Insekten

Leise, winzig und immer häufiger: Droht eine Kriebelmücken-Plage in Deutschland?

Kriebelmücke sitzt auf Gitter und sieht, wie eine harmlose kleine Fliege aus.
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Kriebelmücken sehen harmlos aus. Doch die Insekten beißen blitzschnell zu und lösen heftigen Juckreiz aus.

Ihr Biss löst heftigen Juckreiz aus. Und nicht nur für Allergiker können sie gefährlich werden: Kriebelmücken. Steht Deutschland vor einer Plage?

Hamm - Schon beim Klang ihres Namens beginnt das Jucken: Kriebelmücken. Die Insekten sind winzig und sehen aus wie harmlose Stubenfliegen, doch ihr Biss ist mehr als nur unangenehm. Sie können Krankheiten übertragen. Die Chance, in Deutschland von einer Kriebelmücke gebissen zu werden, wächst. Laut Forschern wird es wegen der zunehmenden Erwärmung hierzulande immer mehr von ihnen geben.

Mehr Kriebelmücken in Deutschland - Biss kann gefährlich werden

Mit einer typischen Mücke, die Menschen mit ihrem hochfrequenten Sirren in der Nacht um den Verstand bringt, hat die Kriebelmücke außer dem Namensbestandteil nicht allzu viel gemein. Kriebelmücken fliegen den Menschen geräuschlos an, ohne dabei ein Gefühl von Berührung zu erwecken. Was auf der Haut geschieht, ist auch kein Stich, sondern ein Biss. Kriebelmücken reißen eine Mini-Wunde in die Haut und saugen das sich an der Oberfläche sammelnde Blut auf.

Kriebelmücken bevorzugen zwar Weidevieh, Kühe und Pferde, aber wenn gerade keines dieser Tiere da ist, greifen die zwei bis sechs Millimeter großen Insekten auch auf Menschen zurück. Dort hinterlässt der Biss eine stark juckende Wunde, die größer ist als ein normaler Mückenstich. An diesen Merkmalen erkennt man den Biss einer Kriebelmücke:

  • meist ein kleiner roter Punkt an der Biss-Stelle
  • eine gerötete Schwellung, die sich entwickeln kann
  • möglicherweise später ein größerer, stark juckender Bluterguss

Biss einer Kriebelmücke: Erst merkt man nichts, dann kommt der Juckreiz

Damit die Kriebelmücke das Blut überhaupt aufnehmen kann, hemmt sie dessen Gerinnung mit einem Eiweißcocktail, der eine betäubende Wirkung hat. Aus diesem Grund wird man vom Biss einer Kriebelmücke erst dann etwas mitbekommen, wenn alles vorbei ist.

Das größere Problem: Die Substanz kann schwere allergische Reaktionen auslösen, wie Sven Klimpel von der Uni Frankfurt sagt. In besonders schlimmen Fällen kann der Biss sogar einen allergischen Schock verursachen. Nicht nur das. „Kriebelmücken sind zudem vektorkompetent, also in der Lage, durch ihren Stich Infektionskrankheiten auslösende Erreger zu übertragen“, so Klimpel. 

Kriebelmücken können Krankheiten übertragen und allergische Reaktionen auslösen

Der bekannteste Erreger, der durch Kriebelmücken übertragen werden kann, ist der in Afrika heimische Fadenwurm Onchocerca volvulus, der die sogenannte Flussblindheit auslösen kann. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben infolge der Krankheit weltweit bereits mehr als 1,15 Millionen Menschen einen Sehverlust erlitten. Ob Kriebelmücken schwere Krankheiten auch in Europa verbreiten können, ist Gegenstand der Forschung.

In Deutschland wurden bisher 57 Arten von Kriebelmücken entdeckt. Forscherinnen und Forscher haben sie anhand von mehr als 1500 Datensätzen aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen in drei Gruppen unterteilt. Die größten Sorgen bereiten die Tieflandarten. Sie sind zäh, besonders aggressiv gegenüber Menschen und anderen Säugetieren wie Hunden oder Katzen und könnten in Zukunft häufiger auftreten. Das ist ein Ergebnis einer im Fachjournal „Science of the Total Environment“ erschienenen Studie von Forschenden der Goethe-Universität und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt.

Höhere Temperaturen führen zu verkürzten Entwicklungszeiten, zu mehr Generationen pro Jahr und damit insgesamt zu mehr Kriebelmücken, sagt Wissenschaftlerin Sarah Cunze.

Kriebelmücken: Was tun, wenn man gebissen wurde?

Was aber tun, wenn man von einer Kriebelmücke gebissen wurde? Die erste und wichtigste Regel lautet: nicht kratzen! Dadurch könnten Erreger in die Wunde gelangen. Eine Entzündung wäre eine mögliche Folge. Am besten desinfiziert und kühlt man die Biss-Stelle mit einem nassen Waschlappen oder einem Kühlpad. Auch juckreizstillende Salben und anti-allergische Gele tun gut.

Am Ende noch eine gute Nachricht: Anders als andere Mücken hält sich die Kriebelmücke fast nie in geschlossenen Räumen auf, sodass man in den eigenen vier Wänden sicher ist. Außerdem kann sie nicht durch Kleidung beißen. Auch helfen viele der Mittel und Substanzen, die „normale“ Mücken fernhalten.

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