführt, um die gesetzlichen Regelungen zur Lärmbelästigung strenger durchzusetzen. „Die Leute haben wirklich genug“, erklärte auch die kroatische Schriftstellerin und Künstlerin Tonka Alujević damals gegenüber dem Portal Dnevnik.hr.

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Immer mehr Urlaubsorte in Kroatien führen Maßnahmen gegen große Anstürme von Touristen ein. Eine kroatische Stadt verlangt inzwischen zum Beispiel 200 Euro für einen Parkplatz. (nz)

Rubriklistenbild: © Petar Glebov/PIXSELL/IMAGO

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