Deutliche Worte

Crans-Montana: Mutter reagiert auf Entschuldigung von Barbetreiberin – „Wollen nichts von dieser Frau wissen“

Am Freitag wurde das Betreiber-Paar der Bar „Le Constellation“ in der Schweiz verhört. Jaques Moretti wurde daraufhin in U-Haft genommen.

Update vom 9. Januar, 14:00 Uhr: Auf die Entschuldigung, die Barbetreiberin Jessica Moretti am Freitag tätigte, reagierten die Eltern eines der Todesopfer aus Italien. „Wir wollen nichts von dieser Frau wissen“, so eine Mutter im Gespräch mit der Zeitung Corriere della Sera. Die U-Haft von Jaques Moretti kommentierte sie mit den Worten: „Ich finde das gut, es war höchste Zeit.“ Gleichzeitig betonte sie, dass die Ermittlungen sich nicht auf die beiden Barbetreiber beschränken könnten. „Denn in Wirklichkeit sind alle verantwortlich, von der Regierung bis zur Gemeinde Crans“, fuhr sie fort.

Nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana fand am Freitag (9. Januar) eine Trauerfeier statt.

Tragödie in der Schweiz: Barbetreiberin aus Crans-Montana bittet um Entschuldigung

Update vom 9. Januar, 16:51 Uhr: Im Zuge der Ermittlungen zur Brandkatastrophe in der Bar in Crans-Montana, bei der am 1. Januar mindestens 40 Menschen starben, ist für den Barbetreiber U-Haft beantragt worden. „Aufgrund seiner Aussagen, seines bisherigen Lebenslaufes sowie seiner persönlichen Situation in der Schweiz und im Ausland erachtete die Staatsanwaltschaft die Fluchtgefahr als konkret“, teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit. Für seine Frau Jessica Moretti gelte das nicht.

„Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können“, sagte die Barbetreiberin nach einer Befragung bei der Staatsanwaltschaft in Sion schluchzend vor Medien. „Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen.“ Ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten.

Gegen das Ehepaar hatte die Justiz Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst gestartet. Auch die Behörden selbst stehen im Fokus. Aus noch ungeklärten Gründen waren die Brandschutzmaßnahmen des Lokals vorschriftswidrig jahrelang nicht von den zuständigen Stellen geprüft worden. Bei der heutigen Trauerfeier für die Brandopfer forderte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin eine lückenlose Aufklärung des Geschehens.

Paukenschlag in Crans-Montana: Betreiber von Todes-Bar festgenommen

Erstmeldung vom 9. Januar, 16:05 Uhr: Sion – Die Brandnacht von Crans-Montana nimmt eine dramatische Wendung: Jacques Moretti, Betreiber der Todes-Bar „Le Constellation“, sitzt seit Freitag (9. Januar) in Untersuchungshaft. Das berichten die Nachrichtenagentur AFP sowie französische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Nach einer stundenlangen Vernehmung ordneten die Walliser Behörden demnach seine Festnahme an – wegen akuter Fluchtgefahr.

Nach der ersten Verhörung als Verdächtiger wurde der Mit-Besitzer der Bar „Le Constellation“ inhaftiert.

Der 49-jährige Korse musste sich an diesem Tag erstmals als Beschuldigter den Fragen der Staatsanwaltschaft stellen – gemeinsam mit seiner Ehefrau Jessica. Zuvor war das Paar als Zeugen vernommen worden. Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud hatte bereits vor der Vernehmung am Freitag von einer Wende bei den Ermittlungen in Crans-Montana gesprochen.

Besitzer von Bar „Le Constellation“ wohl direkt nach Vernehmung festgenommen

Während Jessica Moretti auf freiem Fuß blieb, wurde ihr Mann laut Informationen der Zeitung 24 heures direkt nach der Vernehmung in die Gefängniszelle gebracht. Das Zwangsmassnahmengericht muss die Massnahme innerhalb von 48 Stunden noch bestätigen.

Auf Nachfrage von Ippen.Media kann die Kantonspolizei Wallis noch nichts zu den Berichten sagen, sie weder bestätigen noch dementieren. Verantwortliche der Gemeinde oder der Staatsanwaltschaft waren vorerst nicht erreichbar, da sie sich auf der Trauerfeier für die Opfer des Brands in der Silvesternacht befanden.

Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom Unglücksort

Während einer Silvesterparty in einem Schweizer Nobel-Skiort brach in einer Bar ein Feuer aus. Dutzende Menschen starben. Viele Fragen sind noch offen – vor allem zu den Hintergründen.
Der Schweizer Skiort Crans-Montana im Kanton Wallis
Explosion bei Silvesterparty in Skiort in der Schweiz.
Explosion bei Silvesterparty in Skiort in der Schweiz.
Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom Unglücksort

40 Menschen starben bei Brand in Crans-Montana – Staatsanwaltschaft ermittelt

In der Neujahrsnacht war in der Bar „Le Constellation“ ein verheerender Brand ausgebrochen. 40 Menschen starben, über 120 wurden teils schwer verletzt. Als Brandursache gilt ein Tischfeuerwerk, das die Holzdecke der Bar entzündete.

Gegen das Betreiber-Paar ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen „fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst“. Besonders brisant: Die Bar wurde jahrelang nicht kontrolliert – seit 2019 hatte es im Lokal „Le Constellation“ keine Brandschutz- und Sicherheitskontrollen gegeben, gestand die Gemeinde, die ihrerseits dadurch schwer in die Kritik geriet.

Jacques Moretti ist kein unbeschriebenes Blatt: Laut der französischen Zeitung Le Parisien wurde er 2008 in Frankreich wegen Anstiftung zur Prostitution, Betrugs und Entführung rechtskräftig verurteilt. Ein Anwalt der Opferfamilien bezeichnet Moretti als „zwielichtige Figur“. Auch über das Lokal waren in den Tagen seit dem Unglück verschiedene Vorwürfe aufgekommen, der Bar-Chef hatte kündigen wollen. (Verwendete Quellen: dpa, AFP, 24 heures, Kantonspolizei Wallis) (moe)

Rubriklistenbild: © Maxime Schmid/AFP/Michael Buholzer/AFP

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