Beliebter Bräter

Nach Insolvenz: Bekannter Investor aus Hamm kauft Kult-Marke „Römertopf“

Neuer Investor bei Römertopf
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Generationen kennen dieses Bild: Ein Römertopf steht mit einem Schmorgericht auf einer Küchenarbeitsplatte.

Nach der Insolvenz von „Römertopf“ kauft eine bekannte Firma aus Hamm die Kult-Marke aus Rheinland-Pfalz – und hat große Pläne.

Montabaur/Hamm - Dieser Bräter war jahrzehntelang in praktisch jeder gut ausgestatteten Küche zu finden: Der Römertopf. Nach Angaben des Unternehmens wurden seit den 70er-Jahren mehr als 50 Millionen Römertöpfe verkauft. In dem ovalen Topf aus Ton mit Deckel können Fleisch und Gemüse im Backofen zusammen gegart werden. Die Römertopf Keramik GmbH & Co. KG hatte Ende Juni allerdings Insolvenz angemeldet.

Hammer Firma erwirbt Römertopf-Markenrechte

Die Gläubigerversammlung hat sich in dem Zuge am Montag für die p:os handels GmbH mit Hauptsitz in Hamm als Investor entschieden. Deren Geschäftsführer Andreas Osterhoff bestätigte dem WA den Erwerb der Rechte an der Marke Römertopf. Von einer zweiten, ebenfalls insolventen Gesellschaft haben die Hammer ein bereits bestehendes Warenlager gekauft.

Die Marke Römertopf mit ihrer marktführenden Position sehe man als ideale Ergänzung des Produkt-Portfolios. p:os ist auf die Herstellung und den Vertrieb von Artikeln „rund um den gedeckten Tisch“ sowie Kochgeschirr spezialisiert.

Römertopf: Bisheriger Geschäftsführer kritisiert Verkauf

Der bisherige Geschäftsführer, Frank Gentejohann, hat die Entscheidung der Gesellschafter für den Zuschlag an p:os am Montag indes kritisiert. „Aufgrund des höheren Angebotes erhielt ein Investor den Zuschlag für Markenrechte und Warenlager, der die beliebten Produkte der Kultmarke im Ausland herstellen lassen wird“, sagte er. „Standort, Marke und 36 Arbeitsplätze sind für den Westerwald und das Kannenbäckerland nach 56 Jahren nun verloren.“

Osterhoff will das in dieser Form nicht stehenlassen. „Gentejohann schießt seit Monaten gegen uns, was mir unverständlich ist.“ Er vermutet, dass der bisherige Geschäftsführer „persönlich beleidigt“ ist, weil ein von ihm vorgeschlagener zweiter Interessent nicht zum Zuge kam.

Management-Fehler als Grund für Insolvenz?

Die Schwierigkeiten des Unternehmens aus dem Westerwald, die letztlich in der Insolvenz mündeten, seien nicht wie bisher verlautbart ausschließlich durch die Folgen der Energiekrise und des Ukraine-Krieg begründet, erklärt Osterhoff. „Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, liegt das meistens an Management-Fehlern und nicht daran, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern“, sagt er. Das sei auch in diesem Fall so.

Zunächst sei sogar überlegt worden, die Produktion am bisherigen Standort in Ransbach-Baumbach zu erhalten. „Das war aber nicht machbar. Die Immobilie ist nicht ideal und die eingesetzten Produktionsmaterialien und Maschinen sind veraltet“, so Osterhoff. Außerdem müsse die Produktion voll ausgelastet sein, um wirtschaftlich zu funktionieren. Das sei in den vergangenen 20 Jahren selbst in Spitzenzeiten aber nicht so gewesen. „Die Gesellschaft hat an dieser Stelle kein Geld verdient. Wirtschaftlich hatte das keine Zukunft.“

Osterhoff gibt Bekenntnis zum Standort Westerwald

Osterhoff wehrt sich dagegen, nun als der „Böse“ dargestellt zu werden, der die Marke übernimmt und sie dem Profit wegen ins Ausland verlagert. Römertopf habe auch unter der bisherigen Führung schon im Ausland produziert. Das gehe auch nicht anders, weil bestimmte Verarbeitungsformen wie die Veredelung mit einer Farbglasur in Deutschland schlicht nicht umsetzbar seien.

Der Region wolle p:os überdies treu bleiben. „Der Westerwald hat den Ton als Rohstoff. Den gibt es woanders so nicht. Deshalb drängt es sich auf, nach wie vor die klassischen Römertopf-Produkte dort fertigen zu lassen“, sagt Osterhoff. Nur eine eigene Produktion wolle man eben nicht mehr vor Ort unterhalten. Um die bisherigen Mitarbeiter habe man sich gekümmert. „Sie haben ihrer Qualifikation entsprechende Arbeitsplatzangebote von anderen Unternehmen in der Region erhalten.“

Komplett neue Produktlinie angekündigt

Unabhängig von den Störgeräuschen glaubt Osterhoff an die Zukunft der Traditionsmarke, will dem Tonbräter aber ein frisches Image verpassen. „Den Römertopf kennt man von der Oma. Wir wollen ihn auch für Jüngere interessant machen.“ Es stünden jetzt massive Investitionen in Marke und Marketing an. Osterhoff spricht von einem siebenstelligen Betrag. Zur nachhaltigen Entwicklung soll eine Gesellschaft mit Sitz in Ransbach-Baumbach gegründet werden.

„Aus heutiger Sicht passt der Römertopf super zum Ernährungstrend des sanften Garens“, sagt Osterhoff. Er hat nicht zuletzt deshalb auch bereits eine komplett neue Produktlinie angekündigt, die Ende Januar 2024 auf der Leitmesse „Ambiente“ in Frankfurt präsentiert werden soll. „Hierzu gehört zum Beispiel ein hochwertiges Tafelservice, dass sich nahtlos in die Römertopf-Produktlinie einfügt“, so Osterhoff.

Die p:os-Zentrale (vorn links) liegt an der Oststraße in Hamm, hinten ist die Musikschule zu sehen.

Das Unternehmen p:os hat seinen Sitz seit 2013 im Gebäude der früheren Stadtbücherei in der Oststraße mitten in Hamm, direkt gegenüber der Musikschule. Schlagzeilen machte es unter anderem, als es weltweit erfolgreich AC/DC-Dosenbier vermarktete. Zur p:os-Markenwelt gehören außerdem unter anderem „Harry Potter“, „Feuerwehrmann Sam“, „Frozen“, „Pokemon“ oder „Paw Patrol“.

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