Ab der Wintersonnenwende

Rauhnächte 2024: Lange Nächte voller Wünsche und Rituale

Rauhnächte und Wintersonnenwende: Die dunklen und langen Nächte bis in den Januar hinein werden für unzählige Rituale genutzt.

Hamm - Mit der Wintersonnenwende und den Feiertagen kommen die Rauhnächte (auch Raunächte oder Rauchnächte). Ihre Termine und Rituale variieren je nach Region in Deutschland, gemeinsam haben sie aber ihren Ursprung. Die Bedeutung der Rauhnächte geht auf die Vorstellung der „Wilden Jagd“ zurück, einer Volkssage über ein Geisterheer. Die Rituale der Rauhnächte sollen die Unglücksboten abhalten.

Was passiert in den Rauhnächte? Bedeutung, Wünsche und Rituale

TraditionRauhnächte 2023/24
ZeitraumZwischen dem 21. Dezember bis zum 6. Januar
BedeutungZeit der Wilden Jagd

Zwischen zwölf und drei Rauhnächte gibt es je nach Tradition und Region. Beginn ist in manchen Fällen mit der Thomasnacht am 21. Dezember, die häufig mit der Wintersonnenwende zusammenfällt – 2023 jedoch nicht. Die Rauhnacht-Rituale anderer Regionen beginnen in der Nacht von Heiligabend auf den 1. Weihnachtstag. Mit ihnen verbunden sind Bauernregeln sowie Geistesaustreibungen. Von den Ritualen der Raunächte stammen Überbleibsel wie das Wahrsagen an Silvester – durch Wachs- oder Bleigießen.

Die vier zentralen Rauhnächte sind 2023/24 zu diesen Terminen:

  1. Thomasnacht oder meist Wintersonnenwende: 20./21. Dezember
  2. Heiliger Abend und Christnacht: 24./25. Dezember
  3. Silvester und Neujahr: 31. Dezember/1. Januar
  4. Nacht auf den Dreikönigstag: 5./6. Januar

Die Bedeutung der Rauhnächte: Sagen um die Wilde Jagd

Die Rauhnächte sind eng verbunden mit den christlichen Feiertagen um Weihnachten, ihr Ursprung ist aber nicht leicht festzulegen. Wie bei der Wintersonnenwende gibt es wenige schriftliche Zeugnisse von Ritualen rund um die Dunkelheit, Feuer und Geisteraustreibung für die Zeit ab der längsten Nacht des Jahres.

In Bayern gibt es eine spezielle Rauhnacht-Tradition am 5. Januar, wie Merkur.de berichtet: Beim Raunachtbettlern ziehen junge Menschen von Haus zu Haus und „erbetteln“ für einen Spruch Krapfen oder Geld.

Eng verbunden mit den Rauhnächten ist der Volksglaube an die Wilde Jagd. Das Geisterheer soll zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag (6. Januar) über den Himmel rasen. Auch die Zeit rund um Karneval und Karfreitag werden der Wilden Jagd zugeschrieben. Die Geister gelten als Unglücksboten und sollen möglichst nicht provoziert oder angelockt werden, so der Aberglaube.

Das Heer der Wilden Jagd soll laut den Sagen aus Menschen bestehen, die gewaltsam oder unglücklich „vor ihrer Zeit“ gestorben sind. Angeführt werden die Toten von einem Vorreiter, je nach Sage ist es Odin, der Hassjäger oder Schimmelreiter. Auch die Märchenfigur Frau Holle gehört manchmal zur Wilden Jagd, als Wintermaid oder Göttin.

Rituale der Rauhnächte: 13 Wünsche auf Zettel schreiben

Die Rauhnächte sind der Ursprung unseres „Zwischen den Jahren“ – einer eher stillen Zeit, in der wenig passiert. In den Rauhnächten soll man sich auf das vergangene Jahr rückbesinnen und wichtige Entscheidungen für das nächste Jahr treffen. 2023 muss in dieser Zeit gut abgeschlossen werden, Schulden sollten bezahlt und wichtige offene Fragen beantwortet werden. Die Traditionen bündeln den Abschlussgedanken, etwa durch Aufräumen, kleinen Vorhersagen oder Wunschformulierungen. Auch Meditation als Rückbesinnung wird empfohlen.

Ein beliebtes Ritual der Rauhnächte sind die 13 Wünsche. Eine Anleitung:

  • Schreiben Sie je einen Wunsch auf dreizehn Zettel.
  • Falten Sie die Zettel, sodass die Wunschzettel nicht mehr lesbar sind.
  • Beginnen Sie in der ersten Rauhnacht und verbrennen Sie jetzt zwölf Nächte lang einen Zettel.
  • Den letzten Zettel verbrennen Sie nicht, sondern lesen Sie ihn.
  • Arbeiten Sie daran, dass sich Ihr letzter Wunsch erfüllt.

Rituale der Rauhnächte: Räuchern gegen das Geisterheer der Wilden Jagd

Die Rauhnächte werden auch Rauchnächte genannt. Zur Geisteraustreibung gegen die Wilde Jagd wird dementsprechend mit verschiedenen Düften und Räucherwerk geräuchert. Der Rauch soll mit einer Räucherschale oder einem Räucherbündel in allen Zimmern verteilt werden.

Die Anleitung für das Ritual:

  • Gehen Sie nachts mit einer Räucherschale durch alle Räume.
  • Den Rauch in alle Ecken pusten oder mit einer Feder verteilen.
  • Auch das Haus kann umrundet werden.

Jede der zwölf Rauhnächte symbolisiert beim Räucher-Ritual einen Monat des neuen Jahres. Damit verbunden sind neben den Verbrennen von Gewürzen auch Aufgaben. Verbrannt werden typischerweise Weihrauch, Zedernholz, Wacholder, Myrrhe, Tanne, Kiefer und Zeder.

Rituale der Rauhnächte: Wahrsagen und Wäsche waschen

Orakeln oder Wahrsagen in den Rauhnächten klingt sehr nach Aberglauben, doch die Spuren dieses Rituals lassen sich in normalen Silvester-Traditionen finden: im Blei- oder Wachsgießen und den Jahreshoroskopen. Eine Form der Vorhersage (beziehungsweise selbsterfüllende Prophezeihung) sind auch die 13 Wünsche – sie dienen als Inspiration für das neue Jahr.

Zum Aberglauben für die Geisternächte zählt etwa das Verbot zwischen den Jahren und an Neujahr Wäsche zu waschen sowie aufzuhängen. Laut Volksglaube kann sich die Wilde Jagd darin verfangen. Die Wäsche gilt noch heute als Unglückssymbol. Verboten sind auch andere Dinge wie etwa Kartenspielen.

Bauernregel für die Rauhnächte: Landwirte sagen das Wetter voraus

„Ist der Dezember wild mit Regen, hat das nächste Jahr wenig Segen“ – ein Blick in den Wetterbericht bringt wenig Hoffnung für das Wetter im Jahr 2024. Rund um den Dezember gibt es viele Bauernregeln, die Rauhnächte sollen dabei einen Ausblick auf das folgende Jahr geben.

  • „Aufs Wetter gib wohl acht von Christtag bis Dreikönigsnacht, es zeigt dir, was das Jahr dann wacht.“

Eine Wetter-Prophezeiung ist das Zwiebelorakel: In einer Rauhnacht wird eine Zwiebel in zwölf Teile geschnitten und je ein Teil mit Salz bestreut in ein Schälchen gelegt. Jede Schale steht für einen Monat. Die Menge des Wassers soll dabei Ausschlag darüber geben, wie nass der jeweilige Monat wird. Wissenschaftlich ist das Zwiebelorakel natürlich nicht.

Rubriklistenbild: © imago/StockTrek Images

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