Katastrophenfilm-Szenario?
Weltraumschrott fliegt über Deutschland: Wie gefährlich die Situation wirklich ist
Schrott aus dem Weltall tritt am Freitag in die Erdatmosphäre ein. Auch über Deutschland könnte er zu sehen sein. Wie groß ist die Gefahr für uns?
Hamm - Es war wohl eine der aufsehenerregendsten Meldungen, die von der Warn-App Nina seit langer Zeit verbreitet worden war: Trümmerteile sollen am Freitag, 8. März, in die Erdatmosphäre eintreffen. Auch über NRW soll der Weltraumschrott zu mehreren Zeitpunkten seine Bahnen ziehen, wie 24RHEIN weiß.
Obwohl es sich bei der Meldung um die niedrigste Warnstufe handelt, nämlich um eine Gefahreninformation, können einige Informationen schon für leichte Beunruhigung sorgen. So soll der Batterieblock, der bereits im März 2021 von der ISS abgetrennt worden war, in etwa die Größe eines Autos haben und rund 2,6 Tonnen schwer sein. Das Verglühen des Objekts kann zu bestimmten Zeiten zu sehen sein, eventuell ist sogar ein Knall zu hören. So beginnen Hollywood-Katastrophenfilme! Aber wie groß ist die Gefahr abseits von Actionfilm-Logik?
Weltraumschrott fliegt über Deutschland: Wie gefährlich die Situation wirklich ist
Wie so häufig ist die Realität weitaus weniger spektakulär als Katastrophen-Spektakel à la „Armageddon“ und „Deep Impact“. Denn die nüchterne Antwort, bei der sich die Experten im Großen und Ganzen einig sind: Die Gefahr, dass Stücke des Batterieblocks auf Deutschland herabregnen, große Schäden anrichten und eventuell sogar Menschen treffen könnten, geht gegen Null.
Ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass das Objekt aktueller Berechnungen nach im Norden Nordamerikas in die Atmosphäre eintreten wird. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) lieferte in der von Nina ausgespielten Gefahreninformation ebenfalls eine Einschätzung mit: „Die Wahrscheinlichkeit des Auftreffens von Trümmerteilen ins Deutschland ist nach jetzigen Informationen als sehr gering einzuschätzen.“ Auch Einrichtungen wie das Bundesministerium oder das Zentrum für Luft- und Raumfahrt sprechen von einem sehr unwahrscheinlichen Szenario.
Physiker und Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen, dessen Schwerpunkt Astronomie und Raumfahrt ist, schließt sich den Einschätzungen an. „Wenn man das Leuchten sieht, sind die Trümmer immer noch 1000 Kilometer entfernt“, sagte er in einem Gespräch mit dem WDR. Auch informiert er darüber, dass es bislang keine bestätigten Fälle gebe, in denen Menschen durch Weltraumschrott zu Schaden gekommen seien. „Etwa fünfmal pro Woche treten größere Stücke Weltraummüll unkontrolliert in die Atmosphäre ein“, ordnet Lorenzen ein und macht dadurch deutlich, wie sehr Schrott aus dem Weltall, der Richtung Erde fliegt, zum Alltag gehört.
Schrott aus dem Weltall über Deutschland zu sehen: Kommt es zur Katastrophe?
Jan Wörner, ehemaliger Präsident der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa, sagte der dpa: „Batterien brennen sehr gerne. Ich gehe davon aus, dass das Paket nahezu komplett in der Atmosphäre verglüht“. Und selbst, wenn Teile doch in die Atmosphäre eindringen, sieht ein keinen Grund zur Beunruhigung. Ein großer Teil der Fläche, über die der Schrott hinwegfliegt, bestehe aus Wasser. Ein Absturz auf bewohntes Gebiet – und hier kommt erneut das Wort ins Spiel – ist unwahrscheinlich.
Und dass der Schrott aus den Tiefen des Alls ins Wasser stürzt birgt keine Gefahren? Laut Einschätzung der Experten tatsächlich nicht. Vielmehr wird oft Weltraumschrott sogar kontrolliert ins Wasser gelenkt. Unter anderem gibt es einen ganzen „Raumschifffriedhof“ am „Point Nemo“, also dem Ort, der sich am weitesten vom Festland entfernt befindet. Dort soll auch im Jahr 2031 die dann ausgediente ISS ihre letzte Ruhestätte finden.
Wer es übrigens ganz genau wissen möchte: Eine Karte zeigt die Flugbahn des Weltraumschrotts über NRW.
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