„Besorgniserregend“
„Nationaler Notstand“ am Italiens Supervulkan: Chef-Vulkanologe warnt vor Glutlawinen und Explosionen
Italien ist in Alarmstimmung. Der Chef-Vulkanologe warnt vor einem Ausbruch am Supervulkan. Das sei aber nicht einmal das besorgniserregendste.
Neapel – Die Situation am Supervulkan in Italien ist „besorgniserregend“. Das bestätigte nun der Präsident des Nationalen Instituts für Vulkanologie (INGV), Fabio Florindo. Die Experten haben neue Berechnungen durchgeführt und warnen drastisch. Ein Ausbruch scheint immer wahrscheinlicher. Doch das sei nicht einmal das, was am meisten Sorgen bereite.
„In Neapel herrscht in der Region Campi Flegrei ein nationaler Notstand“. Mit diesen alarmierenden Worten wandte sich INGV-Präsident Florindo am Mittwoch (2. Juli) an die parlamentarische Untersuchungskommission zu hydrogeologischen und seismischen Risiken. Er zeigt anschließend Karten, die mit verschiedenen Systemen berechnet wurden. Sie würden „im Großen und Ganzen das gleiche Szenario darstellen“, so Florindo laut Rai News.
Italiens Chef-Vulkanologe sieht „nationalen Notstand“ und warnt vor Glutlawinen
Das „kritischste Gebiet“ sei demnach das bei Astroni-Agnano. Florindo sprach von einem „besorgniserregenden Gebiet“. Hier bestehe eine 40- bis 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, „dass die Öffnung von Schloten mit dem Ausstoß pyroklastischer Ströme in diesem Gebiet erfolgt“. Solche Ströme werden auch Glutlawinen genannt. Es handelt sich um heiße, dicht gemischte vulkanische Asche, Gase und Gestein, das sich mit hoher Geschwindigkeit talwärts bewegt.
Florindo erinnerte laut daran, dass der letzte Ausbruch der Phlegräischen Felder im Jahr 1538 stattfand. Das sei aber nicht der einzige Grund zur Besorgnis. Neben den Glutlawinen seien „phreatische Explosionen, die ohne Magma entstehen und mit Gas und Grundwasserleitern oberhalb der Magmakammer verbunden sind, am besorgniserregendsten“, zitiert today.it den Chef-Vulkanologen Italiens.
Über den Astroni-Vulkan
Der Vulkan Astroni ist ein Tuffsteinring im Nordwesten der Agnano-Ebene. Er entstand nach mindestens sieben Ausbrüchen vor mehr als 4000 Jahren. Laut today.it waren die Ausbrüche überwiegend explosiv. Mindestens zwei der Ausbrüche endeten mit dem Ausstoß von Lava. Heute ist der Vulkan ein Naturschutzgebiet.
Ausbruch von Italiens Supervulkan möglich – anderes Phänomen „am besorgniserregendsten“
Wenn die heißen Bereiche mit kälterem Grundwasser in Berührung kommen, entstehen regelrechte Explosionen, so der Experte. „Diese phreatischen Explosionen sind echte Explosionen, das heißt, sie schleudern alles, was sie an der Oberfläche finden, in die Luft. Magma ist nicht beteiligt, aber sie können tödlich sein“, so Florindo.
Besonders heikel seien diese Explosionen, da es für sie „keine Vorwarnung“ gebe. Im Gegensatz dazu ließen sich Magmabewegungen zumindest einige Stunden oder sogar Tage im Voraus prognostizieren. Somit bliebe Zeit, die Bevölkerung in Sicherheit zu bringen.
Italien schlägt Alarm am Supervulkan: Erdbeben werden zunehmend Gefahr
Neben diesen beiden Phänomenen droht aber noch eine weitere Gefahr am italienischen Supervulkan: Erdbeben. Erst am Montag (1. Juli) hatte es das stärkste jemals gemessene Erdbeben an den Phlegräischen Feldern gegeben. Die Lage aus seismischer Sicht sei „besorgniserregend“, so der Chef-Vulkanologe. Hintergrund ist das Bradyseismos-Phänomen. Es ist typisch für die Phlegräischen Felder. Dabei handelt es sich um ein sehr langsames Erdbeben. Stufenweise hebt und senkt sich der Boden.
Aktuell hebe sich der Boden pro Monat um knapp 1,5 Zentimeter, so der Experte. Es gab zuletzt jedoch auch Spitzenwerte von drei Zentimetern pro Monat. Nach den neuen Berechnungen werde es weiter Erdbeben geben, solange die Hebung anhält. Als Obergrenze nennt er eine Magnitude von 5,5. Das wäre ein mittelschweres Erdbeben, bei dem Häuser beschädigt werden können. Auch ein Kollege vom Vesuv-Observatorium warnte nach dem jüngsten Beben wegen einer „Besonderheit“.
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Das Problem sei aber weniger ein großer Schock, sondern die vielen leichten bis mittelschweren Erschütterungen. Dann könnten Gebäude immer stärker beschädigt werden und ab einem bestimmten Punkt einstürzen. Dann mahnt der Experte: Zwar würden Häuser aktuell auf Schäden untersucht. Aber viele Menschen würden sich weigern, ihre Häuser prüfen zu lassen, „weil sie Angst vor einer Zwangsräumung haben“.
Die Phänomene könnten natürlich auch eine Gefahr für Deutsche im Urlaub in Italien werden. Aktuell warnte das Auswärtige Amt aber aus anderen Gründen vor einem Urlaub in Italien. (rjs)
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