Erste Schäden erkennbar

Erdbeben in der Türkei: Experte warnt vor tumorartigem Beben-Cluster - Erste Personen verhaftet

Ein schweres Beben der Stärke 6,1 trifft die Türkei. Rettungskräfte melden Verletzte und ein Todesopfer. Auch Istanbul spürte die Erschütterungen.

Update vom 11. August, 15.34 Uhr: Die türkischen Behörden haben nach den verheerenden Erdbeben in der westtürkischen Region Balikesir inzwischen gehandelt. Justizminister Yimaz Tunc verkündete über die Plattform X die Festnahme des Eigentümers und Bauunternehmers eines zusammengebrochenen dreistöckigen Wohnhauses. Beide Beschuldigte müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten, nachdem bei dem Gebäudeeinsturz mindestens eine Person ihr Leben verlor.

Menschen verbrachten die Nacht nach dem heftigen Beben in der Türkei zum Teil im Freien. Ein Geologe warnt nun vor weiteren Erdbeben.

Die Türkei befindet sich in einer besonders erdbebengefährdeten Lage. Istanbul steht dabei im Zentrum der Sorge – über eine Million Bauwerke in der Metropole entsprechen nicht den geltenden Erdbebenschutzvorschriften. Die mangelhafte Bauqualität ist ein langjähriges Problem. Durch nachträgliche Amnestien wurden landesweit Tausende ursprünglich illegal errichtete Bauten legalisiert. Diese umstrittene Vorgehensweise rückte insbesondere nach der Erdbebenkatastrophe vom 6. Februar 2023 in der südosttürkischen Provinz Hatay verstärkt in die öffentliche Kritik.

Update vom 11. August, 12.53 Uhr: Einen Tag nach dem schweren Erdbeben in der Türkei gibt es keine Entwarnung: Der türkische Geologe Prof. Dr. Osman Bektaş zeigt sich alarmiert über die fortdauernde Erdbebenaktivität in der Region. Das Beben von Sindirgi sei Teil eines „wie ein Tumor wachsenden“ Erdbebenclusters, weitere Erschütterungen seien seiner Einschätzung nach unvermeidlich.

Update vom 11. August, 9.10 Uhr: Nach Angaben von Innenminister Yerlikaya werden von den insgesamt 29 Verletzten derzeit noch vier Personen in Krankenhäusern behandelt. In der westtürkischen Provinz Balikesir hat sich die Anzahl der Nachbeben dramatisch erhöht. Wie die Katastrophenschutzbehörde Afad mitteilte, wurden inzwischen 237 Nachbeben erfasst, wobei zehn davon mindestens eine Magnitude von 4,0 aufwiesen. Die Epizentren befanden sich nach Behördenangaben im Bezirk Sindirgi.

Erdbeben in der Türkei fordert Todesopfer und dutzende Verletzte

Update 11. August, 6.42 Uhr: Bei dem Todesopfer handelt es sich laut bbc.com um eine 81-jährige Frau. Innenminister Yerlikaya zufolge seien die Such- und Rettungsoperationen in den betroffenen Gebieten vorerst beendet.

Update vom 11. August, 5.15 Uhr: Nach den neuesten Angaben von Innenminister Ali Yerlikaya wurden insgesamt 29 Personen verletzt, wie milliyet.com.tr berichtet. Von diesen wurden 18 Verletzte bereits aus dem Krankenhaus entlassen, während 11 Personen weiterhin behandelt werden. Den Behörden zufolge seien nur drei der 11 noch behandelten Patienten direkt vom Erdbeben betroffen, die anderen verletzten sich beim Fluchtversuch, wie bbc.com berichtet.

Die Katastrophenschutzbehörde AFAD berichtet, dass in insgesamt 68 Stadtteilen der Region insgesamt 16 Gebäude vollständig eingestürzt sind, berichtet gazeteoksijen.com. Dies ist eine deutlich höhere Zahl als zunächst berichtet. Die Behörden erhielten demzufolge bislang insgesamt 24 Schadensmeldungen aus der Region.

Bis zum Morgen des 11. August wurden über 100 Nachbeben registriert, das stärkste mit einer Magnitude von 4,6. AFAD meldete zunächst 20 Nachbeben (15 zwischen 0-3.0 und 5 zwischen 4.0-5.0). Später wurde die Zahl auf über 100 korrigiert.

Update vom 10. August, 22.55 Uhr: Eine Person ist bei dem schweren Erdbeben in der Türkei ums Leben gekommen. Das gab Innenminister Ali Yerlikaya bekannt. Vier Menschen wurden aus den Trümmern eines Hauses geborgen. Dabei erlag ein Mann seinen Verletzungen. Die anderen drei werden im Krankenhaus behandelt.

Update vom 10. August, 21.36 Uhr: Dutzende Gebäude sind durch das Erdbeben in Sindirgi eingestürzt, darunter auch ein dreistöckiges Haus im Stadtzentrum. „Sechs Menschen wohnten in diesem dreistöckigen Gebäude“, sagte Bürgermeister Serkan Sak dem Sender NTV. Bereits vier Menschen konnten aus den Trümmern befreit werden, weitere Bewohner würden derzeit gerettet werden. Todesopfer gebe es nicht.

In den sozialen Medien werden bereits zahlreiche Videos und Bilder der Katastrophe in der Türkei geteilt. Einige zeigen den Moment der Erschütterung. Auf einem Video bei X ist das Ausmaß der Erdbeben-Schäden zu erahnen.

Erstmeldung: Istanbul – Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,1 hat am Sonntagabend (10. August) die Westtürkei heimgesucht. Das Epizentrum des Bebens befand sich im Bezirk Sindirgi in der Provinz Balikesir, wie die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad mitteilte.

Menschen beseitigen in Sindirgi die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes.

Die Erschütterungen ereigneten sich in einer Tiefe von elf Kilometern und waren selbst in den Großstädten Istanbul und Izmir deutlich spürbar – obwohl diese mehr als 200 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegen. Innenminister Ali Yerlikaya bestätigte, dass mindestens drei Menschen bei dem Beben verletzt wurden.

Mehrere Verletzte bei Erdbeben in der Türkei: „Vermeiden Sie Telefonanrufe“

Zudem seien mehrere Menschen verschüttet worden. Zu zwei Personen würden die Rettungskräfte derzeit Kontakt herstellen. Der türkische Nachrichtensender CNN Türk zeigte Bilder von mehreren eingestürzten Gebäuden in der betroffenen Region. Ein Mann konnte bereits aus den Trümmern geborgen werden.

Innerhalb nur einer Stunde nach dem Hauptbeben registrierten die Seismologen sechs weitere Nachbeben. Das stärkste dieser Folgebeben erreichte eine Magnitude von 4,6. Die Behörden warnen die Bevölkerung eindringlich davor, beschädigte Gebäude zu betreten. Zusätzlich gilt die Anweisung: „Vermeiden Sie Telefonanrufe, außer in lebenswichtigen Situationen“, um eine Überlastung des Kommunikationsnetzes zu verhindern.

Erdbeben erinnert an Katastrophe aus dem Jahr 2023

Die Türkei zählt aufgrund ihrer zahlreichen geologischen Verwerfungen zu den erdbebengefährdetsten Gebieten der Welt. Insbesondere die Millionenmetropole Istanbul ist einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Bereits im April dieses Jahres erschütterte ein Beben der Stärke 6,2 die Bosphorus-Stadt. Auch ein Urlaubsort in der Türkei wurde kürzlich von einem Erdbeben heimgesucht.

Das aktuelle Erdbeben ruft schmerzhafte Erinnerungen an die katastrophalen Beben vom 6. Februar 2023 wach. Damals verwüsteten Erschütterungen der Stärke 7,7 und 7,6 die südosttürkische Provinz Hatay und forderten nach offiziellen Angaben mehr als 53.000 Todesopfer allein in der Türkei. Auch das Nachbarland Syrien beklagte Tausende Tote. (kas/dpa)

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