Heimspiel gegen Wolfsburg
BVB-Fan beschreibt Horrorfahrt im Sonderzug: „Luft wurde immer stickiger“
Für viele BVB-Fans endet ein toller Fußballabend in einer Horrorfahrt mit dem Sonderzug. Ein Fahrgast aus Lippstadt klagt über die Kommunikation. Eurobahn wehrt sich.
Dortmund – Ali N. ist ein geduldiger Mensch. „Mir bleibt ja auch nichts anderes übrig, bei diesem Verein“, sagt er und lacht. Zu lange hofft er schon auf eine Meisterschaft seines BVB. Das Warten, das Bangen, das ist nicht neu. Auch mit Schwierigkeiten auf den Bahnstrecken in NRW bei Spielen von Borussia Dortmund kennt sich der 25-Jährige aus Lippstadt aus. Was er aber am vergangenen Sonntag erlebt hat, war eine Spur heftiger. Die Fahrt mit dem Sonderzug ging völlig schief.
Chaos auf der Bahnstrecke nach dem BVB-Heimspiel: „Es hat unfassbar gestunken in diesem Zug“
Kurz nach Spielende im Dortmunder Stadion meldete die Eurobahn am Sonntagabend (7. Mai) per Twitter einen „technischen Defekt“ an einem Zug direkt am Signal Iduna Park. „Aufgrund eines technischen Defektes kam unser Sonderzug, welcher extra für die BVB-Fans eingesetzt wird, kurz nach Abfahrt zum Stehen“, teilt Eurobahn dazu am Montag auf Nachfrage mit. Offenbar hatte sich ein Fahrgast in dem völlig überfüllten Zug übergeben und anschließend die Notbremse betätigt. „Es hat unfassbar gestunken in diesem Zug“, erzählt Ali N. im Gespräch mit wa.de. Schlimm genug, das war aber nicht das größte Problem.
„Zu dem Zeitpunkt standen wir schon 30 bis 45 Minuten zwischen Signal Iduna Park und Dortmund-Hörde im Nirgendwo“, sagt Ali N., der sich über eines ganz besonders ärgerte. „Es fand überhaupt keine Kommunikation seitens Eurobahn statt. Die Menschen standen dicht gedrängt in dem Zug und die Luft wurde immer stickiger. Alle hatten einen roten Kopf und waren nassgeschwitzt“, sagt der eingefleischte BVB-Fan, der nach eigenen Angaben in dieser Saison noch kein Heimspiel verpasst hat. Eine junge Frau neben ihm habe zudem über eine Panikattacke geklagt – sie war offenbar nicht die Einzige, die sich unwohl fühlte.
„Unser Triebfahrzeugführer überprüfte umgehend die Ursache. Ein zweiter Mitarbeiter, welcher im Sonderzug eingesetzt war, informierte währenddessen unsere Fahrgäste mehrfach“, hält Eurobahn dagegen. „Unser Mitarbeiter hat bis dahin und dann auch im weiteren Verlauf richtig gehandelt. Unverzüglich wurde der Notruf abgesetzt, da die Reisenden weitere Türen entriegelten und sich auf das offene Gleis begaben. Höchste Priorität hatte die Streckensperrung, sodass es zu keinerlei Unfällen kommt. Der Einsatz von Bundespolizei, Feuerwehr und Notfallbereitschaft wurde unverzüglich angefordert“, heißt es.
Fahrgäste haben nach dem BVB-Spiel gedroht, die Scheiben einzuschlagen
„Fahrgäste haben den Notruf gewählt und damit gedroht, die Scheiben einzuschlagen. Sie klagten über extrem schlechte Luft“, erklärt zudem die Dortmunder Feuerwehr auf Nachfrage von wa.de. Dazu kam es nicht. Als die Einsatzkräfte vor Ort waren, standen viele Fahrgäste schon auf den Gleisen. „Geschätzt sind über 150 Personen selbstständig aus dem Zug ausgestiegen und haben sich ins Gleisbett begeben. Verletzte haben wir keine registriert“, sagte ein Sprecher. Ein glücklicher Zufall, wenn man sich die dramatischen Schilderungen von Ali N. anhört, der seinem Ärger auch via Twitter Luft gemacht hatte.
Danke @DB_Bahn!
— Ali (@AIiBVB) May 7, 2023
Der volle Sonderzug RB89 blieb kurz nach der Abfahrt vom Stadion für fast eine Stunde stecken.
Menschen mussten sich wegen der defekten Klimaanlagen übergeben oder sind kollabiert.
Durchsagen gab es KEINE EINZIGE!
Jetzt wurde der Zug evakuiert. Super! #BVBWOB pic.twitter.com/Wp8YPEQDA4
„Da waren ja auch Familien mit Kindern und ältere Menschen. Die mussten circa 1,5 Meter tief ins Gleisbett springen – aus dem Zug heraus“, sagt er. Was ihn am meisten daran gestört hat: „Die Kommunikation. Zunächst hieß es, wir sollen im Zug warten. Dann wurde der plötzlich evakuiert – und dann standen wir da“, sagt er. Beschweren wolle er sich aber nicht. „Ich bin so einer, der regt sich direkt am Abend darüber auf und dann ist auch gut. Ich habe es ja noch irgendwie nach Hause geschafft vom Dortmunder Hauptbahnhof aus, den ich zu Fuß erreicht habe, über Hamm – für andere, gerade für Familien mit kleinen Kindern, war das bestimmt alles noch schwieriger“, sagt er. Auch für den Zugfahrer – denn der wurde offenbar auch noch Angriff einer physischen Attacke.
Eskalation im BVB-Sonderzug: Lokführer soll angegriffen worden sein
„Während unser Triebfahrzeugführer sich zudem um den Gesundheitszustand der Reisenden erkundete, wurde er selbst Opfer eines ‚Fans‘, welcher ihn ins Gleisbett schubste und aggressiv auf ihn einsprach“, erklärt das Unternehmen, das eine „detaillierte“ Prüfung der Abläufe ankündigt: „Um die Schadensursache, die ggf. von innen erfolgte, festzustellen sowie ggf. einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr festzustellen, wurde von der Bundespolizei die Videoaufzeichnungen in den Fahrgastinnenräumen zur Auswertung angefordert.“
Für Ali N. jedenfalls scheint die Sache schon wieder abgehakt zu sein. Die Horrorfahrt mit dem Sonderzug vergeht, was bleibt, ist ein 6:0 gegen den VfL Wolfsburg. „Wir bedauern, dass dieser Fußballabend für die Fahrgäste sowie für unsere Mitarbeiter trotz des glorreichen Sieges des BVB am Abend in dieser Form endete“, erklärt Eurobahn abschließend.
Rubriklistenbild: © Ali N.

