Öko-Test
Discounter nimmt nach katastrophalem Test-Ergebnis Orangensaft aus den Regalen
Öko-Test hat 19 Orangensaft-Produkte untersucht. Marke oder Discounter - welches Getränk schneidet besser ab? Manche Supermärkte reagieren.
Hamm - Schon früh bekommen viele Menschen mit auf dem Weg gegeben, nicht immer nur zu Limonaden oder anderen Softgetränken zu greifen. Stattdessen solle man ruhig öfter mal dem guten alten Orangensaft eine Chance geben. Der schmeckt nicht nur, sondern steckt voller wertvollem Vitamin C, wie auch die Werbung immer wieder gerne betont.
Eine wirkliche Chance, dem Alltime-Favoriten unter den Fruchtsäften aus dem Weg zu gehen, hat man eh nicht. Kaum ein Sektempfang, eine Speisekarte oder ein Cocktail ohne den flüssigen Vitaminspender. Öko-Test hat sich die Säfte mit Orangengeschmack jetzt einmal zur Brust genommen und auf Herz und Nieren getestet. Das Ergebnis ist aber gar nicht so einfach zu deuten. Wer wissen möchte, wie gut genau die 19 Produkte im Testbericht abschneiden, sollte nicht nur auf die Gesamtnote schauen, sondern auch andere Aspekte beachten.
Orangensaft im Test: Ein Produkt muss vom Markt genommen werden
Erst einmal bekommt aber das Sorgenkind der Öko-Test-Redaktion seine Bühne: Wieder einmal bildet der Discounter Norma das Schlusslicht der getesteten Produkte. Zuletzt ist das Unternehmen bereits mit Tiefkühl-Pommes aufgefallen, die schädliche Stoffe enthalten. Jetzt kassiert der Bio Sonne Bio-Saft Orange aus Orangensaftkonzentrat von Norma als einziger Saft im Test die Note „ungenügend“. Da hilft auch das doppelte „Bio“ im Namen nichts: Die Experten wiesen eine mangelnde Rearomatisierung nach.
Das ist der Prozess, bei dem dem Saftkonzentrat zuvor entzogene Aromastoffe wieder hinzugefügt werden. „Bei diesem Prozess ist offensichtlich etwas schiefgelaufen, und damit entspricht der Saft schlicht nicht den Vorgaben der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung“, erklärt die Redaktion von Öko-Test im Bericht. Norma hat auf dieses Ergebnis bereits reagiert und die betroffene Charge vom Markt genommen. Laut dem Anbieter hätte die Überprüfung einer nachfolgenden Charge keine Auffälligkeiten mehr ergeben.
Notenspiegel des Orangensaft-Tests
Aber auch bei den anderen Säften war nicht alles orangefarbenes Gold, was orangefarbig aussah. Das ist der Notenspiegel des Orangensaft-Tests:
- Sehr gut: 1 Saft
- Gut: 7 Säfte
- Befriedigend: 6 Säfte
- Ausreichend: 2 Säfte
- Mangelhaft: 2 Säfte
- Ungenügend: 1 Saft
Das ist sicher kein Spitzenergebnis, aber macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck. Mit dem Fairglobe Way To Go Orangensaft aus Orangensaftkonzentrat von Lidl hat sogar ein Produkt die Bestnote erreicht. Ein Großteil der Säfte bewegt sich im guten bis befriedigenden Bereich. Und auch für „ausreichend“ heißt es ja so schön: „Ausreichend“ ist bestanden, bestanden ist gut, gut ist fast sehr gut.
Orangensaft im Test: Die Qualität stimmt meist, die Arbeitsbedingungen nicht
Also alles in allem ein Testergebnis, bei dem die Mehrheit der Orangensäfte empfohlen werden kann? Nun, Öko-Test hat ganz verschiedene Aspekte in ihre Berechnungen einfließen lassen und präsentiert den Lesern die Ergebnisse wie gewohnt detailliert. Und da fallen interessante Aspekte auf.
So haben nur vier der Säfte in der Teil-Kategorie „Sensorik“ die Note „Sehr gut“ erreicht. Ihnen wird als einzige Säfte im Test bescheinigt, wie frisch gepresst zu schmecken. Genau diese vier Säfte haben als Gesamtnote aber je nur ein „Befriedigend“ erhalten, weil sie in anderen Kategorien schwächeln. Die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau unter den Orangensäften war unter den getesteten Produkten nicht zu finden. Denn am Ende schmeckt auch der „sehr gute“ Orangensaft von Lidl nicht wie frisch gepresst.
Direktsaft vs. Konzentrat
Die Begriffe kennt fast jeder. Aber was steckt eigentlich genau dahinter, wenn man sich einen Direktsaft kauft? Wie unterscheidet er sich vom einem Saft aus Fruchtkonzentrat? Auch auf diese Frage hat Öko-Test eine Antwort: „Um Orangensaftkonzentrat herzustellen, wird der Saft stark erhitzt, bis das Wasser verdampft und ein klebriger Brei übrig ist“, heißt es in der Erklärung des Magazins. Mit Schiffen wird das gefrorene Konzentrat rund um die Welt geliefert, in Abfüllwerken werden dann wieder Wasser und Aromen zugefügt. Direktsäfte wiederum landen unverändert und dementsprechend auch unverwässert in der Flasche. Der Saft wird lediglich erhitzt, um das Produkt länger haltbar zu machen.
Im Großen und Ganzen stimmt die Qualität der meisten Produkte. Wirkliche Gefahren oder schädliche Stoffe konnten nicht nachgewiesen werden. Selbst das „ungenügende“ Produkt ist nicht gesundheitsschädlich. Woran viele Unternehmen aber noch arbeiten müssen, ist laut Öko-Test die faire Bezahlung der Arbeiter auf den Plantagen. Denn auch das war ein Kriterium der Experten. Und hier gab es nahezu bei jedem Produkt noch Verbesserungspotenzial, wenn es um die Existenzsicherung der Arbeiter geht.
Bei einem Großteil der von Öko-Test geprüften Margarinen ist ebenfalls nicht alles in Butter. Viele Produkte fielen durch, nur eine Margarine überzeugte.
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