Parlamentswahlen in Kanada

„Was für ein Idiot“ – Schelte für Trump nach Wahlergebnis in Kanada

Mit seinen Annexionsplänen könnte der US-Präsident die Kanada-Wahl beeinflusst haben. Hat Trump den Liberalen in Kanada zum Sieg verholfen?

Ottawa – Ein Eigentor für US-Präsident Donald Trump? Nach der Parlamentswahl in Kanada ist die Häme für den Republikaner zumindest hoch. Der hatte in der Vergangenheit mehrfach den Plan geäußert, das Nachbarland zum „51. Bundesstaat“ der USA machen zu wollen – zuletzt postete er einen entsprechenden Beitrag kurz vor der Wahl in Kanada auf seiner Online-Plattform Truth Social. Außerdem begann Trump einen Zollstreit mit Kanada, einem der wichtigsten Handelspartner der USA.

Mit seinen aggressiven Annexionsphantasien hat der US-Präsident wohl die Liberale Partei Kanadas von Regierungschef Mark Carney unbeabsichtigt beflügelt. Und statt Kanada eine Angliederung an die USA schmackhaft zu machen, erhält Trump nun Danksagungen von seinen erklärten Gegnern.

Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen

Am 20. Januar legt Donald Trump den Amtseid ab und wird als US-Präsident vereidigt.
ines der ersten Länder, das am eigenen Leib erfahren musste, dass Trump nicht nur leere Drohungen ausspricht, war Kolumbien.
US Trump Tariffs
2025 Liberal Leadership Election Results Announcement In Ottawa
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Kanada-Wahl: Unterstützer der Liberalen feiern plötzlich den US-Präsidenten – „Danke Donald Trump“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber danke Donald Trump“, schrieb der amerikanische Podcaster und Schauspieler Brian Tyler Cohen in einem Beitrag auf X. Cohen, der ebenfalls für den US-Nachrichtensender MSNBC arbeitet, legte in einem weiteren Beitrag noch einmal nach und verdeutlichte den Zusammenhang zwischen dem Ergebnis der Parlamentswahl in Kanada und der Politik des US-Präsidenten: „Ein besonderer Dank an Donald Trump, der einen überwältigenden Sieg der Konservativen in einen überraschenden Sieg der Liberalen verwandelt hat.“

Das US-Magazin Daily Beast zitiert außerdem Zack Beauchamp, leitender Korrespondent des Nachrichtenportals Vox. „Die Liberalen konnten nach einem 20-Punkte-Rückstand im Januar heute Abend einen Sieg erringen, weil die Kanadier wütend auf Donald Trump sind“, schrieb Beauchamp auf X.

Donald Trump muss sich nach der Wahl in Kanada eine Welle des Spotts gefallen lassen.

Doch auch aus seinem eigenen ehemaligen Kreis muss sich Trump Häme nach der Wahl in Kanada gefallen lassen. Anthony Scaramucci, ehemaliger Sprecher des Republikaners in dessen erster Amtszeit, schrieb laut Daily Beast: „Das Beste, was Trump in 100 Tagen geleistet hat: Mark Carney.“ Aus dem Kreis seiner ehemaligen Rivalin Kamala Harris meldete sich Mike Nellis, ehemaliger Berater der Präsidentschaftskandidatin, mit den Worten: „Trump konnte nicht lange genug den Mund halten, um sich einen potenziellen Verbündeten in Kanada zu sichern. Was für ein unglaublicher Idiot!“ Trump habe eine ausländische Wahl „zum Referendum über sich selbst“ verwandelt.

Pleite für Trump nach Kanada-Wahl: Premierminister Carney kündigt Anti-US-Kurs an

Neben der Häme gegen Trump könnte sich der US-Präsident mit seinen Angliederungsphantasien den ehemaligen Partner Kanada zum entschiedenen Feind gemacht haben. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erklärte Premierminister Carney bei seiner Siegesrede in Ottawa, dass Kanada die „Lehren“ aus dem „Verrat“ der USA „niemals vergessen“ dürften. Er rief das Land zur Geschlossenheit gegen die Vereinigten Staaten auf.

Dass ausgerechnet Donald Trump den Liberalen in Kanada zum Sieg verholfen hat, wirkt mit Blick auf die vergangenen Umfragen in dem Land sehr wahrscheinlich. Denn nach dem Rücktritt des ehemaligen Premierministers Justin Trudeau, waren die Konservativen auf dem Vormarsch. Doch die massiven Strafzölle Trumps gegen Kanada und die Annexionsdrohungen scheinen für ein Umdenken gesorgt zu haben.

Mit Blick auf die angedrohte Übernahme des Landes kam es sogar im kanadischen Quebec, wo es eine starke Unabhängigkeitsbewegung gibt, zu einem Umdenken. Die Politikwissenschaftlerin Émilie Foster erklärte gegenüber der BBC: „Der Patriotismus in Quebec nimmt zu“. Müsse man sich entscheiden, gehörten die meisten „lieber zu Kanada als zu den Vereinigten Staaten“. (nhi)

Rubriklistenbild: © Dave Chan/Pete Marovich/AFP (Montage)

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