Weihnachtsmarkt-Kult

Kakao-Getränk „Lumumba“ löst Rassismus-Debatte aus – Rufe nach Verzicht werden laut

Heißer Kakao mit Schuss auf dem Weihnachtsmarkt ist ein Klassiker. Doch darf man ihn bald nicht mehr „Lumumba“ nennen? Eine Rassismus-Debatte hat begonnen.

Hamm - Das große Kultgetränk auf deutschen Weihnachtsmärkten ist und bleibt der Glühwein. Aber der Platzhirsch unter den winterlichen Drinks sollte nicht vergessen lassen, dass es auch schmackhafte andere flüssige Kreationen gibt, die Besucher von Weihnachtsmärkten oder ähnlichen Veranstaltungen genießen könne. Eine beliebte Alternative ist es beispielsweise, einen Kakao mit einem Schuss Rum oder Amaretto sowie Sahne zu versehen - fertig ist der „Lumumba“. Nicht zum ersten Mal löst der Name des schokoladigen Muntermachers aber hitzige Diskussionen aus. Ist die Bezeichnung etwa rassistisch?

„Verdammt abartig“: Kakao-Getränk „Lumumba“ löst Rassismus-Debatte aus

Anstoß für die aktuell aufgeflammte Debatte ist ein Beitrag der Historikerin Annalena Schmidt auf der ehemals als Twitter bekannten Social-Media-Plattform X. Dort machte die ehemalige Grünen-Stadträtin darauf aufmerksam, dass ein kongolesischer Politiker Patrice Lumumba hieß. Dieser ist vor allem als Vorkämpfer der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung bekannt. Und: „Er wurde erschossen!“, schreibt Schmidt auf X. Dass ausgerechnet ein Kakao mit Schuss nach dem Politiker benannt ist, wird von vielen als problematisch angesehen.

Unter dem Beitrag der Historikerin ist wie zu erwarten eine hitzige Diskussion gestartet. In über 3000 Kommentaren wird Annalena Schmidt in oft derben Worten vorgeworfen, überempfindlich zu sein oder gar einer „woken“ Agenda zu folgen. Andere Nutzer hingegen weisen wesentlich gesitteter darauf hin, dass durchaus auch die Möglichkeit besteht, dass das Getränk bereits in den 1960er Jahren im Kongo den Namen „Lumumba“ erhalten hatte, um den Politiker zu ehren.

Aber auch Zustimmung lässt sich unter dem Beitrag der Historikerin finden. „Puh, das wusste ich nicht und finde das verdammt abartig“, schreibt ein Nutzer auf X. „Ich hoffe, dass das gesellschaftlich bekannt wird und man dann auf diesen Namen verzichtet.“ Der Kommentar endet damit, dass sich der Nutzer bei Annalena Schmidt für die Aufklärungsarbeit bedankt.

Ist „Lumumba“ rassistisch? Kakao-Getränk auf Weihnachtsmarkt löst Diskussion aus

Tahir Della, Pressesprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, sieht die Diskussion um die Benennung des Getränks als Beleg dafür, dass die Gesellschaft noch immer nicht ausreichend Wissen zu den kolonialen Erblasten hat. „Lumumba auf ein Getränk zu reduzieren – und es ist nicht zufällig, dass es aus Kakao besteht – ist aus diesem Grund nicht nur rassistisch, sondern es verhöhnt diese wichtige Person“, sagt er auf Nachfrage von wa.de.

Wofür stand der Politiker Patrice Lumumba?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wehrten sich die Bürger der Kolonie Kongo gegen das Apartheidregime in Belgien. Die belgische Regierung versuchte, die Bevölkerung zu besänftigen, indem ihr im Jahr 1958 die Erlaubnis gegeben wurde, politische Parteien zu gründen. Am 30. Juni 1960 wurde der Kongo formal in die Unabhängigkeit entlassen. Patrice Lumumba wurde erster Premierminister. Besonders für seine Rede auf der Unabhängigkeitsfeier wurde der Politiker und Aktivist bekannt: Er kritisierte bei der Veranstaltung öffentlich den Rassismus und die Unterdrückung, den die farbige Bevölkerung hatte erdulden müssen. Nur kurze Zeit später wurde Lumumba festgenommen - auf Geheiß der US-Regierung. Am 17. Januar 1961 wurde er erschossen.

Viele Personen seien sich gar nicht darüber im Klaren, wie viel Schmerz es bei Betroffenen auslöst, wenn schwarze Menschen mit Dingen und Lebensmitteln gleichgesetzt werden. „Ob und wann das Getränk umbenannt wird, liegt an uns allen“, fasst Della zusammen.

Am Ende des Tages geht es darum, zu sensibilisieren und auf Probleme aufmerksam zu machen. Das Getränk als solches soll keinem weggenommen werden. Und alternative Namen stehen bereits zur Verfügung. Wer auf dem Weihnachtsmarkt schlicht einen „Kakao mit Schuss“ bestellt, wird am Ende kein anderes Getränk als einen „Lumumba“ erhalten. Aber auch als „Tote Tante“ ist das Getränk bekannt. So wird das Mixgetränk in Norddeutschland, in den Niederlanden und in Dänemark (“Død tante“) bezeichnet. Ob so oder so: Der Geschmack wird sich nicht ändern.

Zu einem gelungenen Weihnachtsmarkt gehört neben heißen Getränken im Idealfall auch Schnee. Allerdings schneit es immer weniger an Weihnachten. Und das hat Gründe. Wem ein Weihnachtsmarkt nicht reicht, kann auch einen Freizeitpark in NRW ansteuern. Denn einige Themenparks haben aufwendige Winter-Events zu bieten.

Rubriklistenbild: © inganielsen/Imago

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