Plötzlich abonniert

TV-Sendung alarmiert über hinterhältige Falle: Senioren mit Pflegeprodukten betrogen

Ein zwielichtiges Abo-Modell mit Pflegeprodukten zielt darauf ab, Senioren ihr Geld zu entlocken. Die Verbraucherzentrale warnt.

Kiel – Betrugsmaschen bei älteren Menschen wie etwa der Enkeltrick oder Schockanrufe sind nach Angaben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat ein weit verbreitetes Problem. Die Maschen der Betrüger sind dabei vielseitig. Sie gehen in der Regel sehr raffiniert vor, um an das Geld der Senioren zu kommen. Die NDR-Sendung „Markt“ warnt in einer aktuellen Folge (vom 31. März) vor einer neuen Abzocke von Rentnern.

Nach Anruf: Rentnerin bekommt Paket mit Pflegeprodukten geliefert, die sie nicht bestellt hat

Bei diesen Fällen geht es um eine typische Abo-Falle. Während früher vor allem dubiose Zeitschriften-Abos auf ähnliche Weise verkauft wurden, handelt es sich heute um ungewollte Abonnements von Pflegeprodukten. Die 89-jährige Rentnerin Marte Hildebrandt erhält eines Tages unerwartet einen Anruf von einer Vertreterin der Firma Helpbox24. „Die haben gefragt, welchen Pflegegrad ich habe und sie wollten mir irgendwas schicken. Das hat sie auch aufgezählt“, schildert die Seniorin in dem TV-Beitrag. Woher die Firma ihre Telefonnummer hat, weiß Marte Hildebrandt demnach nicht.

Obwohl die Rentnerin betont, dass sie nur Inkontinenzeinlagen benötigt, bietet ihr die Frau am Telefon ein auf sie abgestimmtes Pflegepaket an, welches kostenfrei nach Hause geschickt werden soll. Überrumpelt von diesem Angebot, willigt die Seniorin ein. Wochen später kommen eine Abo-Vertragsbestätigung und die ersten Pakete bei der Rentnerin an. Da hatte sie den Anruf schon beinahe vergessen. Marte Hildebrandt öffnet in der Annahme, dass es sich um das von ihr benötigte Produkt handelt, das Paket. Anstelle der Inkontinenzeinlagen wurden ihr jedoch andere Pflegeprodukte geliefert, welche die Rentnerin gar nicht braucht.

Verbraucherzentrale warnt vor fatalen Folgen

Als die Seniorin dem Vertrag schriftlich widerspricht, wird dies zwar von der Firma bestätigt – die Lieferung hört allerdings trotzdem nicht auf und Marte Hildebrandt erhält ein weiteres Paket. Nachdem sie die Annahme verweigert, folgen immer wieder neue Rechnungen für ihre private Pflegeversicherung und ein Mail-Wechsel mit der Firma. Da Helpbox24 von ihrer Versicherung jedoch als dubios eingestuft wird, werden die Kosten von der Pflegeversicherung nicht übernommen.

Anstatt mit Zeitschriften werden Senioren heutzutage mit Pflegeprodukten telefonisch in die Abo-Falle gelockt. (Symbolbild)

Obwohl die Firma auf ihrer Webseite angibt, Pflegeprodukte zum Nulltarif anzubieten, wird alles in Rechnung gestellt. Das geht aus den Recherchen vom NDR hervor. Deshalb warnen Verbraucherschützer vor den Folgen, da Kranken- und Pflegeversicherungen maximal 42 Euro im Monat für Pflegehilfsmittel übernehmen. Meist wird dieser Betrag aber bereits durch den Bezug von Pflegehilfsmitteln bei einer Apotheke oder dem Pflegedienst verbraucht. Eine zusätzliche Abrechnung von einem anderen Dienstleister wird von der Krankenkasse dann nicht mehr übernommen, so Katrin Reinhardt von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein gegenüber dem NDR.

So können sich Rentner vor sogenannten „ColdCalls“ schützen

Obwohl Überraschungsanrufe, sogenannte „Cold Calls“, ohne Übereinstimmung gesetzlich verboten sind, blüht das Geschäft mit aggressiven Verkaufsmaschen am Telefon noch immer. Solche Anrufe überfordern dabei besonders ältere Menschen. „Ihnen wird etwas aufgeschwatzt, was sie eigentlich nicht benötigen. Das ist in unseren Augen nicht die feine Art, sondern eben unseriös“, so Katrin Reinhardt. Auch wenn man nicht mit absoluter Sicherheit verhindern kann, dass man ungewollte Werbeanrufe bekommt, kann man sich jedoch in der Situation vor unerwünschter Telefonwerbung schützen. Auf ihrer Webseite rät die Verbraucherzentrale unter anderem zu folgenden Tipps:

  • Auffällige Gespräche besser vorzeitig beenden: Betrüger nutzen gezielt die Höflichkeit anderer Menschen aus. Die Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, das Gespräch beispielsweise mit dem Satz „Ich habe kein Interesse an Ihrem Angebot, bitte rufen Sie mich nicht mehr an. Vielen Dank.“ zu beenden.
  • Nicht auf Gespräche mit ungewollten Anrufern einlassen: Dadurch schützen Sie sich vor untergeschobenen Verträgen und vor weiteren Anrufen.
  • Bei Kontaktaufnahme zu angeblich bestehendem Vertrag (zum Beispiel Energie- oder Telekommunikationsanbieter) gezielt nach Daten fragen, die nur der Anbieter kennt.

Die Verbraucherzentrale ruft zudem dazu auf, ungewollte Werbeanrufe zu melden. Denn Verbraucherzentrale und Bundesnetzagentur gehen gegen Werbeanrufe vor. Je mehr Informationen sie über den Werbeanruf erhalten, desto leichter ist es den Fall zu überprüfen. Sollten Sie mit einem Cold-Call konfrontiert werden, notieren Sie sich daher am besten die Uhrzeit, die Telefonnummer und was bei dem Telefonat beworben wurde.

Rubriklistenbild: © imageBROKER/Jan Tepass/IMAGO

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