Nur noch einsam streamen
„Einfach nur erbärmlich“ – Amazon Prime streicht heimlich beliebte Funktion
Das Jahr 2024 ist kein Gutes für Kunden von Amazon Prime Video. Nach einem neuen Abomodell verschwindet jetzt eine beliebte Funktion – ohne Ankündigung.
Hamm - Es gab mal eine Zeit, in der Kunden von Amazon Prime viele Vorteile auf einem Haufen genossen haben. Der Streaming-Dienst Amazon Prime Video beispielsweise war für viele einfach nur ein Bonus, den sie gerne zur kostenlosen und schnelleren Lieferung ihrer bestellten Waren in Anspruch genommen haben. Dazu dann noch Songs auf Prime Music hören oder ein bisschen Lesestoff in der Kindle-Bibliothek entdecken.
Doch wir leben im Jahr 2024. Und das ist für Nutzer von Amazon Prime weit weniger rosig. Erst wurden die Video-User, die keine Werbung sehen wollen, gezwungen, ein teureres Extra-Abonnement abzuschließen. Dann stellte sich auch noch heraus, dass die günstigere Wahl nicht nur Werbung, sondern auch eine Verschlechterung der Bild- und Tonqualität mit sich brachte. Nun gibt es eine weitere Hiobsbotschaft für Streaming-Enthusiasten: Amazon streicht eine beliebte Funktion. Und zwar für alle Kunden – ohne sie zu informieren.
„Einfach nur erbärmlich“: Amazon Prime streicht heimlich beliebte Funktion
Der Online-Riese hat nun nämlich die gern genutzte „Watch Party“ gekillt. Diese Option hat es ermöglicht, dass Kunden gemeinsam mit Freunden, die ebenfalls Kunden sind und sich an anderen Standorten aufhalten, eine Serie oder einen Film zeitgleich schauen können. Die Abspielfunktion wird sozusagen synchronisiert. Drückt jemand Pause, hält der Film für alle Teilnehmer der „Watch Party“ an.
Dass diese Funktion nun einfach so wegfällt, ist nicht der einzige Grund, dass viele Kunden gerade sauer sind. Die nicht vorhandene Kommunikation seitens Amazon tut ebenfalls ihren Teil dazu bei, die Gemüter zu erhitzen. Denn eine Information, dass die „Watch Party“ abgeschafft werden soll, gab es nie. Auch nachträglich haben die Verantwortlichen kein offizielles Statement dazu gegeben.
Lediglich unter der Rubrik „Hilfe und Kundenservice“ wird unter der Überschrift „Probleme bei der Verwendung von Prime Video Watch Party“ neuerdings schlicht und einfach darauf hingewiesen: „Bitte beachte, dass die Option, eine Prime Video Watch Party zu erstellen, nicht mehr verfügbar ist.“ Kurioserweise ist dieser Satz zu lesen, bevor eine Auflistung mehrerer Lösungsvorschläge bei Problemen mit der „Watch Party“ folgt.
„Und wieder ein Produkt verschlechtert“ – Amazon Prime streicht Streaming-Funktion
Der plötzliche Wegfall der Option, Inhalte gemeinsam erleben zu können, ist für Kunden besonders ärgerlich, weil unter anderem mit der „Watch Party“ für das teurere, werbefreie Abo geworben wurde. Wer sich also im Februar 2024 vor allem wegen dieser Funktion dazu entschieden hatte, mehr Geld für Prime Video auszugeben, kann sich jetzt berechtigterweise getäuscht vorkommen.
Dementsprechend schlecht ist die Stimmung im offiziellen Amazon-Forum. Bereits am 4. April stellte ein Nutzer dort das Problem vor, keinen Zugriff mehr auf die „Watch Party“ zu haben. Woraufhin sogar eine Mitarbeiterin des Amazon-Forums versucht, das Problem zu lösen. Ehe ein weiterer User einige Tage später darüber informiert, mit dem Amazon-Support telefoniert zu haben. „Aus einer internen Mail geht hervor, dass der Service abgeschaltet wird“, schreibt er. „Alte Watch Partys funktionieren noch bis zum 9.4.24. Danach ist Ende und die Watch Party ist Geschichte.“
„Danke Amazon fürs Unterjubeln der Werbefrei-Option“, macht er seinem Ärger weiter Luft. „Einfach nur erbärmlich, den Kunden im Dunkeln zu lassen und es nicht zu kommunizieren.“ Der Nutzer „DerMatze“ bringt es für sich auf den Punkt: „Und wieder ein Produkt verschlechtert. Wir zahlen Unsummen für Prime und ständig geht die Leistung runter und der Preis hoch!“
Kummer sind nicht nur die Kunden von Amazon Prime Video gewohnt. Auch die anderen Streaming-Anbieter wissen, wie man die Nutzer ärgern kann. So gab es zuletzt auch bei Netflix eine Änderung, die vor allem Bestandskunden einen großen Nachteil beschert. Auch Account-Sharing ist für die Dienste ein rotes Tuch. Bei Netflix müssen sich die Kunden bereit seit einiger Zeit Profile, die nicht im eigenen Haushalt genutzt werden, dazukaufen. Soweit ist es bei Disney+ noch nicht. Allerdings droht das Haus mit der Maus Kunden mit „technischen Maßnahmen“, sollte der Account mit anderen geteilt werden.
Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa